Schweinfurt

Schweinfurt: Der Streit um kostenlose Schul-Masken geht weiter

Der Freie Wähler-Antrag wurde im Haushalt abgelehnt, laut Stadtverwaltung hatte keine Schule Bedarf angemeldet. Ein neuer Antrag wirft die Frage auf: Stimmt das wirklich?
Lernen mit Maske: So sieht der Unterricht an bayerischen Schulen derzeit aus.
Foto: Matthias Balk, dpa | Lernen mit Maske: So sieht der Unterricht an bayerischen Schulen derzeit aus.

Der Streit um die Bereitstellung kostenloser Mund- und Nasenbedeckungen für Schüler und Lehrkräfte an Schweinfurts Schulen geht weiter. In den Haushaltsberatungen hatte Stefan Labus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, vergangene Woche gefordert, dass die Stadt einen Pool an Schutzausrüstung anschaffen und diese bei Bedarf an die Schulen kostenlos ausgeben soll. Der Antrag hatte zu hitzigen Diskussionen geführt und wurde aufgrund mangelnden Bedarfs abgelehnt. Nun stellte sich heraus, dass offensichtlich doch Bedarf an einzelnen Schulen besteht.

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Laut Labus müsse "so schnell wie möglich" kostenloses Equipment bereitgestellt werden, um den Gesundheitszustand an den Schulen in den Wintermonaten aufrechtzuerhalten. Es gebe Schüler, die sich manchmal nicht an die Maskenpflicht hielten, weil die Masken falsch getragen würden oder es sich um hygienisch fragwürdiges Material handele. Außerdem stelle die Anschaffung des Materials für manche Familien eine finanzielle Belastung dar.

Labus: "Aussage der Verwaltung ist falsch und irreführend"

Wie bereits berichtet, erklärte Schulreferent Jürgen Montag daraufhin, das Kultusministerium habe im Frühjahr darüber diskutiert, ob man Masken ausgeben solle, davon aber Abstand genommen. Außerdem: "Keine Schule ist auf uns zugekommen und hat gesagt, dass sie das brauchen." Deutliche Kritik kam auch von Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU). Es sei "Unsinn" zu behaupten, dass die Schüler keine Masken hätten oder trügen, zumal sich die Schulleiter diesbezüglich nicht bei der Verwaltung gemeldet hätten. Doch genau das entspreche laut Labus nicht der Wahrheit.

"Die Aussage der Verwaltung und des Oberbürgermeisters während der Haushaltsberatungen, dass von den Schweinfurter Schulen kein Maskenbedarf beantragt wurde, ist falsch und irreführend", erklärt Labus nun in einem erneuten Antrag. Mehrere Schulleiter hätten ihm bestätigt, dass sie kostenlose Masken beantragt haben. Die Anträge seien abgelehnt worden, da die Stadt sparen müsse und es "kein Geld dafür" gebe. Labus fordert nun im neuen Antrag, die Kosten für einen Pool von 100 000 Einwegmasken für Schüler und 15 000 FFP2-Masken für Lehrkräfte in den Haushalt 2021 mit aufzunehmen. Dafür sollen insgesamt 25 000 Euro veranschlagt werden.

Tägliche "Großveranstaltung" an der Schule

Und tatsächlich sollen im Vorfeld Schweinfurter Schulen bei der Stadt angefragt und zumindest teilweise die Bereitstellung von kostenlosem Equipment beantragt haben. So bestätigte Tomi Neckov, Schulleiter der Schweinfurter Frieden-Mittelschule dieser Redaktion, dass er Anfang November bei der Stadt einen Antrag auf FFP2-Masken für seine Lehrkräfte gestellt hatte. Dieser sei ohne Begründung abgelehnt worden. Warum von diesem Bedarf in den Haushaltsberatungen keine Rede war, könne sich Neckov nicht erklären.

"Die meisten Lehrkräfte nehmen pro Tag 50 und oft noch zahlreiche weitere soziale Kontakte auf sich, um die Schüler weiter live zu unterrichten", so Neckov. Dieser Gefahr setzten sich Lehrkräfte nicht unbedingt gerne aus, machten dies aber aus Überzeugung, "weil wir wissen, dass wir eine große gesellschaftliche Verantwortung tragen." Zwar hielten sich die Schüler an die Maskenpflicht, dennoch kämen jeden Morgen mindestens drei Schüler im Sekretariat vorbei, um nach Ersatz zu bitten.

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"Manchen Schülern verrutschen die Masken, weil die selbstgenähten Masken nicht passen und bei manchen Schülern ist es durchaus fragwürdig, wie hygienisch die Mund-Nasen-Bedeckungen behandelt werden", erklärt der Schulleiter. Laut Neckov, gleichzeitig Vizepräsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, fänden an der Schule täglich "verpflichtende Großveranstaltungen" mit über 400 Personen statt. "Wenn die Stadt für einen mittlerweile überschaubaren Zeitraum Einwegmasken für ihre Schülerinnen und Schüler und FFP2-Masken nach Bedarf für Lehrkräfte ausgeben würde, wäre das ein Zeichen der Wertschätzung." Zudem sorge es für ein weiteres Stück Sicherheit am Arbeitsplatz.

Schulleiter: Durften eigenes Schulbudget nicht nutzen

Einen solchen Bedarf sieht auch Günther Leo Redolfi, Schulleiter der Friedrich-Rückert-Schule in Schweinfurt. Auch er habe einen Antrag bei der Stadt gestellt, auch dieser wurde "ohne Begründung" abgelehnt. Generell funktioniere das Tragen der Masken gut. Die Schüler hätten mit ihren mitgebrachten Masken keine Probleme. Für Kinder, die ihre Mund- und Nasenbedeckung vergessen, habe man zudem Ersatzausrüstung vom Schulamt erhalten. Dennoch wendete sich Redolfi an die Stadt, um die Lehrkräfte noch besser auszustatten.

"Die meisten Lehrkräfte nehmen pro Tag 50 und oft noch zahlreiche weitere soziale Kontakte auf sich, um die Schüler weiter live zu unterrichten."
Tomi Neckov, Schulleiter der Frieden-Mittelschule Schweinfurt

"Im Austausch mit dem Gesundheitsamt wurde klar, dass die FFP2-Masken einen noch besseren Schutz ermöglichen und diese womöglich eine Rolle bei der Frage nach der Notwendigkeit einer Quarantäne spielen könnten", erklärt Redolfi auf Nachfrage. Deshalb habe er Kontakt mit der Stadt aufgenommen. Dabei sei es gar nicht um die kostenlose Bereitstellung gegangen. Vielmehr wollte er die Erlaubnis, das eigene Schulbudget für die Anschaffung der FFP2-Masken benutzen zu dürfen. "Zuerst bekamen wir dafür die Erlaubnis, drei Tage später hieß es dann aber: doch nicht", so Redolfi.

Seine Schule habe das Problem nun selber in die Hand genommen und FFP2-Masken für Lehrkräfte besorgt. Zum Selbstkostenpreis kann jeder Lehrer, der das möchte, eine solche Maske für einen Euro erwerben. Ob der Antrag der Freien Wähler, kostenlose Masken an Schweinfurter Schulen bereitzustellen, doch noch genehmigt wird, könnte möglicherweise schon an diesem Dienstag in einer Ausschusssitzung, ansonsten am 1. Dezember im Stadtrat, behandelt werden.

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