Schweinfurt

Traum von der Weltreise geplatzt: Endstation Honduras

Reiner Oßwald brach Anfang Februar zu einer langen Reise auf. Schon nach wenigen Wochen war der Traum wegen der Coronakrise geplatzt. Dennoch ist der Schweinfurter zuversichtlich.
Reiner Oßwald mit den Kindern der Gastfamilie, bei der er in Siguatepeque während der Coronakrise untergekommen ist. Die Gastmutter ist eine Schweinfurterin, die einen Honduraner geheiratet hat und seit 13 Jahren in Honduras lebt.
Foto: Reiner Oßwald | Reiner Oßwald mit den Kindern der Gastfamilie, bei der er in Siguatepeque während der Coronakrise untergekommen ist.

Das, was Reiner Oßwald von langer Hand geplant hatte, ist so ein „Einmal im Leben“-Ding. Der 53-jährige Schweinfurter wollte seit längerem den Traum einer Weltreise verwirklichen. Anfang Februar 2020 brach er nach Guatemala auf. Es sollte die erste Station einer langen Tour sein, von hier aus wollte er in den ersten Monaten, ausgestattet mit lediglich knapp elf Kilogramm Gepäck, durch verschiedene Länder Mittel- und Südamerikas reisen.

Den Rest der Route hat er sich bewusst offen gehalten, wie er erklärt. So hatte er etwa auch einen Besuch in Neuseeland auf dem Schirm, würde sich aber, je nach Lust und Laune,  die Entscheidung offen halten. So weit so gut. Das mit Guatemala hat geklappt, er verbrachte dort im Februar fast drei Wochen, anschließend ging es weiter nach Honduras, unter anderem auf die Karibikinsel Utila. Dann weiter ins Landesinnere. Und hier war schon Endstation – in der Stadt Siguatepeque sitzt Oßwald seit dem 16. März fest. Die nächsten geplanten Länder El Salvador, Nicaragua und Panama waren plötzlich keine Option mehr. „Corona hat mir da nen dicken Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Oßwald.

Wie der Entschluss reifte, eine Weltreise zu wagen

Als der Schweinfurter im Juni des vergangenen Jahres endgültig den Entschluss gefasst hatte, seine Reisepläne in die Tat umzusetzen, war er in einer persönlich schwierigen Situation, wie er schildert. Reiner Oßwalds Frau war 2016 an Krebs gestorben, das gemeinsame Haus, die gemeinsame Vergangenheit, als das war tagtäglich präsent, löste immer wieder Trauer in dem Schweinfurter aus. Er wollte sich, wie er erklärt, wieder nach vorne bewegen, machte sich Gedanken, wie es jetzt weitergehen könnte. So reifte der Entschluss in ihm, alles hinter sich zu lassen, und er begann die Weltreise zu planen.

„Jedenfalls dachte ich mir, ich bin körperlich noch fit, verfüge über die finanziellen Mittel und bin nur mir selbst gegenüber verantwortlich“, erklärt er. „Also, warum es nicht wagen?“ Als erstes habe er seinem Arbeitgeber von den Plänen erzählt, danach seinen erwachsenen Kindern und Geschwistern. Von allen Seiten bekam er Zuspruch. „Meine Kinder standen vom ersten Tag an hinter mir und fanden mein Vorhaben gut“, schildert er dem Tagblatt-Reporter, mit dem er über den "WhatsApp"-Messenger in Kontakt steht. Also machte Oßwald sich daran, alles konkret zu planen: Lesen, informieren, ungefähre Länderroute festlegen, alle Impfungen organisieren, Auslandskrankenversicherung abschließen.

Ein entscheidender Moment

Eine Hauptverkehrstraße in Rio Dulce, Guatemala, vor den weitläufigen Ausgangssperren, die den sonst üblichen wilden Verkehr auf mittelamerikanischen Straßen etwas zähmten.
Foto: Reiner Oßwald | Eine Hauptverkehrstraße in Rio Dulce, Guatemala, vor den weitläufigen Ausgangssperren, die den sonst üblichen wilden Verkehr auf mittelamerikanischen Straßen etwas zähmten.

Dann kam ein entscheidender Moment: Er kündigte seinen Job. „Da kamen zwischendurch schon Gedanken, wie: Was bist du für ein Idiot! Los, mach alles wieder rückgängig!“, erinnert er sich. Zweifel und auch Angst machten sich plötzlich breit. „Seine gesicherte Existenz, sein sicheres Zuhause, seinen guten Job aufzugeben, war ein echt massiver Einschnitt in meinem Leben“, sagt er. Doch der Entschluss stand. Und als Oßwald dann im Flugzeug nach Guatemala saß, waren alle Zweifel wieder weg. Denn jetzt stand ein großes Abenteuer an, das bis Januar 2021 hätte andauern sollen, wäre es nicht doch alles anders gekommen. Durch die Corona-Pandemie haben sich alle Pläne zerschlagen.

Auch, wenn nun Oßwalds Reisepläne dahin sind, so gewinnt er der Situation dennoch Gutes ab. Weil er länger in Honduras bleiben musste, als geplant, hatte ihm eine Bekannte in Deutschland den Kontakt zu einer Familie in Siguatepeque vermittelt, und da zeigte sich mal wieder, dass die Welt klein ist: Er wohnt jetzt bei einer Schweinfurterin und ihrem honduranischen Mann und deren Kindern mit ihm Haus. Die Schweinfurterin lebt seit 13 Jahren in Honduras. Diese Bekanntschaft gemacht zu haben und diese Art von Unterstützung zu erfahren, dafür ist Oßwald dankbar.

Die Lage änderte sich ständig

Nachdem Oßwald ab Mitte März in Siguatepeque fest saß, änderte sich die Lage in Honduras ständig: Nach Ein- und Ausreiseverboten und dem eingeschränkten Verkehr von öffentlichen Verkehrsmitteln folgte schließlich auch eine Ausgangsbeschränkung ähnlich wie in Deutschland, allerdings galt in Siguatepeque laut Oßwald ab 18 Uhr bis zum nächsten Morgen ein striktes Ausgangsverbot. Die Regelung wurde Ende März sogar noch einmal verschärft: „Hier dürfen die Menschen seit gestern (29. März, Anm. d. Red.) nur noch anhand ihrer ID auf die Straßen.“ Das bedeutet laut Oßwald, dass alle, die zum Beispiel die Endziffern 2,3 und 4 in ihrem Ausweis haben, am Mittwoch auf die Straße dürfen, um Einkäufe und andere dringliche Besorgungen zu erledigen. Die weiteren Endziffern seien dann an anderen Tagen dran.

Vor der Ausgangssperre: Ein ganz normaler Einkauf auf dem Markt in Siguatepeque.
Foto: Reiner Oßwald | Vor der Ausgangssperre: Ein ganz normaler Einkauf auf dem Markt in Siguatepeque.

Unklar war lange, wie er wieder zurück nach Deutschland gelangen kann. Selbst einen Rückflug organisieren, das ging nicht, da die Flughäfen geschlossen waren. Nachdem das Auswärtige Amt Mitte März angekündigt hatte, Rückholaktionen für im Ausland gestrandete deutsche Touristen zu starten, war zumindest eine Lösung in Sicht. Doch Honduras stand zunächst nicht auf der Liste der Länder, aus denen demnächst Rückholflüge beginnen würden. Am 26. März bekam Oßwald dann aber ein Schreiben der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Tegucigalpa (Hauptstadt Honduras): „Die Rückholung deutscher Staatsangehöriger und einiger EU-Bürger von Honduras nach Deutschland nimmt jetzt deutlichere Formen an“, heißt es darin. Ein Rückflug werde vermutlich am 2. oder 3. April stattfinden. Das Botschaftsteam erweist sich in dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, sogar als recht humorvoll, denn der Brief schließt mit dem Absatz: „Und zu guter Letzt und auf vielfache Bitten das Schlusswort, dieses Mal aus dem Lukas Evangelium: ,Wenn du meinst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.‘ – Wir arbeiten jedenfalls mit Hochdruck daran.“

Neuanfang in der alten Heimat

Mittlerweile ist der Flug konkret auf den 2. April festgelegt worden und Reiner Oßwald lobt die Arbeit der Botschaft: Er habe mit Mitarbeitern der Botschaft auch direkt sprechen können, „was sehr beruhigend für mich war und was auch zeigt, mit wie viel Engagement gearbeitet wird.“ Nun kann er wieder zurückkehren in seine Heimat. Dort muss er jetzt erstmal eine kleine Wohnung in Schweinfurt oder Umgebung suchen, denn sein Haus hat er vermietet. Die erste Zeit wird er bei seiner Schwester wohnen, wie er erklärt. Dann heißt es, sich vor Ort wieder nach und nach ein Leben aufzubauen.

Dass er jetzt ob des geplatzten Traumes von der Weltreise wütend ist und den Kopf hängen lässt, kann Oßwald nicht von sich behaupten: „Meine Reise ist mit der Rückkehr nicht zu Ende, es beginnt eine neue“, sagt er voller Zuversicht.

Der See Atitlán in Guatemala, der von insgesamt drei Vulkanen umgeben ist.
Foto: Reiner Oßwald | Der See Atitlán in Guatemala, der von insgesamt drei Vulkanen umgeben ist.
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