Ochsenfurt

Anton Kestel ruft auf zum Mut zur Kunst

Mit seiner Galerie will Anton Kestel Künstlern ein Podium bieten und die Ochsenfurter Altstadt um einen Anziehungspunkt bereichern.
In seinem Atelier experimentiert Anton Kestel gerne mit neuen Materialien, Formen und Stilen.
Foto: Gerhard Meißner | In seinem Atelier experimentiert Anton Kestel gerne mit neuen Materialien, Formen und Stilen.

Als Anton Kestel vor vier Jahren seinen Beruf als selbstständiger Kaufmann an den Nagel gehängt hatte, erfüllte sich sein Traum vom Leben für die Kunst. In der Galerie, die er in seinem ehemaligen Geschäftshaus am Marktplatz eingerichtet hat, will er künftig auch anderen Kunstschaffenden aus Ochsenfurt und der Region Gelegenheit geben, ihre Werke öffentlich zu präsentieren. Ergänzend zum "Galeriele im Alten Rathaus" der Künstlergemeinschaft OxArt, deren Gründung Anton Kestel ebenfalls mitinitiiert hat. Die erste Ausstellung ist seiner eigenen Werkschau gewidmet, soll aber vor allem dazu dienen, über die Kunst und mit Künstlern ins Gespräch zu kommen.

Mit beinahe kindlicher Begeisterung erzählt Anton Kestel von seiner künstlerischen Entwicklung. Er experimentierte mit natürlichen Formen, kombinierte skurril geformte Baumwurzeln mit Leuchtstäben aus Acryl, wandte sich der Malerei zu und schließlich der Skulptur. Mal expressionistisch verfremdet, mal völlig abstrakt, oft mit kräftigem Farbauftrag und Strukturen, die er mit Spachtelmasse, Flüssigkunststoff oder Marmormehl auf die Leinwand bannt. Dickbäuchige Hühner erinnern an Zeichentrickfiguren, hagere Gestalten an die Werke Giacomettis.

Eine steter Prozess des Sich-Ausprobierens. "Ich denke immer, dass jetzt nichts mehr Neues kommen kann, und plötzlich ist es da", sagt Kestel. So wie die Arbeit mit Blattgold, die ihn neuerdings gefangen nimmt. Es geht darum, die Tiefen der eigenen Kreativität auszuloten, und darum, die Scheu zu verlieren, dies auch einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

"Ich denke immer, dass jetzt nichts mehr Neues kommen kann, und plötzlich ist es da."
Anton Kestel, Künstler und Galerist

Als ehemaliger Geschäftsmann hat er mit seiner Galerie aber auch die Zukunft der Ochsenfurter Altstadt im Sinn und rennt damit bei Kulturreferentin Renate Lindner offene Türen ein. "Mir war immer wichtig, dass in der Altstadt etwas passiert", sagt sie, "und zu zeigen, dass es in Ochsenfurt eine Kunstszene gibt, und zwar eine ganz große und vielfältige."

Die Kunst als Chance für die Ochsenfurter Altstadt? Lindner hält die Idee keineswegs für abwegig. Die Vergangenheit habe bewiesen, dass es immer schwerer fällt, leer stehende Geschäfte mit neuen Einzelhändlern zu beleben. Diese Erfahrung musste auch Anton Kestel machen. "Wir versuchen deshalb einen Anreiz zu schaffen, der mehr in die Freizeit und ins Touristische geht", sagt er. Für manch anderen Leerstand wäre die Nutzung als Atelier oder Galerie eine attraktive Alternative und könnte die Anziehungskraft der Stadt steigern, meint Renate Lindner und verweist auf die Scharen von Besuchern, die bereits heute zur Sommerzeit die Stadt bevölkern. 

Anton Kestel will seine Galerie Künstlern aus der Region zur Verfügung stellen. Nach seiner Werkschau zeigt Fotokünstlerin Barbara Wingenfeld (l.) Eindrücke ihres Taiwan-Aufenthalts. Kulturreferentin Renate Lindner (r.) erhofft sich von der Kunst positive Einflüsse auf die Altstadt.
Foto: Gerhard Meißner | Anton Kestel will seine Galerie Künstlern aus der Region zur Verfügung stellen. Nach seiner Werkschau zeigt Fotokünstlerin Barbara Wingenfeld (l.) Eindrücke ihres Taiwan-Aufenthalts.

Das bestätigt auch Fotokünstlerin Barbara Wingenfeld, deren Werke im April in der Galerie Kestel zu sehen sein werden. Die Neu-Ochsenfurterin hat fünf Jahre lang in Taiwan gelebt und dabei ihre Eindrücke mit der Kamera festgehalten. Ochsenfurt habe ihr als Wohnort gefallen, weil es eine komplette Stadt sei, mit allen Einrichtungen, die man erwartet, und alles doch überschaubar und leicht zu erreichen. "Zu einer solchen Stadt gehört auch Kunst", sagt Wingenfeld.

"Es sind viele kleine Mosaiksteinchen, die dazu beitragen, die Altstadt attraktiver zu machen."
Renate Lindner, Kulturreferentin

In sechswöchigem Turnus sollen die Ausstellungen wechseln, sagt Anton Kestel. Das Programm für das kommende Halbjahr stehe schon fest. Danach, so hofft er, werde sich eine gewisse Eigendynamik entwickeln. "Ich kann Leuten, die sich künstlerisch betätigen, nur den Mut geben, auszustellen." So wie es damals auch die Intension bei der Gründung von OxArt war. 2007 hat sich der Kreis gegründet, offen für alle und unabhängig vom künstlerischen Anspruch. Inzwischen ist der Kreis auf 20 Mitglieder angewachsen, die sich regelmäßig treffen. "Meine Galerie will ich auch Künstlern über OxArt hinaus zur Verfügung stellen", sagt Kestel. Zur Eröffnung seiner Werkschau hofft er deshalb auf viele neugierige Gäste, die Lust haben, über Kunst zu diskutieren. 

"Es sind viele kleine Mosaiksteinchen, die dazu beitragen, die Altstadt attraktiver zu machen", sagt Kulturreferentin Renate Lindner und hebt hervor, dass es sich hier um eine private Initiative von Anton Kestel handelt. "Ich würde mir wünschen, dass man auch bei der Belebung von Leerständen in diese Richtung denkt", so Lindner. 

Vernissage am Freitag, 22. Februar, 17 Uhr, Galerie Kestel, Hauptstraße 27, Ochsenfurt (Eingang durch "Antikes und Besonderes"). Öffnungszeiten: Mo. bis Fr.: 13 bis 18 Uhr, Sa.: 10 bis 14 Uhr, sowie nach Vereinbarung, Tel. (01 60) 94 97 71 88.

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