Würzburg

Corona-Impfung: Bringt Nachbarschaftshilfe die nötige Entlastung?

Die Telefone des Würzburger Impfzentrums sind heillos überlastet. Deshalb bleibt die Online-Registrierung trotz aller Probleme der Königsweg bei der Vergabe von Impfterminen.
Pünktlich zum 29. Dezember war das Corona-Impfzentrum in Giebelstadt an den Start gegangen. Weil Impfstoff fehlt, ist die Impfaktion inzwischen ins Stocken geraten. 
Foto: Gerhard Meißner | Pünktlich zum 29. Dezember war das Corona-Impfzentrum in Giebelstadt an den Start gegangen. Weil Impfstoff fehlt, ist die Impfaktion inzwischen ins Stocken geraten. 

Die Absage von Corona-Impfterminen, ein neues Registrierungsverfahren, das viele Impfberechtigte überfordert, und jetzt auch noch ein persönlicher Brief von Landrat und Oberbürgermeister an alle über 80-Jährigen, der mehr Fragen offen lässt als er beantwortet. Die Folge: Die für Stadt und Landkreis Würzburg eingerichtete Impf-Hotline ist heillos überlastet. Am Mittwoch früh wurden dort innerhalb von zwei Stunden 17 000 Anrufversuche registriert, sagt Michael Dröse, der den Aufbau der Impfzentren koordiniert hat. Nur ein winziger Bruchteil schaffte es zu einem der acht Hotline-Mitarbeiter. Wie soll das weitergehen? Was sollten Impfwillige wissen? Und könnte Nachbarschaftshilfe eine Lösung sein? 

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Heinz Schmitt aus Würzburg ging es wie vielen alten Menschen aus Stadt und Landkreis Würzburg, die sich frühzeitig um einen Impftermin bemüht hatten. Am 29. Dezember hat der 93-Jährige vergeblich versucht, über das Internet-Portal der Würzburger Impfzentren einen Termin zu vereinbaren. Nach stundenlangen Versuchen bekam er schließlich über die Telefon-Hotline einen Impftermin am 16. Januar. Zwei Tage vorher wurde der Termin abgesagt, weil nicht genügend Impfstoff zur Verfügung stand. Heinz Schmitt wurde darauf verwiesen, sich über das neue landesweite Impfportal erneut um einen Impftermin zu bemühen. 

"Die Leute können sich darauf verlassen, dass wir alles tun, um möglichst viele möglichst schnell zu impfen."
Michael Dröse, Verwaltuungsleiter für die Impfzentren in Würzburg und Giebelstadt 

Obwohl er das Internet nutzt und sowohl ein Mobiltelefon als auch eine eigene Email-Adresse hat, sei es ihm nicht gelungen, sich dort für die Terminvergabe zu registrieren, erzählt Heinz Schmitt. Sein Sohn habe es schließlich doch geschafft. Nun wartet er darauf, dass ihm per Email der Impftermin mitgeteilt wird, und ärgert sich darüber, dass er jetzt einen Brief vom Würzburger Oberbürgermeister erhalten hat, der ihn einlädt, sich an die völlig überlastete Impf-Hotline unter der Rufnummer 0931 8000 844 zu wenden. "Mir ist der Kamm gestiegen, als ich das gelesen habe", sagt Schmitt.

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"Es tut mir so leid, dass es nicht einfacher geht", sagt Michael Dröse, der Verwaltungsleiter der Impfzentren. Er kann den Frust verstehen. "Ich habe selber verzweifelte Anrufe entgegen genommen." Dabei hat alles so hoffnungsvoll angefangen. Pünktlich zur Auslieferung des ersten Impfstoffs standen die mobilen Impfteams und die Impfzentren in Würzburg und Giebelstadt bereit. "Wir sind so früh wie möglich an den Start gegangen, auch wenn abzusehen war, dass am Anfang nicht genügend Impfstoff zur Verfügung steht", sagt Dröse. 

Verwirrung um persönliches Anschreiben von Landrat und OB

Seitdem haben - Stand Mittwoch - 4321 Personen ihre erste Corona-Impfung erhalten, darunter 2237 über 80-Jährige und rund 1700 Bewohner von Seniorenheimen. Insgesamt 735 Zweitimpfungen wurden bereits verabreicht. "Aller Voraussicht nach haben wir bis Ende der vierten Kalenderwoche alle Bewohner in den Altenheimen durchgeimpft", sagt Michael Dröse. Mit dem in diesen Tagen versandten persönlichen Anschreiben an alle rund 21 000 über 80-jährigen Einwohner in Stadt und Landkreis sei man der Anweisung des Gesundheitsministeriums gefolgt. "Wir haben damit lange gezögert, weil wir wussten, dass das zusätzlich für Verwirrung sorgt", so Dröse weiter. 

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An der gemeinsam mit dem BRK eingerichteten Impf-Hotline waren bislang acht Mitarbeiter damit beschäftigt, Impfwillige für die Terminvergabe zu registrieren. Dazu muss der gleiche Fragenkatalog wie bei der Online-Registrierung abgearbeitet werden. Ein Registriervorgang dauert deshalb zwischen 12 und 15 Minuten, sagt Michael Dröse. Realistisch seien auf diese Weise pro Tag 600 bis 700 Registrierungen zu schaffen. Deshalb habe man die Zahl der Mitarbeiter an der Hotline jetzt auf 16 verdoppelt.

"Trotzdem sind wir dann erst bei der Registrierung", so Dröse. Konkrete Impftermine können erst vergeben werden, wenn der Impfstoff dafür zur Verfügung steht. Dazu müssen die Impfwilligen dann erneut angerufen werden. Trotz aller Schwierigkeiten sieht Michael Dröse deshalb weiterhin in der Online-Registrierung den Königsweg für eine möglichst zügige Terminvergabe. Auch um die telefonische Hotline so weit wie möglich zu entlasten. Aber was sollen Menschen tun, die sich im Internet nicht auskennen und die nicht über eine dafür erforderliche persönliche Email-Adresse verfügen?

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Weiterhin keine Online-Registrierung ohne persönliche Email-Adresse

Neben der Unterstützung durch Angehörige sieht Michael Dröse in der Nachbarschaftshilfe einen möglichen Ausweg. Für versierte Internet-Nutzer sei es kein Problem, Impfberechtigen über gängige Internet-Portale wie gmx.de oder web.de eine kostenlose Email-Adresse für die Registrierung einzurichten und die später mitgeteilten Impftermine an sie weiterzugeben. Impfberechtigen rät Dröse deshalb, sich an Vertrauenspersonen in ihrem Bekanntenkreis zu wenden.

Trotz der von Gesundheitsminister Klaus Holetschek in Aussicht gestellten Vereinfachungen bei der Online-Registrierung geht Michael Dröse davon aus, dass auch weiterhin eine persönliche Email-Adresse erforderlich sein wird. Schließlich gehe es spätestens bei der Impfung von Risikogruppen in der zweiter Prioritätsstufe auch um den Austausch von sensiblen Gesundheitsdaten, die zum Nachweis der Impfberechtigung vorlegt werden müssen. Und dabei spielt der Datenschutz eine zentrale Rolle.

Impfzentren gehen wieder in Betrieb

In den beiden Impfzentren in Giebelstadt und Würzburg werden ab dem 26. Januar wieder Erstimpfungen verabreicht, teilt das Landratsamt mit, allerdings zunächst nur auf kurzfristige Einladung im Rahmen der Verfügbarkeit des Impfstoffs. Wann ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, um wieder routinemäßig Termine in den Impfzentren vergeben zu können, sei derzeit noch nicht absehbar.

"Deshalb haben wir die Hoffnung, dass bald ein problemlos zu handhabender Impfstoff in ausreichender Menge zur Verfügung steht, der dann auch bei den Hausärzten verimpft werden kann", so Michael Dröse. Nach den jüngsten Informationen der Bundesregierung wird dies allerdings frühestens in einigen Monaten der Fall sein. "Wir müssen jetzt einfach Geduld haben", rät Dröse. "Die Leute können sich darauf verlassen, dass wir alles tun, um möglichst viele möglichst schnell zu impfen."

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