Würzburg

Dr. Helds Corona-Tagebuch: Von Kapazitäten und Belastungsgrenzen

Noch gibt es Kapazitäten zur Versorgung von Covid-Patienten. Doch die Anspannung steigt. Matthias Held, Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte, berichtet exklusiv.
Dr. Matthias Held, Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte, muss immer wieder Abläufe besprechen.
Foto: Daniel Peter | Dr. Matthias Held, Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte, muss immer wieder Abläufe besprechen.

Die Zahlen vom Wochenende belegen: Die Covid-Fälle nehmen weiter zu. Am Sonntag befanden sich 26 Patienten in Isolation. Am Montag waren es 29 Patienten, von denen 26 bereits bestätigte Covid-Fälle sind. Bei drei Patienten steht die Diagnostik noch aus. In der Intensivversorgung haben wir derzeit drei Patienten: ein Patient im Juliusspital, zwei Patienten in der Missioklinik; diese beiden sind künstlich beatmet. Wir haben im Klinikum Würzburg Mitte zwar weiter Kapazitäten, sind aber relativ angespannt, was die nächsten Tage auf uns zukommen wird.

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Die steigenden Zahlen bei infizierten und relevant erkrankten Menschen stellen uns und die Notaufnahmen an beiden Standorten vor erhebliche organisatorische und inhaltliche Herausforderungen. Die für die Notaufnahmen zuständige Chefärztin ist in ständiger Abstimmung mit den jeweiligen, insbesondere internistischen Fachabteilungen. Aufgrund der hohen Auslastung und der zudem weiter steigenden Testfrequenz, ist das dort tätige Pflegepersonal an der Belastungsgrenze. Das ergab ein zusätzliches Gespräch mit der pflegerischen Notaufnahme-Leitung.

Im Juliusspital befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Notaufnahme die Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Alle Patienten werden zuerst in einem eigens aufgebauten Container gesichtet: Wer könnte infektiös sein? Wer kommt wegen einer anderen Erkrankung? Und wer ist womöglich trotzdem infektiös? Erst nach dieser Bewertung werden die Patienten entweder der Bereitschaftspraxis oder der Notaufnahme zugeführt. 

Dr. Matthias Held, Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte und Lungenspezialist, ist auch für die Behandlung von Covid-19-Patienten zuständig.
Foto: Daniel Peter | Dr. Matthias Held, Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte und Lungenspezialist, ist auch für die Behandlung von Covid-19-Patienten zuständig.

Auch in der Notaufnahme am Standort Missioklinik erfolgt vor der weiteren Diagnostik die Sichtung nach infektiöser und nicht infektiöser Erkrankung. An beiden Standorten erfolgt eine Testung nur bei relevanter Erkrankung oder Eintritt in die stationäre Versorgung. Da mit vermehrtem Testvolumen die Anforderung ans Personal deutlich gestiegen ist, sind wir froh, dass das Pflegepersonal in der Sichtung zusätzlich von studentischen Hilfskräften unterstützt wird. Wir haben ein extrem leistungsfähiges Labor, das die Diagnostik in relativ kurzer Zeit zur Verfügung stellt. Aber wie alle Labore in der Region arbeitet auch unser Zentrallabor mittlerweile an der Belastungsgrenze. Deshalb müssen wir genau überlegen: Welcher Patient wird in welchem zeitlichen Korridor getestet? 

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Hinzu kommt, dass wir immer mehr Anfragen von Patienten haben, die sich für die Impfung interessieren oder sich impfen lassen wollen. Das ist ein sehr positives Signal. Auf der anderen Seite zeigt dies aber auch, dass noch Informationsbedarf zum Konzept der Impf-Reihenfolge besteht. Wir arbeiten zudem mit Hochdruck daran, die Strukturen sowohl zur Impfung der Mitarbeiter als auch für die Impfung außerhalb des Klinikums aufzubauen. Die Bereitschaft unserer Mitarbeiter, die Teams in den Impfzentren zu unterstützen, ist jedenfalls sehr groß.

Priv.-Doz. Dr. Matthias Held (50) ist Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte. Dort ist der Lungenspezialist auch für die Behandlung von Covid-19-Patienten zuständig. Per Tagebuch gibt er Einblicke in den Klinikalltag: www.mainpost.de/corona-tagebuch

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