Würzburg/München

Einzelhandel in der Region fürchtet ums Weihnachtsgeschäft

Viele Kunden fühlen sich wegen Corona beim Einkaufen in der Stadt nicht mehr sicher. Unterfrankens Einzelhändler fürchten um das Weihnachtsgeschäft – und um ihre Existenz.
Die Innenstädte, hier die Würzburger Domstraße, scheinen weiter gut besucht. Doch die Umsätze in den Geschäften brechen stark ein.
Foto: Silvia Gralla | Die Innenstädte, hier die Würzburger Domstraße, scheinen weiter gut besucht. Doch die Umsätze in den Geschäften brechen stark ein.

Die anhaltende Corona-Krise wird vor allem in den Innenstädten der Region für viele Ladenbesitzer zur Existenzfrage: "Wir müssen davon ausgehen, dass bis zu 25 Prozent der Einzelhändler in den Innenstädten von Insolvenz bedroht sind", warnt Ernst Läuger, Präsident beim Handelsverband Bayern (HBE).

"Es sieht alles nicht sehr rosig aus", klagt auch Wolfgang Weier, Geschäftsführer beim Stadtmarketing "Würzburg macht Spaß": So sei schon im Oktober, also vor dem aktuellen Teil-Lockdown, die Besucher-Frequenz in der Würzburger Innenstadt massiv eingebrochen: Statt 1,05 Millionen Besucher wie im Oktober vor einem Jahr kamen jetzt nur noch rund 728 000 Besucher in die City – gut dreißig Prozent weniger. Ein Trend, der sich nun weiter beschleunigt habe: In der zweiten November-Woche etwa schrumpfte die Zahl von rund 221 000 Passanten (2019) auf nur noch 147 800 in diesem Jahr.

In vielen Geschäften breche zudem der Umsatz noch stärker ein als die Zahl der Kunden, so Weier: Bei Bekleidung seien Rückgänge um die 70 Prozent keine Seltenheit. Aber auch in anderen Würzburger Innenstadt-Geschäften sei oft mehr als 50 Prozent weniger Umsatz zu verkraften.

"Es sieht alles nicht sehr rosig aus."
Wolfgang Weier von "Würzburg macht Spaß"

Umso wichtiger ist für viele Händler das Weihnachtsgeschäft, das über alle Sparten hinweg rund 20 Prozent des Jahresumsatzes ausmacht: "Unter dem Strich rechnen wir für Unterfranken trotz Corona mit einem Gesamtvolumen auf dem Vorjahrs-Niveau von rund 1,4 Milliarden Euro", sagt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern.

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Ein großer Teil des Weihnachts-Umsatzes verschiebe sich jedoch weg von den Innenstadt-Läden hin zum Internet: "Der Online-Handel in Unterfranken wird um rund 19 Prozent auf etwa 230 Millionen Euro wachsen", glaubt Ohlmann.

Corona-Verlierer? "Alles, was Innenstadt-Handel prägt"

In den Städten profitiere zudem etwa der Lebensmittel-Handel "vom Trend zuhause zu kochen" mit Zuwächsen im zweistelligen Prozent-Bereich. Auch Möbel werden dank Homeoffice stärker nachgefragt. Verlierer sei dagegen "alles, was den Innenstadt-Handel prägt": Textil, Schuhe, Kosmetik, Bücher, Spielwaren. Zudem seien größere Städte von den Ausfällen noch stärker betroffen als etwa Kreisstädte, so der Handelsverband.

"Je kleiner die Städte, desto größer die Identifikation mit den lokalen Händlern", glaubt auch Axel Schöll, der in Schweinfurt und Bad Kissingen zwei Schuhgeschäfte betreibt. Trotzdem seien die Umsatzeinbrüche auch in kleineren Städten enorm. So fehlten etwa in Bad Kissingen seit der Schließung der Gastronomie die Tages-Touristen: "Und wir Händler hängen da mit unserem Geschäft unmittelbar dran", klagt Schöll.

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Laut einer Umfrage im Auftrag des Handelsverbandes fühlt sich nur noch rund ein Drittel der Kunden in Bayern beim Einkaufen in der Innenstadt sicher. 62 Prozent wollen deshalb auch beim Weihnachtseinkauf vor allem auf das Internet setzen. Geld für Geschenke sei zwar weiter vorhanden – sogar etwas mehr als im Vorjahr: "Die allgemeine Unsicherheit führt aber auch nicht gerade zu Konsum-Laune", befürchtet HBE-Geschäftsführer Wolfgang Puff. 

Handelsexperten rechnen mit massivem Anstieg der Insolvenzen

Spätestens im kommenden Jahr rechnen die Handelsexperten deshalb mit einem massiven Anstieg der Insolvenzen in den Innenstädten: In Würzburg bleibe zwar das große Einzugsgebiet auch in der Krise ein Plus für den Handel, hofft Stadtmarketing-Chef Weier: Trotzdem müsse man auch in Würzburg damit rechnen, dass bis zu 15 Prozent der Geschäfte vor dem Aus stehen könnten.

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