Würzburg

Fällt wegen Corona das Silvester-Feuerwerk in der Region aus?

Lärm, Feinstaub, Müll: Jedes Jahr wird darüber diskutiert, ob Böller und Raketen zum Jahreswechsel verboten werden sollten. Mit Corona kommen jetzt weitere Aspekte hinzu.
Feuerwerk über Würzburg: Ob auch dieses Jahr geböllert werden darf, ist noch offen.
Foto: Silvia Gralla | Feuerwerk über Würzburg: Ob auch dieses Jahr geböllert werden darf, ist noch offen.

Ist es in der aktuellen Corona-Lage fahrlässig, Silvester Feuerwerke zu erlauben? Diese Frage wird sechs Wochen vor dem Jahreswechsel in ganz Deutschland diskutiert. Die Argumentation der Verbots-Befürworter: Feuerwerke sorgten für Menschenansammlungen. Komme dann noch Alkohol dazu, würden Abstandsregeln nicht mehr beachtet werden. Außerdem komme es beim Zünden der Feuerwerke immer wieder zu Verletzungen, die in Krankenhäusern weitere Kapazitäten binden würden. Aus diesen Gründen sprachen sich unter anderem Politiker von Union und Grünen sowie Polizeigewerkschafter gegen die Böller aus. 

Großstädte wie Frankfurt prüfen Medienberichten zufolge, ein entsprechendes Verbot zu verhängen. Beim Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) hält man ein pauschales Böllerverbot indes für falsch. "Die Leute haben doch Frust ohne Ende. Alles wird verboten, nirgends kann man hin", so der Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg.

Feuerwerksverbot in Schweinfurt – aber nicht wegen Corona

Und in der Region? In Schweinfurt wird es ein Feuerwerksverbot geben, bestätigt Stadtsprecherin Kristina Dietz. Allerdings nicht wegen Corona: Schon im Dezember 2019 hatte Stadträtin Ulrike Schneider (Zukunft./ÖDP) beantragt, die Stadt solle das Abfeuern von Feuerwerkskörpern zumindest in der Innenstadt verbieten. In Schweinfurt sei die Feinstaubbelastung in der Silvesternacht 2019 "mit Abstand die höchste in ganz Bayern" gewesen, so die Begründung. Die Entscheidung wurde auf 2020 vertagt, weshalb zum Jahreswechsel offiziell geböllert werden durfte.

Da durfte noch geböllert werden: Blick auf das Feuerwerk in Schweinfurt am 1. Januar 2019. 
Foto: Josef Lamber | Da durfte noch geböllert werden: Blick auf das Feuerwerk in Schweinfurt am 1. Januar 2019. 

Im Juli dieses Jahres sprachen sich die Stadträte dann für ein Feuerwerksverbot zumindest in Teilen der Innenstadt aus: Es gilt auf dem Marktplatz, dem Rathausinnenhof, dem Platz hinter dem Rathaus, in der Metzgergasse, der Rückertstraße und der Brückenstraße. Laut Dietz ist "coronabedingt darüber hinaus aktuell kein Verbot geplant".

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Würzburg will Ausweitung von Verboten nicht ausschließen

In Würzburg gilt schon seit 2003 in Teilen der Innenstadt ein Verbot, Feuerwerkskörper zu zünden. Betroffen sind unter anderem die Domstraße sowie die Bereiche rund um das Rathaus, den Vierröhrenbrunnen und die Alte Mainbrücke. Auch an Residenz, Festung und Käppele darf nicht geböllert werden. Wird das Verbot nun wegen Corona ausgeweitet?

Aktuell bereite man sich "für alle Konstellationen vor", so Stadtsprecher Georg Wagenbrenner. "Auch einschränkende Maßnahmen, die Feuerwerke oder Ansammlungen vor Ort untersagen, gehören leider mit zu den Überlegungen." Da man nicht wisse, wie Infektions- und Rechtslage bis zum Jahresende seien, müsse man "aber sehr flexibel bleiben". Eine "erste Abstimmungsphase mit der Polizei" laufe bereits.

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Was Polizeigewerkschafter über ein Verbot denken

Bei der Polizei gibt es offenbar noch kein klares Stimmungsbild. "Man kann dieses Jahr mal drauf verzichten", findet Christian Schulz, unterfränkischer Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Wichtig sei aber eine einheitliche Regelung, sagt er. Sonst führe es zu Unverständnis bei den Bürgern, wie es einige Corona-Beschränkungen tun. Außerdem wäre ein pauschales Verbot leichter zu kontrollieren und Verstöße einfacher zu verfolgen. "Man müsste dann nicht überlegen, ob ein Böller in einer Verbotszone abgefeuert wurde" oder eben legal.

Thorsten Grimm, Bezirkschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), meint zwar, man sollte eine Ausweitung bestehender Verbote in Innenstadtbereichen diskutieren. Dort sei die Polizei ohnehin präsent und könne das auch kontrollieren. Ein komplettes Verbot, auch im ländlichen Raum, sieht er dagegen kritisch: "Wenn in den äußersten Ecken Unterfrankens geböllert wird – und das würde trotz eines Verbots passieren – bekommen wir ein personelles Problem."

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