WÜRZBURG

Gemüse auf Grünstreifen säen

Steffi Paul, Cornelia Uhlig, Eleonore Schübel, Alexander Seuffert (von links oben) und Angela Kleinfeld und Ute Medicus (davor) wollen die Grünfläche am Nigglweg gegenüber vom Nautiland in Gemüsebeete verwandeln.
Foto: Daniel Peter | Steffi Paul, Cornelia Uhlig, Eleonore Schübel, Alexander Seuffert (von links oben) und Angela Kleinfeld und Ute Medicus (davor) wollen die Grünfläche am Nigglweg gegenüber vom Nautiland in Gemüsebeete verwandeln.

New York, Berlin, Würzburg. Das Umweltreferat setzt auf den Trend „Urban Gardening“ – Gärtnern in der Stadt: Bürger bepflanzen gemeinsam städtische Flächen mit Nutzpflanzen. An diesem Dienstag befasst sich der Umwelt- und Planungsausschuss des Stadtrats mit der Idee.

In Großstädten der USA ist „Urban Gardening“ alltäglich, auch immer mehr Deutsche gestalten ihre Städte mit. „Wir wollen Menschen, die sich in dieser gesellschaftlichen Bewegung, für soziale und umweltpolitische Ziele engagieren, unterstützen“, erklärt Umweltreferent Wolfgang Kleiner seinen Vorstoß. Wenn der Umweltausschuss zustimmt, können „Stadtgärtner“ im Frühjahr mit der Nutzung des städtischen Grünstreifens am Nigglweg gegenüber des Nautiland anfangen.

Etwa 15 Männer und Frauen, Studenten, Berufstätige und Rentner, zwischen 20 und 60 Jahre alt, gehören momentan zu der Gruppe „Stadtgärtner“. Seit zwei Jahren bauen sie gemeinsam im Innenhof des Jugendkulturhauses Cairo am Burkarder Tor in Hochbeeten Gemüse an. Im vergangenen Sommer kam noch ein Beet im Bauerngarten am Ökohaus auf dem Gelände der Landesgartenschau dazu. Im Winter bereitet die Gruppe Saatgut-Foren und andere Aktion vor, um sich in der Stadt bekannt zu machen.

„Mir tut es einfach gut, mit Pflanzen und Erde zu arbeiten“, sagt Angela Kleinfeld. Die Würzburgerin hat fast 30 Jahre in einem Mietshaus mit Garten gewohnt und wünscht sich, dass möglichst viele Städter diese Erfahrung machen können. „Urban Gardening“ soll den Bewohner der immer größer werdenden Städte die Möglichkeit dazu schaffen.

„Gärtnern bedeutet für mich Wohlfühlen“, erklärt Oliver Sturm, warum er nach seinem Bürojob gerne draußen arbeitet. „Besonders, wenn ich es mit anderen zusammen mache.“ Auch Ute Medicus knüpft durchs Gärtnern neue Kontakte. Die Biologin aus Österreich ist neu in der Stadt. „Urban Gardening“ steht für Selbermachen und ein neues Miteinander.

„Ich möchte, dass Würzburg grüner und essbarer wird“, sagt Cornelia Uhlig, die zwar einen eigenen Garten hat, aber durch ihr Engagement gesellschaftlich wirksam agieren will. „Urban Gardening“ ist eine Umweltbewegung, die Betonwüsten verschönern und durch ökologische, lokale Eigenproduktion von Lebensmitteln das Klima verbessern will.

„Immer weniger Menschen wissen noch, wie und wo ihre Nahrung wächst“, nennt Silvia Appel weitere Aspekte. „Wer eigenes Gemüse zieht, schätzt dessen Wert ganz anders ein.“ Die Sprecherin der Stadtgärtner möchte andere zum Mitmachen motivieren. „Außerdem bin ich mit einem Garten aufgewachsen und brauche Gartenarbeit, um zur Ruhe zu kommen, neue Kraft zu tanken und für kurze Momente wieder ganz zur Ursprünglichkeit unseres Lebens zurück zukehren.“

Der Mix ist typisch für „Urban Gardening“: Es geht um privates Glück und zeitgemäße Naturerfahrung, um Teilhabe und die Suche nach den Wurzeln – symbolisch genauso wie praktisch: Am besten schmeckt die Karotte, die man frisch aus der Erde zieht.

Stimmt der Ausschuss zu, legen die „Stadtgärtner“ sofort los. Einige werden sich um die Wasserversorgung am Nigglweg kümmern, andere planen die Bepflanzung, die ohne Chemie funktionieren soll. Ein Arbeitskreis bereitet die Gründung eines Vereins vor, der nötig ist, um einen Vertrag mit der Stadt zu schließen und Haftungsfragen zu klären.

Dann kommt es auf die Bürger an: Wenn viele Mitmachen, kann sich die Stadt auch eine Ausdehnung des Pilotprojektes am Nigglweg vorstellen. „Wir wollen jetzt gesellschaftliches Engagement anstoßen“, sagt Umweltreferent Kleiner. „Wächst der Zuspruch, werden wir das gerne weitere unterstützen.“ Brachflächen, Baulücken oder Teilflächen von Parkplätzen seien prinzipiell für gemeinsames Gärtnern geeignet.

Stichwort: Unter dem Begriff „Urban Gardening” entwickelt sich seit einigen Jahren eine Renaissance des Gärtnerns in der Stadt. Ausgehend von den USA haben die kleinräumigen Gärten auf öffentlichen Flächen auch Deutschland erreicht: 2009 entstanden die „Prinzessinengärten“ in Belin, 2010 die „Essbare Stadt“ Andernach – bislang größtes „Urban Gardening“ Projekt Deutschlands. In Würzburg sind seit 2010 die „Stadtindianer“, jetzt „Stadtgärtner“, aktiv. Seit 2012 bewirtschaften Studenten der Würzburger Hochschulgemeinden ESG und KHG am Steinberg einen eigenen „Garten Eden“. Die „Stadtgärtner“ treffen sich wieder am Donnerstag, 22. Januar, um 19 Uhr im Besprechungsraum im Café Cairo. Infos: www.stadtgaertner-wuerzburg.de. Am Samstag, 24. Januar, stellt sich die Gruppe von 14 bis 17 Uhr im Matthias-Ehrenfried-Haus in der Bahnhofstraße beim „Forum und Marktplatz für Jung und Alt zu gemeinschaftlichen Wohn- und Lebensformen“ vor. Infos: www.me-haus.de

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