Würzburg

LGS: Protest gegen geplanten Tankstellen-Abriss

Die ehemalige Tankstelle auf dem LGS-Gelände soll verschwinden, die Zukunft der Hubland-Ausstellung ist ungeklärt. Jetzt regt sich Widerstand gegen den Abriss. 
Zurzeit kann man sich hier noch in die deutsch-amerikanische Nachkriegsgeschichte versetzen lassen, doch bald soll die ehemalige Tankstelle auf dem LGS-Gelände abgerissen werden. Foto: Dita Vollmond
| Zurzeit kann man sich hier noch in die deutsch-amerikanische Nachkriegsgeschichte versetzen lassen, doch bald soll die ehemalige Tankstelle auf dem LGS-Gelände abgerissen werden. Foto: Dita Vollmond

Das flache Gebäude steht zwar am Würzburger Stadtrand, und dennoch könnte man sich in eine Szene aus einem Film mit James Dean versetzt fühlen: Die frühere Tankstelle der US-Streitkräfte in den ehemaligen Leighton-Barracks am Hubland verströmt den Charme der 1950er Jahre, als Coca-Cola, Kaugummi und chromblitzende Straßenkreuzer die große Freiheit verhießen. 

Dieses Lebensgefühl griffen auch die Macher der Landesgartenschau auf und machten mit Farbe, Werbeschildern und typischer Inneneinrichtung aus der früheren Tankstelle einen American Diner. Im Untergeschoss  wird noch bis Ende der LGS die Ausstellung zur Geschichte des Hublands gezeigt, die der frühere Main-Post-Redakteur und Historiker Roland Flade gemeinsam mit der Berliner Agentur tecton konzipiert hat. Schautafeln, Vitrinen, Bildschirme mit Film- und Videoaufnahmen und ein nachgebautes Studio des Soldatensenders AFN informieren über die wechselvolle Geschichte des Hublands in den vergangenen 100 Jahren bis zum Abzug der amerikanischen Soldaten im Jahr 2009. 

Öffentlicher Appell zum Erhalt der Tankstelle

Dass die Tankstelle nach dem Ende der Landesgartenschau abgerissen und einer Grünanlage Platz machen soll, ist in der Stadtplanung beschlossene Sache. Doch jetzt regt sich Protest. Antje Hansen, Architekturhistorikerin und Vorsitzende des Vereins der Würzburger Gästeführer, wendet sich mit einem Appell an die Öffentlichkeit und fordert den Erhalt der 1952 errichteten Tankstelle. "Mit diesem Abbruch verschwindet ein optisch ansprechender Bau mit großzügig geschwungener Glasfassade. Gerade dieser Verlust ist auch aus der Perspektive des Denkmalschutzes sehr bedauerlich!", heißt es in dem Schreiben. Ebenso kritisiert Hansen, dass mit dem Abriss der Tankstelle auch die historische Ausstellung verschwindet. 

"Gerade dieser Verlust ist auch aus der Perspektive des Denkmalschutzes sehr bedauerlich!"
Antje Hansen, Architekturhistorikerin

Doch warum muss die Tankstelle überhaupt weg? Als Grund nannte LGS-Geschäftsführer Klaus Heuberger erst vor wenigen Tagen gegenüber dieser Redaktion wieder den maroden Zustand des Gebäudes. Heuberger sprach von  „schlechter Bausubstanz“. Zur Kulisse für die Landesgartenschau habe es noch gereicht, jetzt aber müsse das Relikt der Amerikaner weg. An seiner Stelle werde der Park erweitert. 

Antje Hansen stellt dagegen die schlechte Bausubstanz und ein kontaminiertes Erdreich als Grund für den Abriss ebenso in Frage wie das Argument, mit dem Verschwinden der Tankstelle werde das "Grüne Band" am Hubland weitergeführt: Auch der neu errichtete Cube stehe auf der Grün-Achse - und werde deswegen wohl sicher nicht abgerissen. 

Viele positive Reaktionen der Besucher auf das Gebäude

Als Grund für ihren öffentlichen Appell nennt Antje Hansen im Gespräch mit dieser Redaktion nicht zuletzt das positive Echo auf das Ensemble des American Diner, das sie bei Gästeführungen auf der LGS erlebt habe. "Ich bin auch erst durch meine Führungen darauf aufmerksam geworden, vorher war mir das Gelände ja auch nicht bekannt." Der Tenor unter den LGS-Besuchern beim Hinweis auf den bevorstehenden Abriss sei oft derselbe gewesen: "Da hieß es immer wieder: Das kann doch nicht wahr sein! Wie kann man dann so etwas abreißen!" 

Das Gebäude habe sie von Anfang an überzeugt: "Das ist ein wirkliches Denkmal aus der Zeit. Und davon haben wir da oben nicht mehr viele." Grundsätzlich verfüge Würzburg durch die Zerstörung 1945 ohnehin über wenige Denkmäler, "und dann sind die authentischen Dinge, die wir haben, umso wertvoller".

Das sieht auch Stadtheimatpfleger Hans Steidle so, der sogar von einem "typischen Denkmal" spricht. Der Erhalt der Tankstelle würde auch zur Belebung des Straßenraumes beitragen, "da sich dort sonst nur rechteckige Figuren befinden". Er könne sich vorstellen, dass die Stadt in der Frage noch einmal umdenkt. Mit Blick auf  die möglichen Baukosten zur Erhaltung der Tankstelle äußert Steidle eine Hoffnung: "Vielleicht findet sich ja auch ein großzügiger Spender, damit wir in Würzburg nicht nur sportliche, sondern auch kulturelle Dinge erhalten können."

Historische Gebäude "wie Perlen einer Kette"

Historiker Roland Flade, der zur Geschichte des Hublandes auch ein Buch veröffentlicht hat, bedauert ebenfalls den geplanten Abriss, auch wenn er verstehe, dass man in einem neu entstehenden Stadtteil nicht alle alten amerikanischen Gebäude stehen lassen könne: "Wenn man vom Rottendorfer Tor aufs Hubland geht, kommt man erst an einem ehemaligen Hangar vorbei - dem jetzigen Einkaufszentrum -, dann am Tower und dann an der Tankstelle. Da reihen sich historische Gebäude aneinander wie Perlen einer Kette."

Blick in die Ausstellung zur Geschichte des Hublandes. Foto: Roland Flade
| Blick in die Ausstellung zur Geschichte des Hublandes. Foto: Roland Flade

Dazu komme, dass mit dem Abriss auch die Zukunft der Hubland-Ausstellung noch völlig ungeklärt ist. "Es gibt überhaupt keinen Würzburger Stadtteil, der so eine Ausstellung zu seiner Geschichte hat wie das Hubland, da wäre es einfach wunderbar, wenn man die Ausstellung auch künftig in irgendeiner Form sehen könnte", so Flade gegenüber dieser Redaktion.

Würzburger Museologe: Ausstellung sollte weiter zugänglich sein

Unterstützung erhält der Historiker in dieser Sache von einem Experten. Guido Fackler, Professor für Museologie an der Universität Würzburg, spricht sich gegenüber dieser Redaktion ebenfalls klar für den Erhalt der Hubland-Ausstellung aus. "Die Ausstellung nicht mehr zu zeigen, wäre geradezu  fahrlässig. Hier geht es auch um Nachhaltigkeit, und zwar sowohl im Umgang mit den Materialien und Ausstellungsstücken als auch in Hinblick auf die Geschichte. Warum sollte das alles verloren gehen? Ich habe Kollegen aus Ägypten, der Türkei und Belgien durch die Ausstellung geführt, die waren alle begeistert."

Es gelte, das historische Bewusstsein über die LGS hinweg zu bewahren: "Man hat jetzt diese gut gelungene, interaktive Ausstellung. Und sie sollte auch künftig kostenlos öffentlich zugänglich sein."

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