Würzburg

Nach Ausbruch in der Region: Wie gefährlich ist die Geflügelpest?

Die Geflügelpest hat die Region erreicht: Nach Haßfurt ist auch der Landkreis Würzburg betroffen. Wie schützt man Vögel - und was bedeutet die Seuche für Mensch und Tier?
Bestätigt sich ein Verdacht auf Geflügelpest, werden vor Ort Maßnahmen für den Seuchenbetrieb, den drei Kilometer großen Sperrbezirk und das zehn Kilometer große Beobachtungsgebiet angeordnet.
Foto: Friedrich Vogel | Landratsamt Main-Tauber-Kreis | Bestätigt sich ein Verdacht auf Geflügelpest, werden vor Ort Maßnahmen für den Seuchenbetrieb, den drei Kilometer großen Sperrbezirk und das zehn Kilometer große Beobachtungsgebiet angeordnet.

Geflügelpest stellt immer wieder eine Bedrohung für Wildvögel und Hausgeflügel dar. Nachdem die Seuche bereits Mitte Januar in Haßfurt nachgewiesen worden war, wurde nun im Landkreis Würzburg der zweite Verdacht auf Geflügelpest amtlich bestätigt. Insgesamt belaufen sich die Fälle in Unterfranken bisher auf sechs Wildvögel sowie auf zwei Betriebe mit Hausgeflügel (Stand: 5. März), wie Johannes Hardenacke, Pressesprecher der Regierung von Unterfranken, auf Nachfrage mitteilte. Im Landkreis Haßfurt sind der Geflügelpest laut Webseite des Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit fünf Schwäne und eine Wildgans zum Opfer gefallen, im Landkreis Würzburg gab es Fälle in zwei Betrieben, unter anderem bei Hühnern aus einem kleinen Geflügelbestand in Tauberrettersheim. Wir haben das Veterinäramt am Landratsamt Würzburg zu Hintergründen der Geflügelpest befragt.

Was genau ist Geflügelpest?

Die Geflügelpest, auch Aviäre - also auf Vögel bezogene - Influenza (AI) oder Vogelgrippe genannt, ist eine hochansteckende Viruskrankheit. Fast alle Vogelarten können infiziert sein, informiert das Veterinäramt; das Krankheitsbild von Wildvögeln unterscheide sich aber stark von dem von Hausgeflügel wie Hühnern und Puten.

Wie äußert sich die Erkrankung?

"Bei Hühnervögeln zeigt sich die Geflügelpest wie eine hoch akute fieberhafte Viruserkrankung", heißt es aus dem Veterinäramt. Nach einer Inkubationszeit von wenigen Stunden bis maximal 21 Tagen verlaufe die Erkrankung schnell und ende meist tödlich. Die Tiere hätten Symptome wie Schwäche, Teilnahmslosigkeit, Atemnot, Ödeme der Kopfregion und Durchfall. Die Legeleistung gehe drastisch zurück. Oft würden die Tiere aber auch völlig unerwartet ohne Auffälligkeiten sterben. Wild- und Wasservögel dagegen seien häufig infiziert, ohne selbst zu erkranken.

Wo kommt das Virus her?

Aviäre Influenzaviren sind weltweit verbreitet. Vor allem Wildvögel – insbesondere Wassergeflügel wie Enten, Möwen, Reiher – sind laut Veterinäramt häufig Virusträger und können das Virus über große Entfernungen verschleppen.

Wo und wann kommt Geflügelpest vor?

Da Gewässer beziehungsweise die dort rastenden und brütenden Wildvögel bei der Übertragung des Virus eine wesentliche Rolle spielen, kommt es vor allem im Norden Deutschlands immer wieder zu einem dynamischen Seuchengeschehen der AI, weiß man im Veterinäramt. Influenzaviren seien empfindlich gegenüber hohen Umgebungstemperaturen. UV-Licht habe eine oberflächliche Wirkung, könne aber zum Beispiel durch Kot geschützte Viren nicht abtöten. Tiefe Temperaturen wirkten sogar stabilisierend auf die Viren, deren Ausbreitung daher während der Wintermonate begünstigt sei.

Wie wird die Erkrankung übertragen?

"Das Virus kann durch direkten Kontakt von Tier zu Tier übertragen werden, etwa durch den Kontakt von Hausgeflügel zu wildlebenden Wasservögeln", heißt es aus dem Veterinäramt. Zudem verbreite sich das Virus über die Luft. Auch eine indirekte Übertragung durch Personen, zum Beispiel über deren Schuhe, durch Fahrzeuge, Schubkarren, Transportkisten, Mist, Futter und Einstreu sei möglich. Bereits Spuren von Kot oder Nasensekreten infizierter Wildvögel reichten aus, um das Virus in Geflügelbestände zu übertragen.

Ist Geflügelpest auch für Menschen und Haustiere gefährlich?

Aviäre Influenzaviren können laut Veterinäramt bei hoher Viruslast sporadisch auf den Menschen übertragen werden. Tote Vögel sollten daher nicht mit bloßen Händen angefasst werden. Personen, die in Kontakt mit infiziertem Geflügel gekommen sind, sollten auf Atembeschwerden achten und gegebenenfalls einen Arzt aufsuchen. In der Regel erkrankten nur Vögel, andere Tiere könnten das Virus aber weiterverbreiten. Direkter Kontakt von Haustieren mit toten oder kranken Vögeln sollte verhindert werden.

Wie können Hobbyhalter ihr Geflügel schützen?

"Indem sie die Bestimmungen der Geflügelpest-Verordnung beachten und eine Barriere zwischen der Geflügelhaltung und den Lebensräumen von Wildvögeln errichten", informiert das Veterinäramt. Besonders wichtig sei die Stallpflicht, also kein Kontakt zu Wildvögeln. Futter, Einstreu und sonstiges, was mit dem Geflügel in Berührung kommt, sollte für Wildvögel unzugänglich aufbewahrt werden. Beim Betreten des Stalls sollte Schutzkleidung getragen und vorher Hände und Schuhe desinfiziert werden. In den Stall sollten nur Personen, die ihn unbedingt aufsuchen müssen. Andere Geflügelbestände sollten nicht besucht und Schadnager, also Nagetiere, die in der Tierhaltung als Schädlinge eingestuft werden, sollten regelmäßig bekämpft werden. Speise- und Küchenabfälle oder Eierschalen sollten nicht verfüttert und Eierkartons nur einmal verwenden werden.

Wie wird die Geflügelpest bekämpft?

"Die Geflügelpest ist eine anzeigepflichtige Tierseuche", betont man im Veterinäramt. Bereits der Verdacht müsse sofort dem örtlichen Veterinäramt mitgeteilt werden, das dann Proben entnehme, die in speziellen Laboren untersucht würden. Bestätige sich der Verdacht, würden vor Ort Maßnahmen für den Seuchenbetrieb, den drei Kilometer großen Sperrbezirk und das zehn Kilometer große Beobachtungsgebiet angeordnet. Die Maßnahmen seien durch die Verordnung zum Schutz gegen die Geflügelpest vorgegeben: So müssten beispielsweise alle gehaltenen Vögel getötet und unschädlich beseitigt werden. Unter anderem durch optimale Hygiene, Desinfektionsmaßnahmen und Betretungsverbote solle eine Verschleppung des Virus durch Tierkontakte, indirekten Kontakt über Personen, Transportbehälter, Verpackungsmaterial, Eierkartons oder Einstreu verhindern werden.

Kann man Geflügel und Eier weiterhin bedenkenlos essen?

"Geflügelfleisch, Eier und sonstige Geflügelprodukte aus betroffenen Beständen werden nach den Vorgaben der Geflügelpest-Verordnung vernichtet und gelangen nicht auf den Markt", so die Entwarnung aus dem Veterinäramt. Der Konsum von Geflügelfleisch und Eiern sei daher unbedenklich. Und: Selbst beim Verzehr von Erzeugnissen eines infizierten Tieres sei für den Verbraucher keine Gefahr zu erwarten, da das Virus bereits bei +70 Grad Celsius – und damit bei der üblichen Küchenzubereitung – sicher abgetötet werde.

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