Würzburg/Schweinfurt

Nach dem Abitur lieber Ausbildung statt Studium: Unterfranken liegt nicht im Bundestrend

In Deutschland werden immer mehr Ausbildungsplätze von Abiturienten besetzt. In Unterfranken ist dieser Trend aber noch nicht so ausgeprägt. Woran das liegt.
Gelernt ist gelernt: In Deutschland machen immer mehr junge Menschen mit Abitur lieber eine Lehre statt auf die Hochschule zu gehen.
Foto: Jan Woitas, dpa (Symbolbild) | Gelernt ist gelernt: In Deutschland machen immer mehr junge Menschen mit Abitur lieber eine Lehre statt auf die Hochschule zu gehen.

Es muss nicht zwingend ein Studium sein: In Deutschland machen immer mehr Abiturientinnen und Abiturienten eine Berufsausbildung. Junge Menschen mit Mittelschulabschluss ("Hauptschule") hingegen kommen offenbar schlechter als früher bei Unternehmen unter.

Der Anteil der Abiturienten, die sich für eine Lehre entschieden, stieg von 35 Prozent im Jahr 2011 auf 47,4 Prozent im Jahr 2021. Vor der Corona-Pandemie (2019) war der Anteil sogar noch etwas größer gewesen (48,5 Prozent). Diese Zahlen legte das Berliner Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) am Dienstag im Auftrag der Bertelsmann Stiftung vor.

Lehrlinge mit Abitur: Zahlen des Handwerks in Unterfranken

Deutlich anders sieht es im Handwerk der Region aus. Der Anteil der neuen Lehrlinge mit Abitur bewege sich seit fünf Jahren um die zehn Prozent, wie die Handwerkskammer für Unterfranken auf Anfrage mitteilte.

Vor allem Mittelschülerinnen und Mittelschüler bilden den Angaben zufolge bei den neuen Auszubildenden im unterfränkischen Handwerk mit zuletzt 43,8 Prozent die prozentual größte Gruppe. Deren Anteil sinke jedoch, weil es unter anderem immer weniger Absolventinnen und Absolventen dieser Schulart gebe.

IHK-Betriebe: Erst Anstieg, dann Rückgang

Was die Berufe außerhalb des Handwerks angeht, unterscheiden sich die regionalen Zahlen ebenfalls vom Trend im Bund. So ist laut Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt die Zahl der neu beginnenden Lehrlinge mit Abitur von 626 im Jahr 2012 auf 840 im Jahr 2018 gestiegen, aber zuletzt wieder deutlich auf 618 gefallen.

Somit lag der Anteil der vom Gymnasium kommenden Azubis zuletzt bei 19,5 Prozent und damit ebenfalls weit unter dem Wert für Deutschland. 2012 hatte die Quote laut IHK 14,8 Prozent betragen.

Wie es in Unterfranken bei Absolventen der Realschule aussieht

Die Zahl jener, die nach der Realschule eine Ausbildung beginnen, schrumpfte im IHK-Bereich seit 2018 um ungefähr 18 Prozent. Im Handwerk hingegen stieg sie in dieser Zeit von 35,5 auf 39,8 Prozent.

Bei IHK-Unternehmen machten im Vergleich 2018/2022 rund 27 Prozent weniger Absolventinnen und Absolventen mit Mittelschulabschluss eine Lehre. Im unterfränkischen Handwerk fiel dieses Minus deutlich kleiner aus.

Und dann noch die Mittelschulen

Dass es zwischen 2020 und 2022 insgesamt weniger neue Azubis gegeben hat, sei im Wesentlichen auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, hieß es am Dienstag aus der IHK. Vor allem die ausgefallenen Ausbildungsmessen und Berufsorientierungen in den Schulen hätten dazu beigetragen.

Wie in Unterfranken verringerte sich auch im restlichen Deutschland der Anteil der Jugendlichen, die mit Mittelschulabschluss in eine Lehre einstiegen – zwischen 2011 und 2021 um ein Fünftel. Für junge Menschen ohne Schulabschluss spitzte sich die ohnehin schwierige Situation zuletzt weiter zu: Die Übergangsquote lag der FiBS-Studie zufolge 2021 bei 30 Prozent. In den vergangenen 15 Jahren hatte sie sich um die 35 Prozent bewegt.

(Mit dpa-Informationen)

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