Güntersleben

Naturisten Güntersleben: Frei-Körper-Kultur als Lebensstil

Es war schon verdammt heiß am Wochenende, aber wenn Außenstehende zum Tag der offenen Tür eines Naturistenbundes kommen, bleiben die Kleider an. Ausnahmesweise.
Beim Tag der offenen Tür des Naturistenbundes Frankenland fanden Highland Games statt.
Foto: Christian Ammon | Beim Tag der offenen Tür des Naturistenbundes Frankenland fanden Highland Games statt.

Hand aufs Herz. Wer kennt nicht dieses Bedürfnis, bei 37 Grad die Hüllen komplett fallen zu lassen? Auch Sylvia Büchold und Peter Schrenk geht dies so. Für die Vorsitzende des Naturistenbundes Frankenland und ihren Stellvertreter ist es jedoch mehr. Beide verbinden damit einen Lebensstil, dem sie in ihrer Freizeit auf dem Natur-Campingplatz bei Güntersleben gerne nachgehen. Am Tag der offenen Tür gab es nun zum vierten Mal die Möglichkeit für Außenstehende, den Verein kennenzulernen.

Nerven behalten

Vorab: Solange Gäste da waren, blieben die Vereinsmitglieder natürlich alle artig bekleidet oder zumindest im Badeanzug. Auch für die drei Mannschaften aus Veitshöchheim und einem aus Güntersleben, die an den Highland Games teilnahmen galt dies, zumindest so lange der Wettbewerb lief. Beim Hufeisen werfen, Baumstamm ziehen oder Seil ziehen ging es darum, die Nerven zu behalten und bei schweißtreibenden Temperaturen Kraft und Ausdauer unter Beweis zu stellen.

Bei den spektakulären Spielen, aber auch der Möglichkeit, sich den Platz einmal genauer anzuschauen, ging es darum, für sich zu werben. Vorsitzende Sylvia Büchold macht kein Geheimnis daraus, dass der Verein Schwierigkeiten hat, Nachwuchs zu gewinnen. Unter den derzeit 130 Mitgliedern gibt es zwar auch jüngere, sogar ganze Familien, allerdings sei viele Mitglieder inzwischen im Rentenalter. "Früher ging es darum, möglichst nicht aufzufallen", erklärt sie. Heute sei dies anders.  "Viele kennen die Idee nicht mehr, die dahinter steht." Der 1960 gegründete Verein müsse trommeln, damit ihn die Menschen kennen lernen.

"Wir begegnen uns hier von Mensch zu Mensch"
Peter Schrenk, bekennender Naturist

Dabei legt sie wert darauf, dass mit dem "Naturismus" eine besonders naturverbundene Einstellung einhergeht. Bewusst verzichte man auf den bekannteren Namen "Frei-Körper-Kultur". Damit sei heute ein leicht "schmuddeliger Ruf" verbunden. Jemand, der auf der Suche nach sexuellen Abenteuern, bei den Naturisten anklopfe, sei an der komplett falschen Adresse. Der Verein nehme darum besonders gerne Paare auf. Auch gebe es Regeln im Umgang, die zu beachten seien. Hinzu komme ein reges Vereinsleben mit gemeinsamen Unternehmungen, Sportwettbewerben und Festen.

Für Peter Schrenk, im Berufsleben Zimmerer, ist es ein Ausdruck von Freiheit und eine Frage des Wohlfühlens, sich hüllenlos zu bewegen. Er ist davon überzeugt, dass dies heutzutage, anders noch als von einiger Jahren, in der Öffentlichkeit immer weniger toleriert wird. In den Schwimmbädern oder am Badesee sei es kaum noch möglich, oben ohne die Sonne zu genießen. Außerdem schätze er es, dass einem Unbekleideten nicht seine Schicht ansehe: "Wir begegnen uns hier von Mensch zu Mensch."

Genug geredet, findet er. Es ist bald 18 Uhr. Ende der Schonzeit für alle Gäste. Wer sich jetzt noch auf dem Freizeitgelände aufhielt, muss die Kleider fallen lassen: "Ehrlich gesagt, ich bin froh, wenn ich gleich die Kleider fallen lassen kann und das schwere Zeug loswerde", sagt Schrenk lachend.

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