Leinach

Neuer Bürgermeister: Wird Leinach jetzt zusammenwachsen?

Ober- und Unterleinach gibt es seit 42 Jahren nicht mehr. Trotzdem halten die Leinacher an der Vergangenheit fest. Bei der Bürgermeisterwahl wurde dies wieder deutlich.
Ein Blick durch die Schwarzkiefern auf Leinach: Im Vordergrund die Pfarrkirche St. Laurentius im oberen Leinach, im Hintergrund die ehemalige Julius-Echter-Kirche im unteren Leinach.
Foto: Herbert Ehehalt | Ein Blick durch die Schwarzkiefern auf Leinach: Im Vordergrund die Pfarrkirche St. Laurentius im oberen Leinach, im Hintergrund die ehemalige Julius-Echter-Kirche im unteren Leinach.

Bürgermeister Uwe Klüpfel ist in der Goldstraße geboren. In Leinach-Süd, wie manche politisch korrekt sagen. Andere äußern sich direkter: in Oberleinach. Nun wurde Klüpfel nach 18 Jahren als Bürgermeister abgewählt. Sein Nachfolger Arno Mager kommt aus Leinach-Nord. Aus dem früheren Unterleinach also. Seit 1978 gibt es beide Ortschaften nicht mehr. Die Gebietsreform hat sie vereint. Trotzdem ist bei einigen im Ort noch eine Rivalität zwischen beiden Dörfern zu spüren. Wie will der neue Bürgermeister jetzt nach 42 Jahren beide Dörfer vereinen?

Dass seine Herkunft aus Oberleinach nun bei der Bürgermeisterwahl gegen ihn sprach, glaubt Uwe Klüpfel nicht. "18 Jahre habe ich gegen diese unterschwellige Andeutung, 'Du bist doch von oben', gearbeitet", sagt er. Und dann fängt er an, all das aufzuzählen, was während seiner Amtszeit alles getan wurde, um das Kleinzentrum Leinach zu entwickeln. Sicher habe auch der Dorfladen dazu beigetragen, dass Ober- und Unterleinach zusammenwachsen.

Grünstreifen an der Einheitsbrücke ist die Grenze

Heute ist kaum noch noch zu erkennen, dass beide Dörfer vor mehr als 40 Jahren gut einen Kilometer auseinander lagen. Ein kleiner Grünstreifen an der sogenannten "Einheitsbrücke" lässt erahnen, dass es eine räumliche Trennung gab. Bewusst wurden hier an der "Grenze" zwischen Unter- und Oberleinach das Feuerwehrhaus und die Grundschule gebaut, damit sich keiner benachteiligt fühlt. Auch ein kleiner Lebensmittelmarkt hat sich in der Mitte etabliert.

Warum zwischen den Ober- und Unterleinachern eine gewisse Rivalität zu spüren ist, vermag Bürgermeister Uwe Klüpfel gar nicht zu sagen. Und was die Bürgermeisterwahl angeht, so stellt er fest: "Entscheidend war, dass überraschenderweise viele Wähler aus Oberleinach mal nach unten gewählt haben. Das lässt sich anhand der unterschiedlichen Wahlbezirke feststellen." Am Ende sind es 33 Stimmen, die Klüpfel zu einer Wiederwahl fehlen. Er bekam 902 Stimmen, Arno Mager wählten 934 Leinacher. "Das ist ein knappes Ergebnis und tut weh", sagt der noch bis Ende April amtierende Bürgermeister. Seine Niederlage macht er am Amt fest, nicht an seiner Person. "Entscheidungen, die zu langsam gehen, werden nicht dem Gemeinderat angelastet, sondern dem Bürgermeister."

"Die Gebietsreform ist eben noch nicht gänzlich in den Köpfen abgeschlossen."
Manfred Franz, SPD-Gemeinderat

Klüpfel hat für die Christlich Freie Wählervereinigung (CFW) kandidiert. Wahlsieger Arno Mager für die Unabhängigen Bürger Leinach (UBL). Mager hat sich vorgenommen, die beiden Dörfer zusammen zu bringen. Wie will er das erreichen? "In erster Linie mit Gesprächen", sagt er. So möchte seine Unterleinacher Wählervereinigung erst einmal auf die CFW, eine Oberleinacher Fraktion, zugehen. "Wir streben eine Zusammenarbeit an", sagt Mager. Gespräche würde es schon geben. Dann will er auch mit der CSU, der zweitstärksten Fraktion sprechen, die bisher mit der CFW zusammen gearbeitet hat. "Wir wollen das Ganze auf breite Füße stellen."

Differenzen zwischen den beiden Feuerwehren

Eine große Aufgabe werde es auch sein, die beiden Feuerwehrvereine wieder zusammenzubringen. "Hier gibt es bekanntlich ein paar Meinungsdifferenzen", sagt Mager. "Vor allem zwischen den beiden Kommandanten, die jeweils aus Ober- und Unterleinach kommen, gibt es Unstimmigkeiten." Sowohl im oberen als auch im unteren Leinach gibt es jeweils einen Feuerwehrverein. Leinach hat aber nur eine gemeinsame Feuerwehr.

Beide Kommandanten sind jetzt auch im Gemeinderat vertreten. Bislang war nur der Oberleinacher im Gremium vertreten. "Dann können jetzt die Argumente besser im Rat vorgetragen werden", sagt Mager. Er möchte aber nicht, dass die Diskussionen ausarten. "Das kläre ich dann lieber unter sechs Augen."

Alteingesessene Leinacher würden der Vergangenheit hinterher trauern

Dass bei der Wahl des Bürgermeisters die Herkunft eine Rolle spielte, glaubt Mager schon. "An den Briefwahlbezirken ist dies gut zu erkennen", sagt er. Er habe im unteren Ort, wo er auch wohnt, 75 Prozent der Stimmen bekommen. Bei Klüpfel sei es genau umgekehrt gewesen. Und nach seiner Wahl habe es durchaus auch Stimmen gegeben, die sinngemäß gesagt hätten, "Gott sei Dank haben wir wieder einen Unterleinacher Bürgermeister". Es seien vor allem Alteingesessene, die der Vergangenheit hinterher trauern, meint Mager. Junge Leute und Neubürger würden sich schon als Leinacher fühlen, glaubt der künftige Bürgermeister.

"Es gibt einzelne Personen in Oberleinach, und das sehen viele Bürger so, die das Zusammenwachsen torpedieren", sagt SPD-Gemeinderat Manfred Franz. Auch er spricht die Feuerwehr an. Er hat aber auch bemerkt, dass es in den letzten Jahren wieder eine "zunehmende Spaltungs-Tendenz" gibt. "Das liegt sicher an einzelnen Personen, die im Vereinsleben engagiert sind", meint Franz. "Die Gebietsreform ist eben noch nicht gänzlich in den Köpfen abgeschlossen."

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