Zellerau

Sexuelle Übergriffe: Wie können sich Frauen schützen?

Zwei Fälle von sexueller Belästigung in Würzburg machten kürzlich Schlagzeilen. Wie sicher können sich Frauen in Würzburg bewegen?
Statistisch gesehen wird jede dritte Frau in ihrem Leben Opfer von physischer oder sexueller Gewalt.
Foto: Johannes Kiefer | Statistisch gesehen wird jede dritte Frau in ihrem Leben Opfer von physischer oder sexueller Gewalt.

Er überfiel sie auf dem Heimweg: Eine 19-Jährige wurde Anfang Dezember in der Zellerau sexuell misshandelt. Der Täter war mit ihr aus dem Nachtbus ausgestiegen, hatte sie kurz nach der Haltstelle an eine Wand gedrückt und sie im Intimbereich berührt. 

Eine andere junge Frau erlebte kürzlich in einer Diskothek sexuelle Belästigung: Ein Mann küsste die 24-Jährige gegen ihren Willen und fasste ihr an das Gesäß.

Jede dritte Frau wird im Laufe ihres Lebens einmal Opfer von physischer oder sexueller Gewalt, das geht aus einer Statistik des Bundesfamilienministeriums hervor. Für Würzburg bedeutet das: Mehr als 22 000 Würzburgerinnen sind möglicherweise betroffen.

58 Fälle von sexueller Belästigung wurden bei der Würzburger Polizei 2018 angezeigt, für 2019 ist die Zahl rückläufig, teilt die Polizei auf Anfrage dieser Redaktion mit. In ganz Unterfranken waren es 160 Fälle – Tendenz steigend. 

Frauen haben auf Übergriffe gut reagiert

Elisabeth Kirchner und der Verein Wildwasser bieten betroffenen Frauen Hilfe an.
Foto: Thomas Obermeier | Elisabeth Kirchner und der Verein Wildwasser bieten betroffenen Frauen Hilfe an.

Die 19-Jährige, die in der Zellerau überfallen wurde, konnte ihren Angreifer abschütteln: Sie wehrte sich und rief laut um Hilfe. Als sie den Mann in die Lippe biss, ließ er von ihr ab. Auch die Polizei rät Frauen, sich gegen einen Angreifer zu wehren und wenn möglich zu flüchten. 

Psychologin Elisabeth Kirchner hilft beim Verein Wildwasser Frauen, die Opfer von sexueller Gewalt geworden sind. "In einer solchen Situation reagiert jede Frau anders", sagt sie. "Manche erstarren und sind vor Angst nicht in der Lage sich zu wehren – obwohl sie es wollen." Ihr sind auch Fälle bekannt, in denen Widerstand den Täter noch weiter angestachelt hat. "Auch jeder Täter reagiert anders, das lässt sich nicht vorhersehen."

Wie können Frauen – und Männer – sich schützen?

Trotzdem sei es für Opfer wichtig, auf sich aufmerksam zu machen – auch wenn man "nur" angefasst werde, so Kirchner. Das tat auch die 24-Jährige, die in der Disco belästigt wurde: Sie wandte sich an einen Security-Mitarbeiter, der schließlich die Polizei hinzuzog.

Die Polizei rät Frauen, sich selbstbewusst durch die Stadt zu bewegen: Mit aufrechtem, zügigem Gang und klarer Körpersprache könne man einem potentiellen Täter vermitteln, dass man kein leichtes Opfer sei. Fußgänger sollten unterwegs ihren Schlüssel in der Hand halten, um sich damit verteidigen zu können. Auf Parkplätzen empfiehlt die Polizei, nicht in einer dunklen Ecke, sondern nah am Ausgang zu parken.

Täter handeln selten spontan

"Sexuelle Gewalt ist selten ein Affektverbrechen," erklärt Kirchner. Solche Taten seien oft von langer Hand geplant. Der Täter des Übergriffs in der Zellerau war also möglicherweise schon auf der Suche nach einem Opfer, als er in den Nachtbus einstieg.

Kirchner betont aber auch: "Eine dunkle Straße ist nicht der gefährlichste Ort für eine Frau." Häufiger sei die eigene Wohnung der Tatort, und der Täter ein guter Bekannter. "Diesen Frauen fällt es besonders schwer, den Täter anzuzeigen", so Kirchner.

Die Performance der feministischen Gruppe 'Las Tesis' aus Chile ging Ende November um die Welt: Mit Augenbinden und einer Gruppenchoreographie demonstrierten Frauen in Bogotá, Paris, Berlin, Hamburg und vielen anderen Städten, um auf den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen. 
Foto: Leonardo Rubilar/dpa | Die Performance der feministischen Gruppe "Las Tesis" aus Chile ging Ende November um die Welt: Mit Augenbinden und einer Gruppenchoreographie demonstrierten Frauen in Bogotá, Paris, Berlin, Hamburg und vielen ...

Oft erlebt Kirchner, dass Frauen Schuldgefühle entwickeln: "Sie denken, sie haben den Täter provoziert, indem sie ihn etwa in der Bar angelächelt haben – das stimmt natürlich nicht, niemand ist Schuld, wenn er oder sie Opfer von sexueller Gewallt wird." Ihre Botschaft: Frauen sollten sich mit einem gesundem Misstrauen durch Würzburg bewegen – aber auf keinen Fall voller Angst.

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