WÜRZBURG

Stolperstein für jüdischen Feuerwehrmann

Tödliches Schicksal: Jacob Sichel kam im KZ Theresienstadt um. Die Fotos entstammen der Gestapo-Akte Nummer 14375. STAATSARCHIV WÜRZBURG
Foto: Foto: | Tödliches Schicksal: Jacob Sichel kam im KZ Theresienstadt um. Die Fotos entstammen der Gestapo-Akte Nummer 14375. STAATSARCHIV WÜRZBURG

Es ist schon die 15. Verlegung von Stolpersteinen in der Stadt, die an deportierte und ermordete Juden aus Würzburg erinnern. Doch der Verlegetermin an diesem Freitag ist ein ganz besonderer. Der 9. November ist der Gedenktag zur Reichspogromnacht von 1938, in der die Synagogen brannten – und die Feuerwehren nicht löschen durften. Die Rolle der Feuerwehren im Nationalsozialismus steht im Mittelpunkt der aktuellen Aktion des Arbeitskreises „Würzburger Stolpersteine“.

Und erstmals wird ein Stolperstein für einen jüdischen Feuerwehrmann verlegt, für Jacob Sichel, der 1934 aus der Wehr ausgeschlossen wurde und 1943 im Lager Theresienstadt mit 67 zu Tode kam. Sichel, in Veitshöchheim geboren, betrieb mit seinem Bruder in Würzburg eine Wäschefabrik und später eine Gärtnerei. Mit seiner Frau Ella und seiner Schwiegermutter lebte Sichel in seinem Haus in der Hofmeierstraße 9. Im Zuge des Novemberpogroms 1938 wurde Sichel verhaftet und kam vom 12. bis 19. November ins KZ Buchenwald. Im Winter 1941/42 musste das Ehepaar Sichel sein Haus im Frauenland verlassen und in das Gebäude auf dem Jüdischen Friedhof ziehen. Am 23. September 1942 wurde das Ehepaar sowie die Schwiegermutter nach Theresienstadt deportiert, wo alle drei innerhalb von sechs Monaten aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen starben.

Am Freitag um 13 Uhr wird der Kölner Künstler Gunter Demnig, Initiator der bundesweiten Aktion Stolpersteine, in der Hofmaierstraße die drei Steine für Jacob, Ella und Sofie Sichel verlegen – in Anwesenheit von Vertretern der Freiwilligen Feuerwehr Würzburg und der Staatlichen Feuerwehrschule, die die Patenschaft für die Erinnerungssteine übernommen haben. Jacob Sichel war von 1915 bis zu seinem Ausschluss 1934 Mitglied der freiwilligen Feuerwehr Würzburg.

Mit deren Rolle sowie der Wehren im allgemeinen zur Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt sich Rolf Schamberger in seinem öffentlichen Vortrag am Vorabend der Stolperstein-Verlegung (siehe auch untenstehendes Interview). Schamberger ist Leiter des Deutschen Feuerwehrmuseums Fulda, hat zur Feuerwehrgeschichte publiziert und wird auch von seinen Recherchen im Würzburger Staatsarchiv sowie zu Jacob Sichel berichten.

„Er wird Roß und Reiter nennen und konkret werden, aber mit Bedacht“, kündigt Benita Stolz vom Arbeitskreis Würzburger Stolpersteine die Aufarbeitung eines brisanten Themas an. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr in der Staatlichen Feuerwehrschule, Weißenburgstraße 60. Angesprochen sind Feuerwehren und interessierte Bürger. Für die musikalische Umrahmung sorgt die Jugendkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Garitz.

Der Arbeitskreis Stolpersteine hat sich bereits mit der Rolle der Studentenverbindungen, der Psychiatrie und der Medizin zur NS-Zeit in seinen Aktionen beschäftigt. Für nächstes Jahr ist der Umgang mit Schwulen in der NS-Zeit geplant. Seit der ersten Aktion am 17. Juli 2006 wurden 350 Stolpersteine in Würzburg verlegt. Am Freitag kommen zwölf weitere hinzu. „Für weitere Gedenksteine suchen wir noch Paten“, sagt Benita Stolz. Eine Patenschaft kostet 120 Euro.

Weitere Infos zur Aktion Stolpersteine: www.stolpersteine-wuerzburg.de

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