Würzburg

Urban Gardening: Wie an der Uni Würzburg gegärtnert wird

Ob die Tomate vom Balkon oder die Zucchini aus dem Gemeinschaftsgarten nebenan – "Urban Gardening" ist ein Trend! Der CampusGarten der Uni Würzburg zeigt, wie es geht.
Der Campus-Garten der Studierendenvertretung zählt rund 80 Beete und Gärtner.
Foto: Andreas Jungbauer | Der Campus-Garten der Studierendenvertretung zählt rund 80 Beete und Gärtner.

Beim Urban Gardening geht es darum, brachliegende Flächen in der Stadt nach ökologischen Aspekten gemeinsam zu bewirtschaften. Die grünen Oasen, die dadurch entstehen, bieten nicht nur eine Nutzfläche für den Anbau von Obst und Gemüse, sie fördern auch die Biodiversität.

Der CampusGarten der Universität Würzburg setzt diese Idee in die Tat um - basierend auf dem Konzept der Permakultur. Begründet von den australischen Wissenschaftlern Bill Mollison und David Holmgren Anfang der 1980-er Jahre, verbindet die Permakultur Erkenntnisse aus  Agrarwissenschaft, Ökologie, Systemtheorie, Gartenbau und Kreislaufwirtschaft. Das Ziel sind selbstregulierende ökologische Systeme, die eine ertragreiche Nahrungsmittelproduktion gewährleisten. Die natürliche Umwelt soll dabei so wenig wie möglich belastet werden.

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Natürlicher Kreislauf mit Konzept

Der Naturschutzaktivist und Geograf Markus Gastl aus Herrieden in Mittelfranken hat ein "3-Zonen-Modell" entwickelt, mit dem sich Permakultur auf Hausgärten übertragen lässt: In der Ertragszone werden Nahrungsmittel angebaut, die sogenannte Hot-Spot-Zone mit Sandflächen, Steinhaufen und Teichen fördert die Artenvielfalt. Und die Pufferzone mit Hecken und Bäumen schützt den Garten vor Außeneinflüssen.

Auch der Würzburger CampusGarten am Hubland Nord ist nach diesem Modell aufgebaut: Zwei Anbauflächen bilden den aktiven Gärtnerbereich, umrahmt werden sie von Hecken und Bäumen. Überschüssige Biomasse, die durch den Rasen- und Heckenschnitt entsteht, kann auf dem Kompost zersetzt werden. Der Kompost wiederum liefert fruchtbare Erde für die Ertragszone. Zur Bewässerung der Beete stehen neben den angelegten Wasserstellen auch Sammelbehälter für Regenwasser bereit. 

Bereits 2014 riefen Studierende des Referats Ökologie an der Uni Würzburg das Projekt CampusGarten ins Leben. Seither hat es sich fortwährend weiterentwickelt. Vorher stand auf dem Gelände ein Offiziershaus mit Garten, sagt Lukas Lackner, Mitbegründer des CampusGarten. Mit Unterstützung des Botanischen Gartens der Universität sei dann nach und nach die Anlage entstanden. „Mittlerweile können viele Studierende das Gelände nutzen und gärtnern und hier einen Ausgleich zum Studienalltag finden“, sagt Lackner.

Der Garten wächst

Im Jahr 2017 wurde der CampusGarten mit dem Nachhaltigkeitspreis der UN-Dekade für Biologische Vielfalt sowie mit dem Castell-Preis der Universität Würzburg für nachhaltiges Handeln ausgezeichnet. Weil sich immer mehr Studierende für den Campusgarten interessierten, wurde die Fläche erweitert. Inzwischen ist der CampusGarten so groß wie sechs Tennisplätze: Er umfasst heute 1600 Quadratmeter.

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Vor zwei Jahren gestaltete das Referat Ökologie zusammen mit dem Würzburger Urban-Gardening-Verein Stadtgärtner zur Landesgartenschau eine 2000 Quadratmeter große "Stadtgartenschau". Und direkt an den CampusGarten schließt der UniAcker an, der für Lehramts- und Pädagogikseminare genutzt wird.

80 Beete werden im CampusGarten jedes Jahr an Interessierte vergeben. Aktuell beteiligen sich über 100 Studierende an der Aussaat, Pflege und Ernte des Gartens.

Wie lässt sich das Leben in den Städten grüner, vielfältiger und gesünder gestalten? Während der Landesgartenschau 2018 gab das Gemeinschaftsprojekt der Stadtgärtner Urban Gardening e.V. und des CampusGartens an der Uni Würzburg Antworten.
Foto: Patty Varasano | Wie lässt sich das Leben in den Städten grüner, vielfältiger und gesünder gestalten? Während der Landesgartenschau 2018 gab das Gemeinschaftsprojekt der Stadtgärtner Urban Gardening e.V.

Die Natur unterstützen

Der Garten ist naturnah nach dem Prinzip der "ökologischen Intensivierung" gestaltet: Er ist so angelegt, dass er natürliche Prozesse wie Räuber-Beute-Systeme oder die Bestäubung optimiert. So soll sich der Garten als ökologisches System selbst regulieren - ohne zusätzliche Maßnahmen zur Schädlingskontrolle. Teiche, Steinhaufen und eine naturnahe Bepflanzung mit Gräsern und Flechten schaffen einen natürlichen Lebensraum für Nützlinge und Insekten und fördern so die Biodiversität.

Neben Insektenhotels und Totholzansammlungen bieten Blühwiesen im CampusGarten vielen Tieren einen Lebensraum - vor allem bedrohten Wildbienenarten. Als Bestäuberinsekten tragen diese einen großen Teil zum Erhalt von Ökosystemen bei: Die Bienen ernähren sich vom Nektar der Pflanzen, die Pflanzen profitieren von der Verbreitung ihrer Pollen durch die Bienen. Im CampusGarten führt dieses Zusammenspiel wiederum zu gesteigerten Erträgen.

Urban Gardening am Hubland auf dem Gelände der ehemaligen LGS.
Foto: Ernst Lauterbach | Urban Gardening am Hubland auf dem Gelände der ehemaligen LGS.

Nachhaltiger Wissenstransfer

Die Initiatoren des CampusGartens legen Wert darauf, dass die Gartenfläche naturgerecht gepflegt und bewirtschaftet wird. Um das zu gewährleisten, erhalten die Gärtner Informationen und Rat auch auch über die eigens angelegte „Gartenfibel“: Wie sieht ein gesunder Boden aus? Was muss man über das Anlegen von Biotopen und Beeten wissen? Welche Pflanzenarten sind hier heimisch und wie pflegt man sie richtig? Auch über Kompostierung, Düngung und die ökologische Intensivierung klärt die Gartenfibel auf und gibt mit einem Arbeits- und Saisonkalender Tipps für die richtige Anpflanzung, Aussaat und Ernte verschiedener Pflanzen.

„Bei diesem Projekt geht er vor allem auch um den Nachhaltigkeitsgedanken“, betont auch Lukas Lackner. Damit sei nicht nur nachhaltiges Gärtnern gemeint, sondern auch der Wissenstransfer. In Zukunft solle es deshalb verstärkt auch Workshops geben, die bei Interessierten die Begeisterung fürs Gärtnern wecken und wertvolle Tipps zum nachhaltigen Umgang mit der Natur geben sollen.

Serie Bioökonomie

Dieser Artikel ist Teil der Serie Bioökonomie, die in loser Reihenfolge erscheint. Beteiligt sind rund 200 Studierende der Universität Würzburg, der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und der Macromedia-Hochschule Köln. Alle Texte finden Sie unter: www.mainpost.de/bioökonomie
Das Projekt findet im Rahmen des "Wissenschaftsjahres 2020/21" statt und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Eine Multimediareportage der Studierenden finden Sie unter www.bioökonomie.info. Weitere Informationen gibt es unter www.wissenschaftsjahr.de
jst
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