Würzburg

Wie Würzburger Unternehmer die Ozeane vom Plastikmüll befreien wollen

Drei Unternehmer haben eine Vision: Plastik aus den Weltmeeren fischen und direkt vor Ort recyclen. Aber wie kommen gerade sie als Unterfranken auf die Idee?
Mit dem Meer hatten die beiden unterfränkischen Unternehmer bisher beruflich wenig zu tun. Trotzdem haben es sich Herbert Hornung (links) und Peter Bales zur Aufgabe gemacht, von Würzburg aus das Plastik aus den Ozeanen herauszuholen.
Foto: Fabian Gebert | Mit dem Meer hatten die beiden unterfränkischen Unternehmer bisher beruflich wenig zu tun. Trotzdem haben es sich Herbert Hornung (links) und Peter Bales zur Aufgabe gemacht, von Würzburg aus das Plastik aus den ...

Diese Würzburger wollen das schaffen, was Aktivisten seit Jahren vergeblich versuchen: Die Unternehmer Peter Bales und Herbert Hornung sowie der Steuerberater Balthasar Höhn haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Weltmeere nachhaltig von Plastikmüll zu befreien. Dazu gründeten sie vor kurzem das gemeinnützige Beratungsunternehmen "Institut für Ozean Plastik Recycling" (IFOPR). Ihre Vision: Sie wollen den Müll aus den Ozeanzen fischen und den Wertschöpfungsketten wieder zuführen – mit einer weltweit übertragbaren Lösung. Aber auch ihre unterfränkische Heimat selbst spielt eine tragende Rolle in der Idee der Gründer, wie Peter Bales und Herbert Hornung im Gespräch mit dieser Redaktion erklären. 

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"Wir haben alles auf dem Planeten, was es braucht, um das Problem zu lösen", ist Peter Bales überzeugt. "Was wir nicht haben, ist ein ganzheitlicher Prozess." Die Idee dafür ist lange in ihm gereift. In seinem bisherigen Berufsleben als Unternehmensberater und Rennsport-Manager spielte Nachhaltigkeit zwar eine untergeordnete Rolle. "Ich war in 19 Ländern und auf fünf Kontinenten unterwegs", erzählt er. Ein Anblick aber, den er auf seinen Geschäftsreisen machte, ließ ihn nie wieder los: "Wenn man sieht, wie manche Strände ausschauen..." Bales beschreibt Berge von Plastikmüll, die Bagger teilweise wenige Meter weiter vom Meeresufer einfach verbuddelten.

Vision: Unternehmen sollen Meeres-Plastik direkt vor Ort wiederverwerten

Während Corona fasste er den endgültigen Entschluss, etwas dagegen zu machen – und ging auf seinen langjährigen Freund Herbert Hornung zu. "Dort rannte ich offene Türen ein", sagt Bales. In seinem Möbelhaus in Zellingen (Lkr. Main-Spessart) etwa schaffte Hornung laut eigener Aussage schon vor Jahren die Öl- zugunsten einer Holzpellet-Heizung ab. "Die Umwelt war mir schon immer wichtig", betont er. "Und die Kombination mit uns beiden ist einfach hervorragend. Ich weiß, die Power, mit der Peter Bales vorangeht, die bewegt einfach was." Auch der Dritte im Bunde, der Steuerberater Balthasar Höhn, war gleich dabei.

Herbert Hornung liegt die Umwelt am Herzen. Mit dem 'Institut für Ozean Plastik Recycling' möchte er nun im großen Stil etwas für sie tun.
Foto: Fabian Gebert | Herbert Hornung liegt die Umwelt am Herzen. Mit dem "Institut für Ozean Plastik Recycling" möchte er nun im großen Stil etwas für sie tun.

Aber was genau ist der Plan der Würzburger Unternehmer? Eine Beobachtung, die sie machten: Mit reinem Aktivismus ist das Problem nicht zu lösen. Zwar sind viele engagierte Organisationen schon auf den Meeren unterwegs, um Plastik einzusammeln. "Die haben aber keine Lösung, wo sie ihre Sachen hinbringen können", sagt Bales. Und genau hier setzt das IFOPR an: "Wir nehmen das Plastik raus und recyceln es wirklich – an Ort und Stelle", erklärt der Unternehmer. "Im nächsten Schritt schauen wir, dass wir ein Industriegebiet hinten dran hinkriegen, so dass der Kohlenstoffdioxid-Fingerabdruck gen Null geht." In diesem "Silicon Harbour" sollen sich Unternehmen ansiedeln, die das Kunststoff-Granulat dort direkt weiterverarbeiten. Dieses Ziel hat sich das IFOPR für die nächsten zehn Jahre gesteckt – als Pilotprojekt, das andere danach nachahmen sollen.

Erster Schritt: Gründer sammeln selbst im Pazifik

Die Expertise für das Projekt holen sich die Unternehmer direkt vor der Haustüre. "Wir haben das Riesenglück, dass wir in Würzburg wohnen dürfen", betont Bales. Forschungseinrichtungen wie die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, das Süddeutsche Kunststoffzentrum und die Fraunhofer-Institut können sie vom Büro in der Würzburger Kantstraße schnell erreichen. Und die Einrichtungen sind von der Idee angetan, sagt zumindest der Unternehmer: "Wir wollen uns nicht anlegen mit Professoren, Doktoren  und all den Menschen, die 20 Jahre wissen gesammelt haben. Was wir wollen: es anpacken – und das finden sie sympathisch."

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Doch bevor sie mit den Experten an konkreten Lösungen arbeiten können, müssen die drei Gründer herausfinden, welcher Müll genau in welchen Mengen im Meer schwimmt. Dazu wollen sie selbst aktiv werden – und schon im Frühjahr 2021 rausfahren zum "Great Pacific Garbage Patch", einen der fünf großen Müllstrudel, der im Pazifik zwischen Hawaii und Kalifornien liegt. Bales: "Wir machen das selber, weil wir mit unserem Namen dafür stehen."

Würzburger Bürger sollen auf der Talavera mit anpacken

Und dann kommt ihre unterfränkische Heimat ins Spiel. "Wir bringen einen Container nach Würzburg, den wir hoffentlich auf die Talavera stellen dürfen", sagt Bales. In diesem Container: Sogenannte Big-Pack-Behälter mit all dem Müll, den sie bei ihrem Trip aus dem Pazifik gefischt haben. "Ich lade alle Würzburger ein, diese Sachen mit uns zu sortieren, zu waschen und wieder in Big Packs einzufüllen", kündigt der Gründer an. Das Frauenhofer-Institut soll anschließend bestimmen, um was genau es sich bei dem Müll handelt. "Die FH und das Süddeutsche Kunsstoffzentrum sagen uns dann, was wir daraus machen können."

Peter Bales ist es wichtig, selbst anzupacken. Deshalb wollen die drei Gründer im Februar nach Hawaii fahren, um das erste Plastik aus dem Pazifik zu fischen.
Foto: Fabian Gebert | Peter Bales ist es wichtig, selbst anzupacken. Deshalb wollen die drei Gründer im Februar nach Hawaii fahren, um das erste Plastik aus dem Pazifik zu fischen.

Für diesen ersten Schritt, also vom Einsammeln auf dem Pazifik im Februar bis zum Transport nach Würzburg, benötigt die gemeinnützige GmbH 1,8 Millionen Euro. Dazu sind die Unternehmer gerade auf der Suche nach Unterstützen. Und legen dabei die Karten auf den Tisch: "Dieses Modell wird immer ein Zuschussprojekt der Menschheitsfamilie sein", betont Bales. Mit den niedrigen Rohölpreisen wird das recycelte Meer-Plastik nicht konkurrieren können. Aber das sollte sowieso Nebensache sein, sagt der Unternehmer: "Wir müssen uns im Klaren sein, dass es als gesamte Menschheit einfach unsere Verantwortung ist." Und diese jetzt handeln muss.

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