Heuchelhof

Wir über uns: Warum guter Journalismus Mut und Hoffnung macht

Die Mutmacher-Seite erscheint letztmalig. Doch das Bedürfnis nach ermutigender und konstruktiver Berichterstattung wird die Redaktion auch in Zukunft befriedigen.
Redakteurin Andrea Czygan hat sich in den vergangenen Wochen um die Mutmacher-Seite gekümmert. Sie war überrascht über die Kreativität und Offenheit der Leser-Einsendungen.
Foto: Chris Weiß | Redakteurin Andrea Czygan hat sich in den vergangenen Wochen um die Mutmacher-Seite gekümmert. Sie war überrascht über die Kreativität und Offenheit der Leser-Einsendungen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.“ So steht es in der Bibel. Eine Erkenntnis, die auch auf unsere Mutmacher-Seite zutrifft. Seit knapp zwei Monaten hat die Redaktion Ihnen jeden Tag an dieser Stelle Aufmunterndes und Nachahmenswertes in Zeiten von Corona präsentiert. Die Inhalte stammten fast ausnahmslos von Ihnen. Inzwischen erreichen uns allerdings immer weniger Beiträge. Wir haben uns deshalb entschlossen, die Mutmacher-Seite heute das letzte Mal erscheinen zu lassen.

Ganz herzlich bedanken möchte ich mich bei all jenen von Ihnen, die in den vergangenen Wochen mit Kinderzeichnungen, Bastelanleitungen, Kochrezepten, Gebeten, Gedichten, Briefen, Fotos oder kleinen Essays zum Erfolg dieser Seite beigetragen haben.

Am meisten hat mich die Kreativität bei den Einsendungen überrascht. Mir fällt keine Situation ein, in der ich Leser so offen, so emotional und positiv ihrer Tageszeitung gegenüber erlebt habe.
Andrea Czygan, Koordinatorin der Mutmacher-Seite

Meine Kollegin Andrea Czygan, unsere Mutmacher-Koordinatorin in der Redaktion, zieht entsprechend begeistert Bilanz dieser bemerkenswerten Aktion: „Am meisten hat mich die Kreativität bei den Einsendungen überrascht. Ich bin schon sehr viele Jahre in dem Job. Eine derartige Welle an Einsendungen habe ich noch nie erlebt."

Die Mutmacher-Seiten der Printausgabe vom 11. und 15. Mai.
Foto: MP | Die Mutmacher-Seiten der Printausgabe vom 11. und 15. Mai.

Beeindruckt hat sie auch, wie viel Persönliches die Leserinnen und Leser dabei zu ihrer Situation in der Corona-Krise preisgegeben haben. Andrea Czygan: „Im Prinzip landete die komplette Bandbreite an Einsichten, Gefühlen und Ängsten in einer surrealistischen Zeit auf meinem Schreibtisch.“ So viele Leute hätten ihren neuen Alltag beschrieben, ihre völlig ungewohnten Probleme und ihre Schlussfolgerungen für die Zukunft. Homeschooling, Wochen ohne Kita, Sport-Tipps für daheim statt im Verein, Basteln mit gelangweilten Kindern, Trost durch eine völlig neue Sicht auf die Schönheiten der Natur – das alles war genauso Thema wie ein Corona-Tagebuch und die Hoffnung auf eine neue, bessere Art des Zusammenlebens und der Wertschätzung des Lebens für Nach-Corona-Zeiten.

„Mir fällt keine Situation ein, in der ich Leser so offen, so emotional und so positiv ihrer Tageszeitung gegenüber erlebt habe“, zeigt sich Andrea Czygan beeindruckt. „Die Mutmacher-Seite ist für mich der beste Beweis, wie eng das Verhältnis zwischen Tageszeitung und Abonnenten ist. Und wie einfach es letztlich ist, dieses Verhältnis zu intensivieren – indem man seine Leser ernst nimmt, ihnen zuhört und zu ihrem Sprachrohr wird. Ganz wichtig: Es gibt ein Riesen-Bedürfnis nach positiver, ermutigender und konstruktiver Berichterstattung.“

Wir werden auch in Zukunft das Bedürfnis nach ermutigender und konstruktiver Berichterstattung befriedigen.
Chefredakteur Michael Reinhard

Genau dieses Bedürfnis nach ermutigender und konstruktiver Berichterstattung, liebe Leserinnen und Leser, werden wir auch in Zukunft weiter befriedigen. Denn die Main-Post-Redaktion praktiziert bereits seit Jahren vermehrt sogenannten konstruktiven Journalismus. Das bedeutet: Wir wollen nicht nur Probleme und Missstände darstellen, sondern auch den Blick in die Zukunft richten sowie zur Eigenverantwortung anregen und Mut machen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, recherchieren wir, wo immer möglich, Lösungsansätze und Handlungsmöglichkeiten, zeigen Perspektiven und wecken Hoffnung. Diese Herangehensweise an Themen hat jedoch nichts zu tun mit unkritischer Schönfärberei und einer Heile-Welt-Sichtweise. Wir werden weiterhin natürlich auf Missstände hinweisen und den Finger in die Wunde legen.

Bei einer Umfrage in Zusammenarbeit mit Professor Stefan Heijnk von der Hochschule Hannover haben Main-Post-Leser bereits 2015 konstruktiven Journalismus mehrheitlich begrüßt. Sie gaben an, lösungsorientierte Artikel häufiger zu lesen als „normale“.

Konstruktiver Journalismus kann einer negativen Weltsicht entgegenwirken

Dieser konstruktive journalistische Ansatz ist übrigens keine neue Erfindung. Er war schon immer Teil des Journalismus. Neuerdings leuchten ihn Redaktionen lediglich im Alltag heller aus. Zu den Pionieren des konstruktiven Journalismus zählt der Dänische Rundfunk (DR). Dieser hat vor etlichen Jahren festgestellt, dass seine TV-Nachrichten wesentlich beliebter geworden sind, seit die Redaktion regelmäßig konstruktive Beiträge sendet. Hörerinnen und Hörer reagierten darauf mit Begriffen wie „glaubwürdig, relevant, informativ, konstruktiv, nützlich, lösungsorientiert und sozial verantwortlich“.

Leserinnen und Leser nehmen konstruktiven Journalismus also deutlich wahr. Das belegt auch eine empirische Untersuchung der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Die Studie kommt unter anderem zu dem Schluss:  Lösungsorientierter Journalismus kann einer negativen Weltsicht entgegenwirken. „Die Leser fühlen sich nach dem konstruktiven Beitrag emotional, fröhlich und zum Teil auch weniger deprimiert“, haben die Wissenschaftler festgestellt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, bei der Lektüre Ihrer Main-Post viele positive Erkenntnisse und Emotionen.

Bleiben Sie gesund!

Herzliche Grüße

Ihr

Michael Reinhard

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