Würzburg/Schweinfurt

Würzburger Experte: Warum zu penible Gartenarbeit den Lebensraum von Wildbienen stört

Viele Gartenbesitzer "wollen ihren Garten unter Kontrolle haben", sagt der Würzburger Biologieprofessor Ingolf Steffan-Dewenter. Warum das ein Problem ist.
Auf dem Archivbild sucht eine Biene auf einer Katzenminze nach Pollen. Doch es gibt immer weniger Tier- und Pflanzenarten. Wissenschaftler sprechen bereits von einem Massenaussterben auf der Erde.
Foto: Sven Hoppe, dpa | Auf dem Archivbild sucht eine Biene auf einer Katzenminze nach Pollen. Doch es gibt immer weniger Tier- und Pflanzenarten. Wissenschaftler sprechen bereits von einem Massenaussterben auf der Erde.

Es ist Mai und es grünt, blüht, summt und brummt in der Natur: Doch wie geht es den Wildbienen in diesem Jahr und was können Gartenbesitzer jetzt tun, um ihnen und vielen anderen bestäubenden Insekten zu helfen? Antworten gibt Professor Ingolf Steffan-Dewenter, der Leiter des Lehrstuhls für Tierökologie und Tropenbiologie an der Universität Würzburg.

Frage: Wie geht es den Wildbienen im Moment?

Ingolf Steffan-Dewenter: Die Wetterbedingungen sind günstig. Es blüht viel. Es ist relativ trocken. Die Versorgung mit Nektar ist gut. Wildbienen können Pollen sammeln und ihre Nachkommen versorgen.

Trotzdem gibt es immer weniger bestäubende Insekten.

Steffan-Dewenter: Es gibt viele einzelne Projekte, die den Insektenschwund belegen. Es gibt sowohl immer weniger Arten als auch immer weniger Biomasse, das heißt, die schiere Zahl an Insekten sinkt. Unsere Forschung zeigt zum Beispiel, dass in dicht besiedelten Lebensräumen weniger Bestäuber vorkommen – Stichwort Flächenfraß. Die Situation der Insekten hängt also in großem Maß von der Landschaft ab, die sie umgibt. Leider gibt es aber nach wie vor kein langfristiges Biodiversitäts-Monitoring. Wir wissen nicht, welche Bienenarten wie häufig in welchen Lebensräumen fliegen und wie sich ihr Bestand über die vergangenen zehn oder 20 Jahre entwickelt hat.

Das Archivbild zeigt eine Gehörnte Mauerbiene im Anflug auf spezielle Brutröhrchen.
Foto: Patrick Pleul, dpa | Das Archivbild zeigt eine Gehörnte Mauerbiene im Anflug auf spezielle Brutröhrchen.
Was können Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer tun, um Bienen und anderen bestäubenden Insekten zu helfen?

Steffan-Dewenter: Gartenbesitzer haben viele Möglichkeiten, ihren Garten so zu gestalten, dass er mehr Lebensraum für Bienen bietet. Das Wichtigste ist, dass viele verschiedene Arten im Garten blühen. Arten, die im Frühjahr, andere, die im Sommer, und wieder andere, die im Herbst blühen. Wichtig ist, dass diese Arten offene Blüten haben, die den Bienen Nektar und Pollen liefern. Gefüllte Blüten, etwa bei Chrysanthemen, Dahlien, Rosen, Nelken, Kamelien oder Pfingstrosen sind aus Sicht der Wildbienen eine Mogelpackung. Sie sehen zwar schön aus, haben aber keinen Pollen.

Was halten Sie von Insektenhotels im Garten?

Steffan-Dewenter: Insektenhotels können einigen Wildbienenarten Nistmöglichkeiten bieten. Wenn man aber in seinem Garten ein bisschen Unordnung zulässt, tut man viel mehr für die Bienen, als mit einem teuren Insektenhotel. Denn Bienen brauchen Nistplätze. Viele Wildbienenarten bauen ihre Nester im Boden. Sie brauchen offene sandige Stellen im Boden. Manche bauen ihre Nester auch in einer Steilwand, in leeren Schilfhalmen oder in oberirdischen Hohlräumen, etwa in totem Holz. Lässt man in seinem Garten einige Bodenflächen unbearbeitet, dann können dort Wildkräuter blühen, zum Beispiel die Purpurrote Taubnessel, an die Hummelköniginnen gerne rangehen. Auch eine alte Scheune im Garten bietet gute Nistplätze für Wildbienen.

Was ist das Schlimmste, was man aus Sicht der Wildbienen im Garten machen kann?

Steffan-Dewenter: Wenn man seinen Garten ganz ordentlich hält, viel Fläche mit Beton und Steinen versiegelt, den Rasen auf nur eine Gras-Art reduziert und lediglich ökologisch wenig wertvolle Pflanzen wie Thuja- oder Kirschlorbeer-Hecken pflanzt, dann gibt es auch kaum Insekten. Wenn es im Garten keine Vielfalt an Pflanzen gibt, dann gibt es auch keine Vielfalt an Bestäubern. Bei der Gartenarbeit ist weniger definitiv mehr! Die Krux ist: Die meisten wollen ihren Garten unter Kontrolle haben.

Professor Ingolf Steffan-Dewenter, Leiter des Lehrstuhls für Tierökologie an der Universität Würzburg.
Foto: Susanne Schiele | Professor Ingolf Steffan-Dewenter, Leiter des Lehrstuhls für Tierökologie an der Universität Würzburg.
Was ist der Unterschied zwischen Wildbienen und Honigbienen?

Steffan-Dewenter: Die Honigbiene ist nur eine von vielen Bienenarten. In Deutschland gibt es etwa 550, weltweit etwa 25.000 Wildbienenarten. Als Wildbiene ist die Honigbiene in Mitteleuropa weitgehend ausgestorben. Sie wird bei uns vom Imker gehalten und kommt daher viel häufiger vor als die wild lebenden Bienenarten. Im Gegensatz zur Honigbiene, die sozial ist und in einer Kolonie lebt, leben die meisten Wildbienenarten alleine. Jedes weibliche Tier legt sein eigenes Nest an. Es bohrt Gänge in den Boden oder nutzt oberirdische Hohlräume. Dort lagert es seinen Pollen in Brutzellen und legt seine Eier ab. Ein Jahr später schlüpft aus den Larven die nächste Generation der Bienen.

Lesen Sie auch:

Weitere Informationen darüber, was Gartenbesitzer konkret tun können, um für Wildbienen mehr Lebensräume zu schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg im "Dorfbienen-Projekt" untersucht, das vom Bayerischen Landesamt für Umwelt gefördert wird. Die Broschüre finden Sie im Internet unter: www.dorfbienen.biozentrum.uni-wuerzburg.de//Broschueren.aspx

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