Königsberg

Wie ein Ex-Weltmeister aus Königsberg als Trainer den Lockdown meistert

Tobias und Miriam Piechaczek gehören zu Bayerns besten Sportschützen. Wie die beiden Geschwister aus Königsberg derzeit ihre Zeit bis zum nächsten Wettkampf überbrücken.
Daheim in Königsberg ist ein gemeinsames Training wie hier noch vor einigen Jahren derzeit nicht möglich. Persönlichen Kontakt zu seiner Schwester Miriam (rechts) gibt es für Tobias Piechaczek aktuell nur beim Training der Bayernauswahl.
Foto: Gerold Snater | Daheim in Königsberg ist ein gemeinsames Training wie hier noch vor einigen Jahren derzeit nicht möglich. Persönlichen Kontakt zu seiner Schwester Miriam (rechts) gibt es für Tobias Piechaczek aktuell nur beim ...

Die Luftpistole war und ist für den Königsberger Tobias Piechaczek das ideale Sportgerät. Seine starken Leistungen führten ihn bereits vor über zehn Jahren in den Bundeskader und 2010 zum Gewinn der Junioren-Weltmeisterschaft mit der Nationalmannschaft. Auch zwei deutsche Meisterschaften holte er mit dem SV Kelheim-Gmünd.

Seit eineinhalb Jahren ist der mittlerweile 30-Jährige nun in dem Schützenverein aus Niederbayern auch als Trainer tätig und hat dort seine eigene Schwester Miriam unter seinen Fittichen.

Seit September des vergangenen Jahres befinden sich auch die Bundesliga-Schützen aber in der coronabedingten Zwangspause. Training ist seitdem nur für die Kaderschützen erlaubt. Weil er zugleich Assistenztrainer der Bayernauswahl ist, kann der Königsberger wenigstens dabei etwas "Schützenluft" schnuppern.

Nur die besten Sportschützen Bayerns dürfen noch trainieren

Der Unterfranke lebt aktuell in München und büffelt für die Meisterprüfung im Brauerei- und Malzgewerbe. Natürlich online, quasi ein Fernstudium. Lediglich einmal pro Woche gibt es Praxisunterricht als Präsenzveranstaltung. Die Prüfung steht im Juli an.

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Die Landeshauptstadt bietet ihm auch für sein Hobby mit der Luftpistole die besten Möglichkeiten. Denn auf der Olympia-Schießanlage in Garching darf trainiert werden, allerdings gilt diese Erlaubnis nur für Bayerns beste Sportschützen, die als Leistungssportler geführt werden.

Als Assistenztrainer des Bayernkaders ist Piechaczek dann dabei, ebenso wie seine Schwester Miriam, die seit August 2019 ebenfalls in Kelheim-Gmünd schießt und im gleichen Jahr bei den deutschen Meisterschafen die Silbermedaille bei den Juniorinnen gewann. Nicht überraschend also, dass die 21-Jährige in der Auswahl steht und ebenfalls weiter üben kann.

Piechaczek trainiert seine Schwester im Verein und in der Auswahl

Miriam Piechaczek wird also sowohl im Verein als auch im Auswahlkader von ihrem Bruder trainiert. Der hat damit überhaupt kein Problem: "Wir machen das schon professionell." Seine Schwester im Training zu bevorzugen, ist für ihn tabu. Als Kaderathletin ist ihr sogar ein Training im Heimatverein erlaubt, allerdings nur unter äußerst strengen Voraussetzungen, und allein.

"Wichtig ist die Motivation hochzuhalten, an der Technik zu arbeiten für den Moment, an dem es wieder los geht."
Tobias Piechaczek, Assistenztrainer der Bayernauswahl

Auch das Training in München unterliegt strengen Hygienevorschriften. Obwohl fünf bis sechs Schützen gleichzeitig im Schießstand stehen, "ist nur jeder zweite Platz besetzt, die Maskenpflicht setzen wir natürlich auch um", berichtet Tobias.

Er hatte darauf gehofft, dass er auch Wettkämpfe trotz der aktuellen Situation mit einem ausgefeilten Hygienekonzept weiterhin stattfinden könnten: "Dabei hätten wir Schützen zeigen können, dass Schießen als nahezu kontaktloser Sport auch aktuell möglich wäre. Man hätte Möglichkeiten finden können."

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Doch was macht ein Trainer mit Sportlern, die zwar trainieren dürfen, aber nicht wissen, wann sie das Erlernte auch wieder zeigen dürfen? "Es ist eine sehr schwierige Situation", beschreibt Piechaczek seine Aufgabe. Für ihn steht daher weniger das Schießtraining im Mittelpunkt.

"Wichtig ist es, die Motivation hoch zu halten, an der Technik zu arbeiten für den Moment, an dem es wieder los geht. Dann müssen die Sportler bereit sein und nicht wie der Ochs' vorm Berg stehen und sagen 'Oh, das ist aber steil'. Wir müssen sehr viel mit den Sportlern sprechen und sie auch von der Sinnhaftigkeit des Trainings immer wieder überzeugen," ist Tobias Piechaczek mehr als Psychologe denn als Trainer gefragt – und das vor allem bei den Junioren: "Die Profis wissen, dass sie nicht nachlassen dürfen, aber die Junioren sind zum Teil nur schwer zu motivieren. Da haben wir schon eine gewisse Perspektivlosigkeit festgestellt."

Meisterschaften und EM-Quali fraglich: Warten auf die Politik

Und diese Arbeit wird sich noch gewaltig hinziehen. Das Fernziel des Deutschen Schützenbundes sind die deutschen Meisterschaften Ende August. Ob die Qualifikation zur Europameisterschaft wie geplant schon im April durchgeführt werden können, ist unklar.

"Wir müssen auf die Politik warten, da beißt die Maus kein' Faden ab," macht sich Tobias Piechaczek keine Illusionen. Ihm ist klar, dass trotz der fallenden Infektionszahlen absolute Vorsicht geboten sei. "Sonst haben wir gleich wieder einen Jojo-Effekt", zeigt der Königsberger trotz aller Entbehrungen am Schießstand und in der Meisterschule absolutes Verständnis für den Lockdown.

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