Würzburg

Baskets verlieren einen hochspannenden Krimi

Nach einem zwar nicht hochklassigen, dafür aber hochspannenden Basketballabend unterliegt s.Oliver Würzburg Braunschweig nach Verlängerung mit 89:93.
Justin Sears (rechts, im Zweikampf mit Braunschweigs Bryon Allen) erzielte bei seinem Pflichtspieldebüt für die Baskets 15 Punkte und deutete an, noch ziemlich wichtig werden zu können für die Würzburger.
Foto: Heiko Becker | Justin Sears (rechts, im Zweikampf mit Braunschweigs Bryon Allen) erzielte bei seinem Pflichtspieldebüt für die Baskets 15 Punkte und deutete an, noch ziemlich wichtig werden zu können für die Würzburger.

Da es ihnen offensichtlich noch nicht spät genug war am späten Sonntagabend, dachten sie sich: Legen wir halt noch eine Extraschicht obendrauf. Um Viertel elf also gingen die Bundesliga-Basketballer von s.Oliver Würzburg und den Löwen Braunschweig in die fünfminütige Verlängerung. Eine Viertelstunde später schlichen die Würzburger dann mit gesenkten Häuptern vom Parkett: Mit 89:93 unterlagen die Baskets den Niedersachsen, verloren damit auch das dritte Heimspiel dieser Saison, und Florian Koch traf im Anschluss den Nagel auf den Kopf, als er feststellte: "Das tut weh. Gegen Ende haben wir schlechte Entscheidungen getroffen. Wir dürfen ein Spiel wie heute so nicht beenden."

Koch war es, der es gegen Ende der Verlängerung noch richten sollte, ein paar Sekunden vor Schluss. Vier Mal hatte die Kugel zuvor bereits den Weg aus seiner Hand in den Ring gefunden aus der Ferne - beim Stand von 87:91 aber landete sein sechster Versuch nur am Ring. Und die dritte Saisonniederlage der Baskets war besiegelt.

Es war das erste Mal in dieser Runde, dass die Baskets in einem Pflichtspiel den Sprungball verloren, weil der offenbar mit Sprungfedern in seinen Beinen ausgestattete Zach Smith, der bis dato jede Spieleröffnung für die Würzburger entschieden hatte, die ersten knapp siebeneinhalb Minuten erst einmal zuschauen durfte. Denn neben Micah Downs, Tyson Ward, Tayler Persons und Kapitän Felix Hoffmann schickte Trainer Denis Wucherer Justin Sears zu seinem Pflichtspieldebüt im Baskets-Leibchen aufs Parkett.

Und der 26-jährige Amerikaner stellte sich auch gleich sehr ordentlich vor. Zwar verlor er den Sprungball gegen Gavin Schilling, mit dem er sich im ersten Abschnitt dann ein kleines Scheibenschießen lieferte, das der in Würzburger Diensten stehende Center gegen den Niedersachsen 7:6 gewann. Insgesamt kam Sears dann während seiner guten halben Stunde auf dem Parkett auf 15 Zähler (Schilling auf zwölf). Und auch wenn man nach zehnmonatiger Verletzungspause - sein letztes Spiel war das Mitte Februar mit 67:89 gegen Alba Berlin verlorene Pokalfinale der Oldenburger Donnervögel - freilich keine Wunderdinge von ihm erwarten durfte und auch noch nicht für die nächsten Aufgaben darf - dass Sears, wie von Wucherer erhofft, dem Baskets-Spiel Stabilität und eine höhere Treffergenauigkeit verleiht, ist schon jetzt absehbar.

Denis Wucherer hatte nicht allzu häufig Grund, Tyson Ward zu schimpfen, der noch einer der besseren Würzburger war und mit 22 Punkten Topscorer des Abends.
Foto: Heiko Becker | Denis Wucherer hatte nicht allzu häufig Grund, Tyson Ward zu schimpfen, der noch einer der besseren Würzburger war und mit 22 Punkten Topscorer des Abends.

So entwickelte sich also am Nikolausabend in der ersten Halbzeit eine durchaus kurzweilige, weil muntere Begegnung, in der nach zweieinhalb Minuten erst einmal die Braunschweiger die Rute auspackten, erstmals in Führung gingen (7:5) und diese dann bis zum Pausentee (mit Ausnahme eines ausgeglichenen Spielstandes, 33:33, im zweiten Viertel) auch nicht mehr hergaben. Auf mehr als sechs Punkte freilich ließen die Hausherren die Gäste nicht davonziehen (29:23), wobei sich bei den geschlossen agierenden Gastgebern vor allem Koch stark formverbessert präsentierte.  Zuletzt eher ein Schatten seiner selbst im Vergleich zur vergangenen Spielzeit, als er neben Cameron Wells und Skyler Bowlin aufblühte und die vermutlich beste Saison seiner Bundesligakarriere spielte, näherte der Bonner Jung sich gegen Braunschweig auch wieder alter Treffsicherheit an: Neun Punkte machte er bei seinen vier Versuchen aus dem Feld in der ersten Hälfte (in der zweiten legte er dann noch acht drauf). Koch war es auch, der nach gut fünf Minuten im dritten Viertel die Führung für die Hausherren zurückeroberte (56:55).

Und Tyson Ward gab sein erster Dreier in dieser Runde offenbar so viel Selbstvertrauen, dass er sich aufschwang, zum treffsichersten Würzburger zu werden. Zehn Zählern in der ersten Hälfte ließ der Amerikaner in Halbzeit und der Verlängerung zwei noch zwölf Punkte folgen.

"Das tut weh. Gegen Ende haben wir schlechte Entscheidungen getroffen. Wir dürfen ein Spiel wie heute so nicht beenden."
Florian Koch, Baskets-Profi

"Sie haben scheinbar alle grünes Licht, schnell abzudrücken und viel eins gegen eins zu spielen", hatte Wucherer im Vorfeld der Begegnung vor den Löwen gewarnt: "Sie spielen mit hohem Tempo und viel Aggressivität." Das taten sie dann tatsächlich über weite Strecken der Partie. Und so wurde es in den zweiten 20 Minuten zwar nicht wirklich ein hochkultivierter Balltanz, den die Akteure aufs Parkett legten - aber in jedem Fall ein unterhaltsames und aufgrund des engen Verlaufs stets spannendes Spiel, in dem sich auch Joshua Obiesie verbessert zeigte. Vielleicht hat da auch ein wenig Frust mitgespielt: Obiesie war vergangene Woche mit auf der Reise der Nationalmannschaft nach Frankreich, durfte gegen Montenegro aber gerade einmal 81 Sekunden mittun und gegen die Gastgeber gar nicht. Gegen Braunschweig stand er fast 16 Minuten auf dem Parkett und erzielte acht Punkte, darunter zwei Dreier bei drei Versuchen.

Stark formverbessert: Florian Koch (hier im Zweikampf mit Braunschweigs Luc van Slooten) erzielte 17 Punkte
Foto: Heiko Becker | Stark formverbessert: Florian Koch (hier im Zweikampf mit Braunschweigs Luc van Slooten) erzielte 17 Punkte

Mit gerade einmal einem Pünktchen Rückstand (64:65) gingen die Baskets in den Schlussabschnitt, in dem erneut Koch nach knapp zwei Minuten die Führung zurückholte (67:66). Micah Downs und Tayler Persons schraubten die dann auf fünf Punkte nach oben, ehe die Braunschweiger den 7:0-Lauf der Baskets mit einer 7:0-Serie konterten und gut zweieinhalb Minuten vor Ultimo wieder mit zwei Punkten führten (73:71).

Ehe erneut Ward mit einem Lehrbuchwurf aus der Distanz und Persons mit einem Kraftakt, bei dem er gefoult wurde, dann aber den Bonusfreiwurf nicht nutzen konnte, die Baskets mit drei nach vorne brachten (76:73). 35,6 Sekunden vor dem Ertönen der Schlusssirene warf Karim Jallow die Gäste dann von der Freiwurflinie aus wieder in Führung (77:76), 17 Sekunden und zwei Freiwürfe von Tyson Ward später stand's dann 77:77 - und es ging in die Verlängerung . . .

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