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Boykottieren oder berichten? Wie die Sportredaktion der Main-Post mit der Fußball-WM in Katar umgeht

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ist keine gewöhnliche. Wie die Main-Post über das Ereignis berichten wird, erklärt Carolin Münzel, Leiterin der Sportredaktion.
2010 hat der Fußball-Weltverband Fifa Katar zum Ausrichter der WM 2022 gewählt. Seitdem reißt die Kritik am Gastgeber nicht ab.
Foto: Walter Bieri, dpa | 2010 hat der Fußball-Weltverband Fifa Katar zum Ausrichter der WM 2022 gewählt. Seitdem reißt die Kritik am Gastgeber nicht ab.

WM der SchandeWM der LügenGeheimsache Katar. So heißen einige der Dokumentationen, die im Vorfeld der an diesem Sonntag beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft erschienen sind. Ein Turnier, über das in den vergangenen Monaten so kritisch berichtet und so viel diskutiert worden ist, wie bisher wahrscheinlich über kein anderes Sportereignis. Bestechung und Betrug bei der Vergabe 2010, unmenschliche Bedingungen und zahllose Todesfälle auf den Stadion-Baustellen in Katar, Klimasünden, die Unterdrückung von Frauen und offene Homophobie in dem kleinen Emirat – all das Skandalöse und Ruchlose rund um die WM wurde inzwischen zigfach in Artikeln, Fernsehbeiträgen und Podcasts besprochen. Damit wurde wichtige Aufklärungsarbeit geleistet. Einzig den Start der WM hat es nicht verhindert.

Was dazu führt, dass auch diese Sportredaktion vor der Frage stand: Wie umgehen mit einem Weltsportereignis unter diesen Bedingungen? Unser Team bildet in dieser Diskussion wohl einen ziemlich guten Querschnitt der Gesellschaft ab. Gut findet niemand, was im Vorfeld dieser WM alles passiert ist. Im Umgang damit aber scheiden sich die Geister.

Manche Kollegen freuen sich auf die Spiele, manche schaue sie lieber nicht an

Da ist der junge Redakteur, der fast verschämt zugibt, sich nun allmählich doch auf das Turnier zu freuen; der erfahrene Kollege, der einst selbst gekickt hat und einfach nur guten Fußball sehen will, entkoppelt von politischen Diskussionen. Und natürlich die Handvoll Idealisten – mich eingeschlossen – die sich fest vornehmen, kein einziges Spiel anzuschauen, was als Sportredakteurin oder -redakteur fast unmöglich ist. Spätestens bei einem Halbfinale England gegen Deutschland würde es auch wirklich schmerzen.

Carolin Münzel ist Leiterin der Main-Post-Sportredaktion. 
Foto: Angie Wolf | Carolin Münzel ist Leiterin der Main-Post-Sportredaktion. 

Wie also eine gemeinsame Linie finden im Umgang mit der Berichterstattung in den kommenden vier Wochen? Die Redaktion hat intensiv diskutiert und sich darüber Gedanken gemacht, wie sie auf die Missstände aufmerksam machen kann, ohne den sportlichen Wert des Turniers zu schmälern und ohne den Eindruck zu erwecken, Leserinnen und Leser bevormunden zu wollen. Wir sind zu einem Ergebnis gekommen, das dem journalistischen Auftrag ebenso gerecht wird wie der Kritik.

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In Katar sind mit Tilmann Mehl und Wolfgang Stephan zwei Kollegen vor Ort, die im Rahmen der Redaktionskooperation G14 auch für die Main-Post über das sportliche Geschehen berichten werden. Zudem ist mit Frank Hellmann ein freier Mitarbeiter in dem Emirat, der das Geschehen außerhalb der Stadien und auch die Teams abseits der deutschen Nationalmannschaft im Blick haben wird.

Als regelmäßige Erinnerung daran, dass dieses Turnier ein höchst umstrittenes ist, haben wir unter dem Titel "Täglicher Boykott" eine Rubrik ins Leben gerufen, in der Menschen aus der Region erzählen werden, warum und auf welche Weise sie die Weltmeisterschaft 2022 verfolgen werden – oder eben nicht. Das soll keineswegs ein Aufruf zum Boykott sein. Jede und jeder muss selbst für sich entscheiden, ob sie oder er dieses Turnier verfolgen will oder nicht. Es gibt in dieser Frage für beide Seiten Argumente und kein Richtig oder Falsch.

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Wir laden unsere Leserinnen und Leser mit dieser Rubrik aber dazu ein, sich täglich bewusst zu machen, dass bei dieser WM vor allem im Vorfeld vieles geschehen ist, das moralisch fragwürdig und sogar widerrechtlich war. Wir tun das, damit das Kalkül der Fifa und der Kataris nicht aufgeht, Verbrechen und Bedenken mit dem Glanz des Sports zu überblenden, sobald das Turnier erst begonnen hat.

Ich persönlich freue mich auf viele inspirierende Geschichten und kreativen Protest von Menschen aus der Region – auch, weil ich fest daran glaube, dass jeder Einzelne von uns mit seinen Entscheidungen auf dieser Welt und in dieser Gesellschaft einen Unterschied macht.

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