Würzburg

Häisd'n'däisd vomm Mee hauen drauf – aber mit Abstand

Von Musikkabarett über Jazz-Avantgarde bis geistliche Chormusik: Künstlerinnen und Künstler aus Unterfranken machen aus der Corona-Not eine Tugend und legen neue Alben vor.
Häisd’n’däisd vomm mee konnten ihr neues Programm nur ein paarmal live spielen, dann kam der nächste Lockdown. Dafür gibt's jetzt die CD.
Foto: Hugo Barthel | Häisd’n’däisd vomm mee konnten ihr neues Programm nur ein paarmal live spielen, dann kam der nächste Lockdown. Dafür gibt's jetzt die CD.

Häisd'n'däisd vomm Mee probieren einiges aus – und lernen immer neue Instrumente

Das Sextett "Häisd'n'däisd vomm Mee" hat das kleine Zeitfenster im Sommer 2020 genutzt, um im Gemeindesaal von Stammheim (Lkr. Schweinfurt) sein neues Album aufzunehmen – mit Abstand, mobiler Klimaanlage und reichlich Desinfektion. Titel: "Eigentlich ghört draufghaut". Natürlich kein Aufruf zur Gewalt, wohl aber ein listiges, lustiges und virtuoses Spiel mit Reimen, Mehrdeutigkeiten und musikalischen Stilen von traditionell fränkisch bis Rap, Funk und Pop.

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Häisd'n'däisd vomm Mee hauen drauf  – aber mit Abstand
Foto: Häisd'n'däisd vom Mee

"Wir schreiben Musik und Texte selbst und probieren einfach aus, was spannend ist", sagt Trompeter Florian Ebert. "Anfangs haben alle nur ein Instrument gespielt, jetzt kann jeder drei bis fünf." Das Titellied zum Beispiel kommt zur Begleitung von Boomwhackers, den afrikanisch klingenden Plastik-Klangrohren – es listet, dem Titel zum Trotz ganz ohne Schaum vor dem Mund, jede Menge Doppelmoral auf.

Und wem noch nie aufgefallen ist, dass sich "App" auch auf "Depp" reimt, dem seien diese Textzeilen ans Herz gelegt: "Wenn ich dann poste, was ich beim Frühstück toaste, oder den Sex mit Heike der letzten Stunde like..." Normalerweise sind die Erzeugnisse der Musikkabarett-Truppe bei deren Konzerten erhältlich, nun müssen sie halt bestellt werden.

Häisd'n'däisd vomm Mee: "Eigentlich ghört draufghaut", zu bestellen unter info@haisd-n-daisd.de oder Tel. (09381) 715845

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Die Glemsers spielen Schubert – und beleuchten dessen Lieder neu

"Schubertiade am Lisztflügel", heißt das neue Album des Würzburger Klavierduos Franziska und Florian Glemser. Die Träger des Kulturförderpreises der Stadt Würzburg 2020 spielen Originalwerke und Bearbeitungen von Franz Schubert am Kammerkonzertflügel Opus Nr. 5930 der Bayreuther Klaviermanufaktur Streingraeber, baugleich mit dem letzten Instrument, das Franz Liszt spielte. 

Häisd'n'däisd vomm Mee hauen drauf  – aber mit Abstand
Foto: Organo Phon

Die Verbindung zu Liszt wird vor allem in den Lied-Bearbeitungen von Florian Glemser hörbar: Während "Erlkönig" oder "Ständchen" zwar pianistisch deutlich aufgerüstet, aber recht nah an den Originalen daherkommen, ist aus dem fast minimalistischen "Leiermann" ein orchestrales, frei interpretiertes Klanggemälde geworden – als wollte das Musikerpaar all die dunklen Gedanken erlebbar machen, die beim Hören dieser Studie der Einsamkeit entstehen können. Mutig, aber durchaus schlüssig.

Dass das Ganze nichts Bombastisches bekommt, dafür sorgt der Lisztflügel mit seinem runden, warmen Klang, die Glemsers bedienen ihn sensibel, prägnant und, wo erforderlich, mit angemessener Wucht. Tatsächlich sind beim ersten Hören die Lieder der spannendste Teil des Albums. Die anderen Werke wie das Rondo A-Dur oder die Variationen op. 35, D 813 brauchen ein wenig Zeit, bis sie ihren eher introvertierten Charme offenbaren. Nicht verpassen: den Bonustrack mit der nächtlich-irrlichternden Bearbeitung von Brahms' "Guten Abend, gut' Nacht".

Klavierduo Glemser: "Schubertiade am Lisztflügel", Organo Phon

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Michael Wollny improvisiert mit Freunden – und verlangt den Zuhörenden einiges ab

"XXXX" hört man nicht mal so nebenher, aber das gilt eigentlich für alle Michael-Wollny-Alben. Das Material entstand schon im Dezember 2019 im Berliner "A-Trane" – bei acht Live-Konzerten an vier Abenden. Die nun Ende Februar erschienene CD ist das Extrakt aus acht Stunden Material. Bis auf eine Nummer alles improvisiert von dem aus Schweinfurt stammenden Pianisten Michael Wollny, der hier zum ersten Mal ausschließlich elektronische  Tasteninstrumente verwendet, mit Emile Parisien, Sopransaxofon, Tim Lefebvre, E-Bass, und Christian Lillinger, Schlagzeug. "Vier Unikate. Ein Treffen ohne Absprachen, Kompositionen oder Arrangements", so der Pressetext.

Häisd'n'däisd vomm Mee hauen drauf  – aber mit Abstand
Foto: ACT Music

Aus freien, geräuschhaften Abschnitten schälen sich Melodien, Rhythmen übernehmen die Führung, dann färben Akkorde alles neu. Und manchmal alles gleichzeitig. Hinzu kommen verfremdete Sounds, die mal klingen, als kämen sie direkt aus der Frühzeit des Synthesizers, und dann wieder, als habe ein geheimnisvoller Algorithmus die Herrschaft übernommen. Das Paradoxe: Nichts wirkt plan- oder ziellos. Anspruchsvoll und beanspruchend. Wie gesagt: Nichts zum eben mal Reinhören. Aber wie so oft in der Musik, werden auch hier ein wenig Offenheit und Geduld belohnt.

Wollny, Parisien, Lefebvre, Lillinger: "XXXX", ACT Music

Cantabile Regensburg singt Gárdonyi – und ehrt so den Würzburger Komponisten zum 75.

Für Generationen von Studierenden an der Hochschule für Musik Würzburg war er bis zu seiner Emeritierung ein unglaublich kundiger Professor für Musiktheorie, für die weitere Musikwelt ist Zsolt Gárdonyi, Jahrgang 1946, ein Komponist vor allem geistlicher Werke, deren Nähe zur Harmonik von Impressionismus und Jazz sie auch für Laien zugänglich macht. Das Vokalensemble Cantabile Regensburg, dirigiert von Matthias Beckert, der in Würzburg auch den Monteverdichor leitet, hat ihm und seinem Vater Zoltán Gárdonyi (1906-1986), ebenfalls Komponist, zum 75. Geburtstag nun seine neue CD mit Chorwerken gewidmet.

Häisd'n'däisd vomm Mee hauen drauf  – aber mit Abstand
Foto: becord

Vater und Sohn Gárdony verbindet laut Booklet die Überzeugung, "dass die Quelle künstlerischen Wirkens nicht in Menschenhand liegt". Musik werde "nicht etwa erfunden, sondern vielmehr als ein stets überraschendes Geschenk aufgefunden". So kennzeichnet die Werke beider Tonkünstler eine Natürlichkeit, die nicht nach avantgardistischen Effekten sucht, sondern nah an den Singenden und den Zuhörenden bleibt. Die tief in der tonalen Harmonik wurzelt und ihren Reiz vor allem aus der bewussten Gestaltung der Farben und einem tiefen Sinn für die Freiheit des Atems bezieht.

Gárdonyi: "Chorwerke", becord

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