Würzburg

Weihnachtsgeld: Wie Mainfrankens Unternehmen dieses Jahr zahlen

Für viele Haushalte dürfte heuer wegen der Corona-Krise das Weihnachtsgeld besonders wichtig sein. Wie gehen Firmen und Betriebe in der Region mit den Sonderzahlungen um?
Weihnachtsgeschenke gehen ins Geld, deswegen werden heuer viele Haushalte wegen der Corona-Krise besonders froh über das Weihnachtsgeld sein.
Foto: Symbolbild Frank Rumpenhorst, dpa | Weihnachtsgeschenke gehen ins Geld, deswegen werden heuer viele Haushalte wegen der Corona-Krise besonders froh über das Weihnachtsgeld sein.

In Folge von Corona müssen viele Menschen im Moment den finanziellen Gürtel enger schnallen. Da kommt das Weihnachtsgeld gerade recht. Doch nicht jedem kommt es überall zu Gute: Nur rund die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland erhalte Weihnachtsgeld, teilte vor wenigen Tagen die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung mit.

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In der Region ist die Quote nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) noch kleiner: In Unterfranken sei die Tarifbindung von Unternehmen weniger ausgeprägt - sie beträgt hier 43 Prozent im Vergleich zu 59 Prozent deutschlandweit. Demzufolge komme nicht einmal jeder zweite Beschäftigte in den Genuss von Weihnachtsgeld, heißt es vom regionalen DGB-Geschäftsführer Frank Firsching. Außerdem gebe es tarifliche Regelungen, wonach Weihnachts- und Urlaubsgeld heuer nicht auf einmal, sondern als Ausgleich für die Krise auf Monate verteilt ausgezahlt werden.

In der Tat ist die Vorgehensweise in Mainfranken unterschiedlich, wie eine stichprobenartige Umfrage unter Unternehmen zeigt. Allen gemeinsam ist: Betriebe, die an einen Tarifvertrag gebunden sind, eine entsprechende Betriebsvereinbarung haben oder es in den Arbeitsverträgen regelten,  zahlen Weihnachtsgeld auf übliche Weise. Das passt zur Einschätzung des unterfränkischen DGB-Geschäftsführers: "Weihnachtsgeld gibt es sicher dort, wo sich Beschäftigte in Gewerkschaften organisieren und engagieren."

Ein Überblick in Fragen und Antworten.

Wie groß ist der Anteil der Arbeitnehmer in Mainfranken, die heuer Weihnachtsgeld bekommen? Und wie hoch fällt es aus?

Das ist unterschiedlich. Der Autozulieferer ZF mit 9000 Beschäftigten in Schweinfurt und der Antriebsspezialist Bosch Rexroth mit 7700 Mitarbeitern an vier mainfränkischen Standorten verweisen darauf, dass das tarifgebundene Personal wie üblich Weihnachtsgeld erhalte - gestaffelt nach Dauer der Betriebszugehörigkeit.

Bei ZF bewegt sich das zwischen 25 und 55 Prozent eines Bruttomonatsgehalts, was ein üblicher Rahmen ist. Der Großteil der Belegschaft bekomme diese Sonderzahlung, teilte ZF-Sprecher Michael Lautenschlager mit. Bei Bosch Rexroth fällt das Weihnachtsgeld heuer "aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen etwas geringer aus als im Vorjahr", so eine Sprecherin.

Anders ist die Situation beispielsweise beim IT-Dienstleister FIS in Grafenrheinfeld bei Schweinfurt. Das Unternehmen mit 800 Mitarbeitern ist nicht tarifgebunden und zahlt demnach kein Weihnachtsgeld - außer bei alten Arbeitsverträgen, die noch anderen Regelungen unterliegen.

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Wie sieht es speziell im Handel aus?

Dort ist die Quote beim Weihnachtsgeld hoch. Im Verbund von Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen mit Sitz in Rottendorf (Lkr. Würzburg) beispielsweise gibt es nach eigenen Angaben für sämtliche Mitarbeiter Weihnachtsgeld in Höhe von 50 Prozent eines Monatsgehalts, im Schnitt somit 1400 Euro. In Mainfranken gibt es 148 der Edeka-Gruppe angeschlossene Läden mit insgesamt rund 6300 Beschäftigten. Grundlage für das Weihnachtsgeld sei der bayerische Tarifvertrag für den Groß- und Außenhandel.

80 Prozent des Personals im unterfränkischen Einzelhandel erhalte Weihnachtsgeld, schätzt Jurist Ralf Jaspert vom Handelsverband HBE in Würzburg. Die Höhe liege generell bei 62,5 Prozent eines Monatsgehalts. "Daran orientieren sich auch nicht-tarifgebundene Mitglieder."

Viel Arbeit vor Weihnachten haben die Paket-Zustelldienste. Bei der Deutschen Post zum Beispiel hält man sich aber in puncto Weihnachtsgeld bedeckt. Regionale Informationen darüber gebe man nicht, ließ ein Sprecher wissen. Nur so viel: Von den bundesweit 185 000 Mitarbeitern bekämen 160 000 im Rahmen des Tarifvertrages ein 13. Monatsgehalt ausbezahlt – vorausgesetzt, das Arbeitsverhältnis hat ununterbrochen zwölf Monate lang bestanden. Die Deutsche Post hat in Mainfranken gut 2600 Mitarbeiter und betreibt unter anderem in Würzburg sowie Kitzingen große Verteilzentren. 

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Wer bekommt kein Weihnachtsgeld?

Abgesehen von jenen Beschäftigten, die mangels (Tarif-)Vertrag beim Weihnachtsgeld rausfallen, gehen vor allem Praktikanten und Minijobber laut DGB-Geschäftsführer Firsching leer aus. Auch wer noch nicht seit sechs Monaten im Betrieb ist, habe keinen Anspruch auf Weihnachtsgeld.

Im Edeka-Verbund müssen Führungskräfte und Spezialisten mit einem höheren Jahresgehalt auf Weihnachtsgeld verzichten, lautet die Antwort aus der Zentrale in Rottendorf.

Wenn es kein Weihnachtsgeld gibt: Was tun Unternehmen dennoch Gutes für ihre Mitarbeiter?

Beispiel ZF in Schweinfurt: Die außertariflich Beschäftigten bekommen Gratifikationen in nicht genannter Höhe, so dass praktisch die gesamte Belegschaft in irgendeiner Weise vor Weihnachten Sonderzahlungen erhalte, teilt Sprecher Michael Lautenschlager mit.

Wann wird heuer das Weihnachtsgeld ausbezahlt? 

Überwiegende Antwort der befragten Betriebe: mit dem November-Gehalt. Und trotz der Corona-Krise meistens in der vorgesehenen Höhe. Im Einzelhandel sei es üblich, dass das Weihnachtsgeld oft erst mit dem Dezember-Lohn oder Ende des Jahres überwiesen wird, sagt Handelsverband-Jurist Jaspert. Grundsätzlich aber mache das jeder Händler so, wie es ihm passt.

Abgesehen vom Weihnachtsgeld: Wie sieht es mit Weihnachtsfeiern aus?

Auch hierzu sind die Antworten einhellig: Wegen der Pandemie gibt es heuer keine Feiern. Hier und da werde darüber nachgedacht, statt der Weihnachtsfeier ein Frühlingsfest oder ähnliches auf die Beine zu stellen, heißt es beim Handelsverband. Aber das seien noch vage Pläne, weil nicht klar sei, wie es wegen Corona weitergeht.

Ein befragtes Unternehmen kündigte an, statt einer Weihnachtsfeier den Mitarbeitern heuer ein Geschenkpaket nach Hause zu schicken. Um die Überraschung nicht platzen zu lassen, will das Unternehmen namentlich nicht genannt werden. Die Edeka-Zentrale in Rottendorf ließ durchblicken, dass die Mitarbeiter zum Ausgleich für die abgesagten Weihnachtsfeiern "eine kleine Aufmerksamkeit des Unternehmens" erhalten werden.

Weihnachtsgeld

Der Anspruch auf Weihnachtsgeld ist nicht gesetzlich geregelt. Er kann sich für Beschäftigte aber zum Beispiel aus ihrem Arbeits- oder Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung ergeben. Auch Teilzeitbeschäftigte können - anteilig berechnet - Weihnachtsgeld erhalten.
Bei der Gestaltung des Weihnachtsgeldes sind Arbeitgeber generell an den Grundsatz der Gleichbehandlung gebunden. In begründeten Fällen können demnach auch nur bestimmte Beschäftigte eines Unternehmens in den Genuss dieser Sonderzahlungen kommen - etwa, wenn sie aufgrund ihrer Qualifikation besonders an das Unternehmen gebunden werden sollen.
Zwischen 30 und 100 Prozent eines Monatslohnes beträgt das tariflich vereinbarte Weihnachtsgeld je nach Branche oder Betrieb, wie Unterfrankens DGB-Geschäftsführer Frank Firsching erklärt. In der Leiharbeit seien statt prozentualer Zahlungen Festbeträge zwischen 150 und 300 Euro üblich.
dpa/aug
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