Haßfurt

Die Geduld fährt mit – Fahrschulen in der Pandemie

Viele Führerscheinanwärter müssen derzeit Geduld haben. Weil die Fahrschulen in den vergangenen Monaten nicht durchgehend ausbilden durften, gibt es einen 'Stau'. Das merkt auch Fahrlehrer Harald Pascher (rechts).
Foto: Günther Geiling | Viele Führerscheinanwärter müssen derzeit Geduld haben. Weil die Fahrschulen in den vergangenen Monaten nicht durchgehend ausbilden durften, gibt es einen "Stau". Das merkt auch Fahrlehrer Harald Pascher (rechts).

Den Führerschein zum 18. oder gar schon zum 17. Geburtstag in den Händen zu halten, war für viele schon immer ein Wunschtraum. In den vergangenen Monaten war dies aber ein schwieriges Vorhaben, zumal die Fahrschulen in den Lockdowns teilweise nicht ausbilden durften. Sie standen mit ihren Fahrschülern zwar nicht im Verkehrsstau, aber im Stau bis zur Führerscheinprüfung, der sich bis heute noch nicht aufgelöst hat.

Zwar kann man in der Fahrschule auch aufs Gas treten, aber die Zeit für die Ausbildung und für die Fahrten in der Praxis kann man nicht aufholen und deswegen gibt es derzeit auch noch in den Fahrschulen des Landkreises Haßberge Rückstände vom Lockdown.

Einen solchen Andrang hat die Fahrschule Pascher noch nie erlebt

Die Fahrschule Pascher in Ebern gibt es seit 1975 und sie ist eigentlich ein reiner Familienbetrieb von Harald Pascher mit Schwester sowie Schwager und einer Zweigstelle in Maroldsweisach. "Natürlich sind wir froh, dass wir endlich wieder fahren und ausbilden dürfen. Aber der Andrang ist schon extrem, so etwas haben wir seit 30 Jahren nicht erlebt. Wir fahren, was machbar ist. Aber mehr als fahren können wir nicht", beschreibt Harald Pascher die derzeitige Situation.

Ohne Zweifel gehören die Fahrschulen zu den systemrelevanten Bereichen, denn sie haben den öffentlichen Auftrag, junge Menschen für den Straßenverkehr fit zu machen. Umso mehr bedauerte Familie Pascher es, dass der Lockdown in Bayern auch die Fahrschulen zum Stehen brachte, während in anderen Bundesländern, wie in Hessen, theoretischer und praktischer Unterricht möglich war. Seit dem 22. Februar ist dies auch in Bayern wieder erlaubt. Nun bräuchte man allerdings doppelt so viele Fahrlehrer, um den Ansturm von Interessenten zu bewältigen. 

Um die Erhöhung der Verkehrssicherheit ging es bei einem Projekt an der Heinrich-Thein-Berufsschule in Haßfurt, bei dem sich die Fahrschulen gemeinsam einbrachten, (von links): Roland Richter (Fahrschule Frank), Jürgen Baudisch (damals FS Schäfer, jetzt FS Frank), Elke Baier und Harald Pascher (FS Pascher) sowie Holger Endres (FS Endres).
Foto: Günther Geiling | Um die Erhöhung der Verkehrssicherheit ging es bei einem Projekt an der Heinrich-Thein-Berufsschule in Haßfurt, bei dem sich die Fahrschulen gemeinsam einbrachten, (von links): Roland Richter (Fahrschule Frank), ...

Noch mehr beschäftigt die Fahrlehrer aber der tägliche Umgang mit den Fahrschülern. Fahrlehrer fallen nicht unter die priorisierten Personen, sie wurden auch nicht nachträglich nach oben gesetzt und werden deshalb nicht früher geimpft, obwohl sie jeden Tag mit ihren Kunden unterwegs sind. "Während die Grundschullehrer geimpft wurden und dabei jetzt teilweise gar keinen Präsenzunterricht haben, sind wir täglich auf engstem Raum mit unseren Fahrschülern und werden nicht geimpft", sagt Harald Pascher. Dabei liege das Durchschnittsalter bei den Fahrlehrern bei 54 Jahren.

Es hat sich einiges aufgestaut, jeder will jetzt Führerschein machen

Auch Holger Endres mit seiner Fahrschule in Hofheim spricht von einem "Bauch, den wir vor uns herschieben und abzuarbeiten versuchen, in der Hoffnung, dass dabei keiner von Corona betroffen wird." Die Situation sei im letzten halben Jahr unzufriedenstellend gewesen, weil man ab Dezember schließen musste, während anderswo dies nicht der Fall gewesen sei. "Deswegen hat sich einiges aufgestaut. Jetzt will jeder seinen Führerschein machen", bestätigt auch er.

Derzeit dürfe man unabhängig vom Inzidenzwert weiter ausbilden, aber man tue dies auch in großer Verantwortung und unter Einhaltung der entsprechenden Hygienevorschriften. Dazu zählen regelmäßige Stopps und frische Luft bei den Fahrten und die Desinfektion von Schaltknopf und Lenkrad.

Holger Endres sehnt nichts mehr herbei als den Tag, an dem die Inzidenzzahlen nach unten gehen und man wieder zu einem normalen Leben zurückkehren könne. "Es ist nämlich kein Vergnügen, den ganzen Tag unter der Maske zu schulen". Am Abend habe er oft Kopfschmerzen.

Zeitweise auch ein Ausbildungsverbot für Erste-Hilfe-Kurse

Auch die Führerscheinanwärter stehen bei ihrer Ausbildung unter Druck, denn normalerweise muss innerhalb eines Jahres nach Bestehen der Theorieprüfung auch die praktische Prüfung absolviert werden, sonst verliert die theoretische Prüfung ihre Gültigkeit. Zum Glück habe der Gesetzgeber gehandelt und alle bis zum 31. März ablaufenden Fristen um sechs Monate verlängert.

Für einen Führerschein benötigt man außerdem einen erfolgreichen Erste-Hilfe-Kurs. Auch damit hatte so mancher Prüflinge seine Probleme, denn auch hier hat es im Laufe der Pandemie und vor allem in der ersten Welle ein Ausbildungsverbot gegeben. Wie Ingrid Böllner, die Leiterin der Servicestelle, betont, erfordere die Ausbildung unter Pandemiebedingungen einen erheblichen Aufwand für Ausbilder und Teilnehmer.

Man habe auf diese Situation reagiert und es gebe wieder durchgehende Kurse, wenn auch in reduzierter Anzahl. Man bilde sogar an Sonn- und Feiertagen aus. Aktuell benötige man dazu einen negativen Schnelltest. Man sei hier aber auch von ehrenamtlichen Ausbildern abhängig. Auf der Homepage des BRK (www.kvhassberge.brk.de) könne man sich informieren und anmelden, so Böllner.

Fazit: Die Führerscheinanwärter müssen derzeit Geduld aufbringen, brauchen aber die Hoffnung nicht aufzugeben. Wie die Fahrschullehrer unisono bestätigen, tun sie alles, um ihre Anwärter nicht zu verlieren und bieten etwa den theoretischen Unterricht im Schichtbetrieb an. Der Stau werde sich also auflösen und die Fahranwärter, wenn auch nicht so schnell wie sonst, ihr Ticket in die große Freiheit in Empfang nehmen können.

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