Breitbrunn

Gemeinderat Breitbrunn stoppt „Erlebniswelt Fränkischer Sandstein“

 Ist der Traum der „Erlebniswelt Fränkischer Sandstein“ zerplatzt wie das Steingesicht des „Präsidenten Snow“, das noch im ehemaligen Steinbruch zu sehen ist? Ja, wenn es nach dem Mehrheitsbeschluss des Breitbrunner Gemeinderates geht. 
Foto: Günther Geiling |  Ist der Traum der „Erlebniswelt Fränkischer Sandstein“ zerplatzt wie das Steingesicht des „Präsidenten Snow“, das noch im ehemaligen Steinbruch zu sehen ist?

Auf der Zielgeraden stoppte der Gemeinderat von Breitbrunn überraschenderweise das über eine Million teure Projekt „Erlebniswelt Fränkischer Sandstein“. Vor allem die Dimensionierung des Vorhabens, die erneute Kostensteigerung, die späteren vagen Unterhaltungskosten und auch die anscheinend fehlende Unterstützung durch die Bürger führten zu einer sehr regen Diskussion, die in den Beschluss einmündete, dass das Gremium die weitere stufenweise Beauftragung des Architektenbüros mit 6:7 Stimmen ablehnte.

Bürgermeisterin Ruth Frank meinte zu Beginn der Sitzung, sie freue sich auf den Abend, „egal wie wir uns entscheiden. Vielleicht ist es auch keine einfache Entscheidung. Wir reden über ein Stück Identifikation unseres Ortes. In der gegenwärtigen unsicheren Zeit kann das jetzt auch Hoffnung bedeuten. Das Projekt ist für unsere Bürger und ein Platz, wo wir Gemeinschaft erleben können.“

Die Baugenehmigung liegt vor

Seit sie im Amt sei, habe sie sich auch mit den Kosten befasst, die höher als geplant seien. „Der Haushalt gib es her. Nun gilt es zu klären, ob ihr das Projekt wollt.“ Menschen würden derzeit Natur und Erholung suchen, das könne man mit dem Projekt bieten. Außerdem könne die Gemeinde auf Dauer attraktiv bleiben. "Wir haben die Baugenehmigung und könnten loslegen.“

Blick in das Gelände, in dem die 'Erlebniswelt Fränkischer Sandstein“ entstehen sollte.
Foto: Günther Geiling | Blick in das Gelände, in dem die "Erlebniswelt Fränkischer Sandstein“ entstehen sollte.

Die bisherige Bürgermeisterin Gertrud Bühl hielt ein glühendes Plädoyer für das Projekt, das man schon seit 2010 verfolge und über das sie insbesondere die neun neuen Gemeinderäte informieren wolle. Das Vorhaben bezeichnete sie als „Projekt für unsere Bürger. Es zeigt unsere Vergangenheit auf, was den Ort geprägt hat und ist zukunftsorientiert", ehe sie die Planungen mit Steinhauervilla, Bühne, Boulderstrecke und den anderen Einrichtungen vorstellte.

Gertrud Bühl erinnerte sie an den Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2018. Damals sei der Bau für 862 364 Euro beschlossen worden, für die Gemeinde Breitbrunn war ein Eigenanteil von maximal 100 000 Euro vorgesehen. Eine neue Kalkulation habe nun einen Betrag von  1 011 500 Euro ergeben. 

Es klafft eine finanzielle Lücke

Martin Graser, Vorsitzender des Fördervereins "Erlebniswelt Fränkischer Sandstein" und Geschäftsführer des Natursteinwerks Graser, erinnerte daran, dass das Thema schon zehn Jahre am Ratstisch behandelt werde, womit nicht zu rechnen gewesen sei. Er berichtete davon dass für die Parkplätze jetzt noch eine Busspur gefordert worden sei, was die Kosten erhöht habe. Er persönlich bewertete die neue Kostenschätzung als zu hoch, könne aber dennoch die Ausschreibungsergebnisse schwer abschätzen. Das Projek „ist auf der Zielgeraden, ich wünsche weiterhin Mut aufzubringen, auch wenn noch nicht alles geklärt ist". Da spielte er vor allem auch die finanzielle Lücke an, die durch Spenden gedeckt werden sollte. 

Frank Fella bewegte die Frage, ob die Gemeinde die Sandsteinwelt finanziell stemmen könne. „100 000 Euro war für mich die Schmerzgrenze“, sagte er, eine geringfügige Steigerung wäre "noch akzeptabel". Dass jetzt 400 000 Euro verbleiben, "hat uns alle geschockt.“

Die Jugend bleibt außen vor

Georg Kundmüller erinnerte ebenfalls an den Gemeinderatsbeschluss von 2018. Selbst wenn noch 100 000 Euro Spenden abgingen, blieben immer noch 300 000 Euro. Zudem befürchtete er, dass die Bürger nicht hinter dem Projekt stehen: „Viele wollen es nicht. Sollten wir deswegen nicht die Breitbrunner Bürger fragen, ob sie es wollen?“  Zudem befürchtete er, das die Immissionsschutzauflagen den Betrieb einschränken würden, maximal 200 Besucher zugelassen seien und nach 21.30 Uhr kein Ausschank möglich sei. Die Jugend, die erst nach dieser Zeit überhaupt erst weggehe, werde dadurch außen vor gelassen.  Martin Graser kritisierte, dass die Genehmigungsbehörde ein Jahr gebraucht habe, um ihre Einwände niederzuschrieben. 

Hier sollte die alte Steinhauervilla entstehen.
Foto: Günther Geiling | Hier sollte die alte Steinhauervilla entstehen.

Für Cynthia Derra war es nicht ersichtlich, welche Kosten auf die Gemeinde im laufenden Betrieb wirklich zukommen. Für sie war der angesetzte Betrag von 5000 Euro jährlich nicht stimmig. „Ist schon die Investition der Gemeinde mit 400 000 Euro oder 300 000 Euro sehr viel, bleiben uns die Betriebskosten und die Frage, ob das für uns auf Dauer leistbar ist", sagte sie. Der Dimension dieses Projektes könne sie nicht zustimmen. Anna Reich stellte die Frage, ob man ein abgespecktes Programm angehen könnte.

Margit Lang hob hervor, dass außer den Investitionskosten noch Unterhaltungskosten hängenbleiben. Und wenn eingeplante Veranstaltungen ausfielen, könnten die sich weiter steigern. Kopfschmerzen bereiten ihr die "vagen Aussagen, ob die Spenden kommen oder nicht.“

Gibt es immer genug ehrenamtliche Helfer? 

Thomas Schlee meinte, dass er sich nicht ausreichend informiert fühle, wie die Kostensteigerung für die Gemeinde von 100 000 auf 400 000 Euro entstanden sei.  Manfred Wolf vertrat die Meinung, dass es nichts bringe, den Bürger zu fragen. „Viele Leute haben keine Ahnung und eine Vorstellung davon, was dort geplant ist.“ Natürlich stünde man jetzt vor erhöhten Kosten und von den Einschränkungen durch das Landratsamt habe man auch nichts gewusst. „Aber ich gehe davon aus, dass man diese auch ändern kann.“ Stefan Greul befürchtete, dass es langfristig zu wenige ehrenamtlich Tätigen gebe, um das Projekt lebendig zu halten. 

Zur finanziellen Situation nahm Geschäftsleiter Matthias Klauda von der VG Ebelsbach Stellung und erläuterte, dass die Zahl 400 000 Euro die Summe sei, die schlimmstenfalls an der Gemeinde hängen bleiben könnte. 

Ohne Förderung keine Chance

Bürgermeisterin Ruth Frank verwies darauf, dass bei einer Ablehnung auch Fördergelder verlorengingen. „Ich will nicht über die Bürger hinweg entscheiden. Aber die wenigsten können selbst entscheiden, was hier geschehen soll und was es für ein Vorteil ist. Es geht um mehr, um die Bedeutung von Breitbrunn. Wir haben die Chance, ein Projekt zu verwirklichen, das wir ohne Förderung nicht könnten.“

Nach der ausgiebigen Diskussion rief sie zu einer Entscheidung auf. Die fiel mit der denkbar knappsten Entscheidung von 6:7 Stimmen gegen die Weiterführung und Beauftragung des Architekturbüros mit den nächsten Leistungsstufen aus - das Projekt „Erlebniswelt Fränkischer Sandstein“ ist damit Geschichte. 

Die Einfahrt zum ehemaligen Steinbruch, wo rechts eine Walze und ein Schleifstein auf den ehemaligen Sandsteinabbau und seine Verwendung hinweisen.
Foto: Günther Geiling | Die Einfahrt zum ehemaligen Steinbruch, wo rechts eine Walze und ein Schleifstein auf den ehemaligen Sandsteinabbau und seine Verwendung hinweisen.
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