Haßfurt

Haßberg-Kliniken: Sie kriegen erneut eine Finanzspritze

Kreisausschuss Haßberge beschließt außerplanmäßigen Betriebskostenzuschuss in Höhe von knapp 560 000 Euro. Das Jahresdefizit 2019 wird 3,3 Millionen wohl überschreiten.
Das Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken. Noch ist das Geschäftsjahr 2019 nicht abgeschlossen, aber es gilt als sicher, dass das prognostizierte Defizit von 3,363 Millionen Euro auch eintreten wird.
Foto: Martin Sage | Das Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken. Noch ist das Geschäftsjahr 2019 nicht abgeschlossen, aber es gilt als sicher, dass das prognostizierte Defizit von 3,363 Millionen Euro auch eintreten wird.

Selbst Sozialdemokraten wie Karl Lauterbach, prominentestes Gesicht der deutschen Gesundheitspolitik, sehen wegen zu großer Qualitätsunterschiede der Kliniken zu viele kleine Krankenhäuser in Deutschland. Andererseits läuft seit Juni die Online-Petition "Stoppt das Krankenhaussterben auf dem Lande" mit über 50 000 Unterstützern. Zwei Pole, die ahnen lassen, in welch schwierigem Umfeld sich die Haßberg-Kliniken bewegen. In der Tat erhält das Kommunalunternehmen jetzt eine neue knapp 560 000 Euro dicke Finanzspritze des Landkreises, sprich einen weiteren Zuschuss zur Deckung des Betriebskostendefizits für das Jahr 2019.

Sorge um die Liquidität

Dabei kann jetzt im November noch gar nicht feststehen, wie die Bilanz von 2019 am Ende des Geschäftsjahres ausfallen wird. Im "geplanten Ergebnis" ist ein Defizit von 3,363 Millionen Euro vermerkt. Eine Verbesserung gegenüber dem Wirtschaftsplan sei jedoch nicht zu erwarten, erklärte Marcus Fröhlich am Montag im Kreisausschuss. Der Kreiskämmerer fürchtet um die Liquidität der Haßberg-Kliniken, die seit 2012 Jahr für Jahr Verluste im Millionenbereich einfahren.

Betriebskostenzuschüsse: Fester Posten im Kreishaushalt

Landkreise und kreisfreie Städte müssen die Krankenhausversorgung ihrer Bürger sicherstellen. Und sie sind verpflichtet, Verluste ihrer Krankenhäuser innerhalb von fünf Jahren auszugleichen, sofern dies nicht aus Rücklagen der Unternehmen möglich ist. Aufgrund der unübersehbar schwierigen Entwicklung wartet der Landkreis Haßberge allerdings keine fünf Jahre ab: Seit 2014 sind in jedem Haushaltsjahr Mittel zur unmittelbaren Deckung der Betriebskostendefizite vorgesehen, so genannte Betriebskostenzuschüsse (BKZ). Die BKZ betrugen 2016 laut Kämmerei 3,75 Millionen Euro, das tatsächliche Defizit belief sich in diesem Jahr auf 3,87 Millionen Euro. Ein Jahr später standen die Haßberg-Kliniken mit 4,17 Millionen Euro in der Kreide und bekamen einen Zuschuss von 3,44 Millionen Euro. 2018 erreichte das Defizit 3,29 Millionen Euro, die BKZ summierten sich auf 2,77 Millionen Euro. 

Zuschuss aus Bedarfszuweisungen und "Sanierungsgeld"

Die für das noch laufende Geschäftsjahr angesetzten Betriebskostenzuschüsse in Höhe von 2,10 Millionen Euro sind bereits ausgeschöpft. Die Liquidität bis Jahreswechsel sei jedoch anderweitig gesichert, hieß es im Kreisausschuss, etwa durch Kassenkredite. Dass jetzt außerplanmäßig eine weitere "Infusion" möglich ist, hat laut Fröhlich zwei Gründe: Im Haushaltsplan 2019 des Landkreises stehen noch knapp 360 000 Euro für Gebäudesanierungen, deren Umsetzung sich aber verzögert, ohne dass die Mittel ins nächste Haushaltsjahr übertragen werden könnten. Und der Landkreis hat 700 000 Euro als Bedarfszuweisung des Freistaates erhalten, das waren 200 000 Euro mehr als erwartet. Dieses Plus fließt nun nach einstimmigem Beschluss im Kreisausschuss zusammen mit der oben erwähnten einstweiligen Ersparnis bei den Baumaßnahmen als weiterer Betriebskostenzuschuss an die Haßberg-Kliniken, die exakte Summe beträgt 558 329,18 Euro.

Sie stehen noch aus: Zuschüsse für Geburtenabteilung

Es gibt, was die Haushaltszahlen anbelangt, aber auch kleine Lichtblicke. So rechnen die Haßberg-Kliniken für das Jahr 2019 noch mit einer Förderung der Geburtenabteilung in Höhe von "vorsichtig geschätzt" 750 000 Euro, es könnten aber auch 900 000 Euro werden, wie Landrat Wilhelm Schneider bemerkte. Allerdings werde die Summer wohl erst Ende 2020 zur Auszahlung kommen. 2018 betrug das Defizit der Geburtenabteilung rund 1,45 Millionen Euro.

Klinikchef Kolck relativiert Lauterbach

Zurück zu Karl Lauterbach und den kleinen Krankenhäusern. Der sei bis 2013 im Aufsichtsrat des Großkonzerns Rhön-Klinikum AG gesessen und habe deshalb seine ganz eigene Sicht auf die Krankenhauslandschaft, meinte am Dienstag Stephan Kolck, scheidender Vorstandsvorsitzender der Haßberg-Kliniken, im Gespräch mit dieser Redaktion. Und wenn es wirklich zu viele kleine Krankenhäuser gebe, dann sicher nicht auf dem Land, sondern in den großen Ballungszentren.

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