Untermerzbach

Ministerium: "Vielversprechende Ansätze" in Döhlers Stall

In Bonn und Berlin kennt man das Konzept aus Untermerzbach für die Schweinemast und hält es für realisierbar. Probleme sieht die Politik in der Weiterbehandlung des Kotes.
Der Traum für Tier und Verbraucher, der mit der Wirklichkeit nicht allzu viel zu tun hat: Eine Schweinehaltung, bei der sich die Borstentiere sauwohl fühlen. Das Bild wie aus der 'guten alten Zeit' zeigt ein Schwalbenbäuchiges Wollschwein im Freilandmuseum Bad Windsheim.
Foto: Martin Sage | Der Traum für Tier und Verbraucher, der mit der Wirklichkeit nicht allzu viel zu tun hat: Eine Schweinehaltung, bei der sich die Borstentiere sauwohl fühlen.

Der Untermerzbacher Agraringenieur Helmut Döhler ist kein unbekannter Erfinder im stillen Kämmerlein. Er ist als Experte für Umweltschutz und Umwelttechnik in der Landwirtschaft anerkannt und hat auch das Bundesumweltministerium schon beraten. Auch beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) kennt man von verschiedenen Fachvorträgen her sein Stallkonzept. "Das System kombiniert nach unseren Informationen verschiedene bekannte und aus unserer Sicht vielversprechende Ansätze zur Steigerung des Tierwohls und der Emissionsminderung im Stall mit einer Behandlung und Verwertung der Exkremente", hieß es Mitte der Woche auf Anfrage dieser Redaktion hin aus dem Hause von Ministerin Julia Klöckner (CDU).

Urinstabilisierung: Ohne größeren technischen Aufwand machbar

Der verfolgte Ansatz, Kot und Urin zu trennen und Hemmstoffe (sogenannte Ureasehemmer) einzusetzen, um Ammoniak-Emissionen zu vermindern, könne eine wirksame Maßnahme sein, betonte eine Ministeriumssprecherin. Sie verwies auf weitere auf diesem Grundprinzip beruhende Techniken, die derzeit in dem Verbundvorhaben "Emissionsminderung Nutztierhaltung" (EmiMin) unter Koordinierung des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) untersucht würden. Die Stabilisierung des Urins ohne größeren technischen Aufwand und die Gewinnung von Nährstoffsalzen durch Fällungsreaktion hält das BMEL für realisierbar.

Bundeslandwirtschaftsministerin, hier Ende September im Deutschen Bundestag. Ihr klares Ziel sei es, die Ställe in Deutschland tierwohlgerecht umzubauen, heißt aus ihrem Haus.
Foto: Jörg Carstensen | Bundeslandwirtschaftsministerin, hier Ende September im Deutschen Bundestag. Ihr klares Ziel sei es, die Ställe in Deutschland tierwohlgerecht umzubauen, heißt aus ihrem Haus.

Die Verwertung des Kotes in einer Biogasanlage bezeichnet das Ministerium als "technisch etabliert". Falls keine Biogasanlage auf dem Betrieb vorhanden ist, müsste der Kot allerdings zwischengelagert und transportiert werden. Im Sinne des Emissionsschutzes hält Klöckners Ressort eine Trocknung nur dann für fortschrittlich, wenn eine kosten- und CO2-neutrale Wärmequelle zur Verfügung steht.

Verwertung der Fest- und Dickphasen "meist noch ungeklärt"

Die von Helmut Döhler in Aussicht gestellten Emissionsminderungen gegenüber einem "zwangsgelüfteten Stall ohne Abluftbehandlung" hält man in Bonn und Berlin für theoretisch möglich. In der Weiterbehandlung des Kots teile das Konzept allerdings die Probleme der meisten Konzepte für Gülleaufbereitung: "Eine effiziente Nährstoffrückgewinnung ist in der Regel nur für die Flüssigphasen möglich. Die Verwertung der Fest- und Dickphasen bzw. der daraus resultierenden Produkte ist meist noch ungeklärt", hielt eine Ministeriumssprecherin fest.

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Das BMEL bezeichnete es als klares Ziel von Ministerin Klöckner, die Tierhaltung in Deutschland tierwohlgerecht umzubauen. Mehr Platz im Stall, mehr Auslauf, Tageslicht und Frischluft koste aber Geld, die Tierhalter bräuchten hier einen verlässlichen Finanzierungspfad. Die Sprecherin weist auf die von Klöckner eingesetzte Borchert-Kommission hin, die ermittelt, welche Tierwohlstandards bis wann erreicht werden können und welche Kosten dafür anfallen und spricht von einem "milliardenschweren und langfristigen Konzept".

Mehr Geld und weniger Bürokratie für Landwirte

Schon jetzt habe das Ministerium zahlreiche Maßnahmen ergriffen, wie die 300 Millionen Euro, die 2020 und 2021 für den Umbau der Ställe zur Verfügung stehen, die Änderung des Baurechts im Sinne von weniger Bürokratie oder die Einführung des dreistufigen Tierwohlkennzeichens für Schweine.

Schweinemast in Deutschland

In Deutschland gibt es nach einer Bestandserhebung vom Mai 2020 rund:
17000 Betriebe mit Mastschweinen, in denen etwa 11,1 Millionen Tiere gehalten wurden;
Aus den Zahlen oben ergibt sich eine Durchschnittsbestand von 650 Schweinen pro Betrieb;
Im Landkreis Haßberge wurden 2019 in 139 Betrieben knapp 21 000 Mastschweine gezüchtet; die durchschnittliche Bestandszahl lag bei 150 Tieren pro Betrieb. 7 Betriebe hielten mehr als 800 Schweine. 2014 hatte es noch 253 Betriebe mit über 27 000 Mastschweinen gegeben;
Die deutsche Nettoerzeugung von Schweinefleisch betrug 2019 knapp 5,2 Millionen Tonnen Schlachtgewicht
Davon wurden fast 2,4 Millionen Tonnen an Fleisch, Fleischwaren und Konserven von Schweinen exportiert; zudem aber 1,1 Millionen Tonnen importiert;
Gemessen am Wert der Exporte von rund 6,5 Milliarden Euro gingen 2019 70 Prozent in Länder der EU (Italien 792 Millionen Euro, Vereinigtes Königreich 460, Niederlande 428, Polen 407);
Unter den Drittländern war China mit Abstand das wichtigste Bestimmungsland mit Exporten im Wert von knapp 1,2 Milliarden Euro.
Quelle: Bundeslandwirtschaftsministerium/Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt 
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