Zeil

Weine aus dem Maintal 2020: Ein kleiner aber feiner Jahrgang

Winzer aus dem Abt-Degen-Weintal erzählen, was sie sich vom diesjährigen Wein erwarten. Dabei wird klar: Langfristig müssen auch sie sich auf den Klimawadel einstellen.
Jürgen Berninger probiert seinen Weinjahrgang 2020. Mit der Qualität ist er sehr zufrieden, mit der Menge dagegen nicht: In diesem Jahr sind längst nicht alle Fässer in seinem Keller gefüllt.
Foto: Peter Schmieder | Jürgen Berninger probiert seinen Weinjahrgang 2020. Mit der Qualität ist er sehr zufrieden, mit der Menge dagegen nicht: In diesem Jahr sind längst nicht alle Fässer in seinem Keller gefüllt.

Große Mengen an Wein gab es in diesem Jahr nicht für die Winzer im Landkreis Haßberge. "Die Eisheiligen haben hunderprozentig reingehaut", fasst es der Winzer Jürgen Berninger aus Ziegelanger den Frost zusammen, der vor allem in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai Trauben und Weinstöcke erfrieren ließen. Die Ausbeute ist dementsprechend gering. Was dagegen die Qualität angeht, versprechen sich die Winzer sehr viel vom Wein aus dem Jahr 2020. "Vom Klima her wäre es ein sehr gutes Weinjahr gewesen – wenn der Frost nicht gewesen wäre", meint Oliver Gottschalk aus Sand. So sei das Ergebnis ein "kleiner aber feiner Jahrgang".

Oberschwappach hat es voll erwischt

Wie stark der Frost im Mai zugeschlagen hat, war von Lage zu Lage unterschiedlich. Gottschalk hat sowohl Weinberge in Sand als auch in Oberschwappach und berichtet, dass die Frostschäden in Sand geringer ausgefallen sind. In Oberschwappach seien ihm vor allem Müller-Thurgau und Bacchus erfroren, "beim Silvaner hatten wir noch einen kleinen Teilerfolg". Hier war es die zweite Generation, die noch einiges zu retten vermochte: Auch wenn der Haupttrieb abgestorben ist, können sich Nebentriebe entwickeln, an denen noch einmal Trauben wachsen, die dann später reifen als die der ersten Generation. 10 bis 15 Prozent einer normalen Ernte sei so noch zusammengekommen, "das war aber dann alles spitzenmäßig".

Oliver Gottschalk begutachtet die Pflanzen in seinem Weinberg.
Foto: Peter Schmieder | Oliver Gottschalk begutachtet die Pflanzen in seinem Weinberg.

Gottschalks Sander Weinberge waren unterschiedlich stark betroffen. Der "Sander Kronberg", der an einer Steillage wächst, die von Wald umgeben ist, habe den Frost "ganz gut weggesteckt". Der Wald habe den Frost "etwas abgehalten", so dass die Ausbeute bei circa 70 Prozent lag. Schlechter sah es für den "Sander Himmelsbühl" aus, der auf den Weinbergen neben der Maintalautobahn wächst. "Den hat es zu 70 Prozent erwischt."

Schäden werden erst nach zwei Tagen richtig sichtbar

Etwas besser ging es den Winzern auf der anderen Mainseite. "Wir hatten heuer ungefähr 50 Prozent von 2019", erzählt Jürgen Berninger, der Weinberge in Steinbach und Ziegelanger hat. "Es gibt Winzer, die sagen, sie hatten noch mehr Schäden. Andere sagen, es war ein Ertrag wie 2019", verdeutlicht er, dass die Ausbeute von Weinberg zu Weinberg sehr unterschiedlich ausfallen konnte.

Im Weinberg von Jürgen Berninger in Ziegelanger hängen noch Trauben der dritten Generation. Für Wein wären sie nicht mehr zu gebrauchen, die Fäule ist schon deutlich zu erkennen. Der Frost im Frühjahr hatte die Haupttriebe absterben lassen, wodurch die Pflanzen mehr Energie in die später reifenden Nebentriebe steckten.
Foto: Peter Schmieder | Im Weinberg von Jürgen Berninger in Ziegelanger hängen noch Trauben der dritten Generation. Für Wein wären sie nicht mehr zu gebrauchen, die Fäule ist schon deutlich zu erkennen.

So seien es zwei aufeinanderfolgende kalte Nächte im Mai gewesen, die den Trauben massiv zugesetzt haben. "Die erste Nacht hat noch nicht so viel gemacht, aber die zweite hat dann richtig reingehauen." Dabei erzählt er, dass nach einer solchen Frostnacht erst einmal Warten angesagt ist: "Man kann am nächsten Tag die Schäden noch nicht richtig sehen", sagt er. Erst einen oder zwei Tage später sei dann wirklich zu erkennen, was die Kälte bei den Pflanzen angerichtet hat.

Weinqualität verspricht einen "super Jahrgang"

Auch Berninger berichtet, dass Winzer durch die Frostschäden im Frühjahr auch stark auf die Trauben der zweiten Generation setzen mussten. Schwierig wird es allerdings, wenn von der ersten Generation ein Teil überlebt hat und andere Trauben in der zweiten Generation nachkommen. Denn eigentlich müssten die Trauben der verschiedenen Generationen unter diesen Umständen zu verschiedenen Zeitpunkten geerntet werden, in eine Abstand von rund drei Wochen. Doch selbst für einen erfahrenen Winzer sei es am Aussehen kaum zu erkennen, welche Trauben zu welcher Generation gehören. Zwar lasse sich der Unterschied am Geschmack feststellen, "aber du kannst ja nicht jede probieren".

An dieser Stelle ist die Pflanze erfroren: Links ist der verkümmerte Haupttrieb zu sehen, der die Eisheiligen nicht überlebt hat. Dafür ist auf der rechten Seite ein starker Nebentrieb gewachsen, an dem dann – wenn auch etwas später – die Trauben reiften.
Foto: Peter Schmieder | An dieser Stelle ist die Pflanze erfroren: Links ist der verkümmerte Haupttrieb zu sehen, der die Eisheiligen nicht überlebt hat.

Beringers Lösung war daher, so lange zu warten, wie es die erste Generation "gerade noch aushält", und dann alles abzuernten. So sei "trotzdem noch eine gute Qualität" herausgekommen: "Die Traubenqualität war super, es gab keine Fäule." Ähnlich wie Gottschalk ist auch er überzeugt: "Von der Weinqualität her wird das ein super Jahrgang." So erwartet er von diesem Jahr sehr fruchtige Weine. Auch Oliver Gottschalk sagt: "Der Verbraucher kann sich auf einen sehr guten Wein einstellen." Die Qualität sei ähnlich wie die von 2019, nur die Menge sei eben wesentlich geringer. "Wir hoffen, dass wir 2021 besser durchkommen. Einen Jahrgang kann man mal verschmerzen, aber zwei?"

Oliver Gottschalks Weinberg nahe der Autobahn: Hier, am Himmelsbühl, sorgte der Frost für Einbußen von rund 70 Prozent.
Foto: Peter Schmieder | Oliver Gottschalks Weinberg nahe der Autobahn: Hier, am Himmelsbühl, sorgte der Frost für Einbußen von rund 70 Prozent.

Übereinstimmend mit den beiden heimischen Winzern berichtet auch Josef Engelhart, Weinbautechniker bei der bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim, dass es im Landkreis Haßberge in diesem Jahr durch den Frost große Ertragseinbußen gegeben habe, dass die Weine dieses Jahrgangs aber eine sehr gute Qualität hätten. Auch für Rotweine sei es ein guter Jahrgang, was Farbe und Aroma angeht.

"Den Klimawandel merkt man auf jeden Fall"

Bei all der Freude über einen zumindest von der Qualität her sehr guten Weinjahrgang erwähnt Oliver Gottschalk allerdings auch ein größer werdendes Problem: Die Trockenheit. Nach mehreren trockenen Jahren in Folge sagt er: "Man merkt, dass den Trauben die Feuchtigkeit fehlt." Er habe darauf mit Tröpfchenbewässerung reagiert, doch es sei abzusehen, dass die trockenen Böden in Zukunft noch zu einem größeren Thema werden.

Zwar sei ihm klar, dass ein einzelnes Jahr noch keine Aussagekraft habe, dennoch ist für Gottschalk nach der Beobachtung über die Jahre hinweg klar: "Den Klimawandel merkt man auf jeden Fall." Das sei auch daran zu erkennen, dass sich der Zeitpunkt für die Weinernte immer weiter nach vorne verschiebt - seit der Zeit seiner Großeltern um etwa zwei bis drei Wochen.

Die "Südländer" sind im Kommen

Gerade die Böden im Landkreis Haßberge sind anfällig für Probleme mit der Trockenheit. Josef Engelhart berichtet, dass es hier überwiegend Keuperboden gibt. Der sei zwar einerseits sehr gut für den Wein, weil die Trauben, die dort gewachsen sind, besondere Aromen mitbekämen. Aber: "Den muss man gut pflegen, damit er trotz der Trockenheit Wasser speichert." Ein gutes Mittel dazu seien Begrünungspflanzen. Einen Vorteil hätten hier alte Weinberge, bei denen die Wurzeln besonders tief reichen.

Auch er berichtet, dass nun nach mehreren heißen Jahren die Böden stark geschwächt sein. Engelhart und Gottschalk sprechen auch darüber, wie unterschiedlich verschiedene Rebsorten mit Trockenheit und Hitze klar kommen. So leiden laut Engelhart vor allem Bacchus und Müller-Thurgau unter den Temperaturen. Laut Gottschalk sind daher mittlerweile auch andere Sorten im Kommen, vom Sauvignon Blanc bis zum Grauburgunder: "Südländer, von denen man früher gesagt hat, die werden bei uns nicht reif."

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Haßberge und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Zeil
Sand am Main
Ziegelanger
Peter Schmieder
Ernte
Frostschäden
Kälte und Frost
Rotweine
Wasser
Weinbau
Weinberge
Weine nach Prädikat/Qualität
Weingärtner
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!