Gräfendorf

Jagdgenossen aufgebracht gegen den Bürgermeister

Eröffnung des Freizeitcamps von Jason McKinney mit Bogenschießanlage im Jahr 2018.
Foto: Wolfgang Schelbert | Eröffnung des Freizeitcamps von Jason McKinney mit Bogenschießanlage im Jahr 2018.

Groß war das Interesse an der jüngsten Gemeinderatssitzung, pandemiebeding alle Personen großzügig in der Turnhalle verteilt. 14 Gäste versammelten sich im Zuhörerbereich. Teils waren es Bauwillige, aber größtenteils Mitglieder der Jagdgenossenschaft. Ihr Interesse galt der Anfrage von Freizeitanlagenbetreiber Jason McKinney auf die Gestattung einer 3-D-Bogenschießanlage. Und diese Anfrage hatte Spannung in sich, die die Jagdgenossen gegen den Bürgermeister und den Fremdenverkehrsverein aufbrachte.

Bürgermeister Johannes Wagenpfahl konnte das gesamte Gremium von zwölf Gemeinderäten an diesem Abend begrüßen. Mit in die Beratung aufgenommen wurde der Bauantrag auf ein zweigeschossiges Bürogebäude, teils mit Walmdach, teils mit Flachdach der Firma Herch im Schondratal. Wegen der Baugrenzüberschreitung und der Dachform waren einige Erklärungen notwendig. Der Bauantrag wurde mit 12:0 Stimmen bewilligt.

Ebenso wurde der Bauantrag auf Einbau eines WCs und eines Fahrradabstellraums in ein Carport in der Burgsinner Straße und der Bauantrag für ein Einfamilienhaus mit Doppelgarage oberhalb der Alten Kirche mit 11:0 Stimmen genehmigt. Johannes und Philipp Wagenpfahl waren persönlich beteiligt und musste der Abstimmung fernbleiben.

Radweg und neue Schwimmbrücke

Die Betriebsleitung und Betriebsausführung des Gemeindewaldes werden nach der Erkrankung der von der Gemeinde angestellten Försterin von der Gemeindeverwaltung nicht mehr weitergeführt. Der Gemeinderat entschied sich unter drei Möglichkeiten für die Vergabe der Waldpflege an die Forstverwaltung des Juliusspitals in Hammelburg mit 13:0 Stimmen. Die Kosten für den Feuerwehreinsatz bei verschuldeten Einsätzen werden turnusmäßig angepasst. Diese Kostenaufstellung musste für die Satzung vom Gemeinderat genehmigt werden und beziehen sich auf die Eigenanteile der Gemeinde von zehn Prozent der zu verrechnenden Kosten. Dem stimmte der Gemeinderat geschlossen zu.

Der Bürgermeister möchte ein neues Radverkehrsprogramm des Bundes mit dem Titel "Stadt und Land" nutzen, um den Radwegabschnitt von Michelau zur Roßmühle zu befestigen und einen Radweg von der Roßmühle nach Weickersgrüben mit Erneuerung der Schwimmbrücke an der Roßmühle zu erreichen. Die Förderung gilt hauptsächlich für nichttouristische Zwecke und schließt den Brückenbau mit ein. Die Förderung beträgt zwischen 75 und 90 Prozent der Bauleistung. Damit würde kostengünstig eine neue, auf Pontons schwimmende Alubrücke finanziert werden. Der Wegebau kostet etwa 640 000 Euro, die Brücke circa 400 000 Euro. Der Eigenanteil der Gemeinde läge bei etwa 200 000 Euro. Das Gremium beschloss mit 12:1 Stimmen für die Annahme des Förderprogramms und die Planung des Projekts. Sebastian Gebert stimmte ohne Argumente gegen das Vorhaben.

Die Bauleitplanung zur achten Änderung des Flächennutzungsplanes für den Bereich Schonderfeld und die Bauleitplanung zur Aufstellung des qualifizierten Bebauungsplanes Schonderfeld–Süd wurden von Johannes Schmelz, Bauamtsleiter und stellvertretender Geschäftsstellenleiter, bezüglich der Anfragen an die 24 Träger öffentlicher Belange (zum Beispiel Landratsamt, Wasserrecht, Naturschutz, Bayernwerk, Telekom, Eisenbahnbundesamt, etc.) vorgetragen. Den beiden Tagesordnungspunkten wurden mit 12:1 (Ablehnung ohne Gegenargumentationen von Andreas Nachreiner) zugstimmt.

Lebensgroße Tiere aus Holz

Für Spannung im Vorfeld sorgte die Anfrage des Freizeitanlagenbetreibers Jason McKinney auf einen Gestattungsvertrag für eine 3-D-Bogenschießanlage im Gemeindewald oberhalb des Weinweges zwischen Gräfendorf und Seewiese. Bei diesem Freizeitsport werden mit verschiedenen Bogen und aus unterschiedlichen Entfernungen Pfeile auf holzgeschnitzte lebensgroße Tiere (Reh, Hase, Ente, Bär, Dachs, etc.) abgeschossen.

Die zehn anwesenden Jäger der Jagdgenossenschaft mit ihrem Jagdvorsteher Norbert Hutzelmann waren im Vorfeld verärgert über die Vernachlässigung des Wildschutzes in diesem Gebiet und den Verlust der Jagdpacht in diesem Areal durch ständige Besuchergruppen, die das Wild auf Dauer vertreiben. Der Tagesordnungspunkt wurde vertagt und stattdessen ein runder Tisch mit Vertretern des Jagdverbandes, des Fremdenverkehrsvereins, eines Betreibers einer solchen Anlage und dem Gemeinderat am 4. März 2021 um 19 Uhr in der Turnhalle angesetzt. "Der Dorffrieden ist durch das Projekt in Gefahr", war von den erregten Jagdgenossen nach der Sitzung in einer Gesprächsrunde im Freien zu hören.

Die beiden Bürgermeister nahmen am Samstag an einer Demonstration gegen die Hochspannungsleitung P43 in Gemünden teil, verkündete Bürgermeister Wagenpfahl. Außerdem zeigte er sich am Ende der Sitzung sehr erfreut über den fortgeschrittenen Ausbau der Digitalisierung der Grundschule. Andreas Nachreiner forderte zum Schluss von der Gemeindeverwaltung die Einsicht in die Kostenaufstellung für den Abriss und die Erschließung des Lößl-Anwesens hinter der Alten Kirche.

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