BAD NEUSTADT

Immer im Dienst für Rhöner und Grabfelder

25 Jahre Landrat Steigerwald: Im Mai 2001 wurde gefeiert. Bad Neustadts Bürgermeister gratulierte Dr. Fritz Steigerwald und überreichte Blumen an seine Gattin Renate.
Foto: Czygan | 25 Jahre Landrat Steigerwald: Im Mai 2001 wurde gefeiert. Bad Neustadts Bürgermeister gratulierte Dr. Fritz Steigerwald und überreichte Blumen an seine Gattin Renate.

„Der Landkreis Rhön-Grabfeld hat ihm unheimlich viel zu verdanken und wir sind in Gedanken bei seiner Frau Renate und seiner Familie.“ Das war die erste Reaktion von Landrat Thomas Habermann am Sonntagmorgen, als er mitteilte, dass Altlandrat Dr. Fritz Steigerwald nach langer schwerer Krankheit in der Nacht zum Sonntag gestorben ist.

Steigerwald hinterlasse eine Lücke und habe für den Landkreis und seine Menschen durch sein persönliches Engagement viel erreicht. Wer den Altlandrat gekannt hat, der kann Habermann nur beipflichten. Steigerwald war ein Mann, der sich mit all seiner Kraft für „seinen Landkreis“ einsetzte und viel erreicht hat. 1996 wurde er für seine Verdienste unter anderem mit dem Frankenwürfel ausgezeichnet.

Diese Auszeichnung charakterisierte Steigerwald. Der begehrte Porzellanwürfel wird nämlich nur an Menschen verliehen, in denen das Prägende des fränkischen Charakters deutlich zum Ausdruck kommt: Das Wendige, das Witzige und das Widersprüchliche, wobei Witz auch für Erfindergeist und Einfallsreichtum stehe. So trägt auch der Würfel die Inschrift „Sich wenden, sich drehen, im Leben bestehen, so ist der gewürfelte Franke zu sehen.“ Genau das war Fritz Steigerwald.

„Die Zukunft ist noch lang,“ sagte der Altlandrat im November 2007 bei seinem 70. Geburtstag und erinnerte dabei auch an eine schwere Zeit, die damals neun Jahre zurücklag. Damals bangte der gesamte Landkreis um ihn und freute sich mit ihm, als er die Krankheit besiegt hatte und wieder am Schreibtisch saß. Freundlich, zuvorkommend, redselig und für alle Fragen offen, so kannte man Steigerwald, der aber auch ein Kämpfer war.

1968 kam er, damals jung verheiratet, nach Burglengenfeld, zwei Jahre später nach Mellrichstadt. Nach dem plötzlichen Tod von Landrat Karl Grünewald trat er am 9. Mai 1976 sein Amt als Landrat für Rhön-Grabfeld an. Da blieb kaum Zeit für seine Familie. Der Beruf ging vor. Für ihn war es wichtig die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und zu erledigen.

Als Verwaltungsmensch lag es ihm am Herzen das Landratsamt zu strukturieren und die Effizienz zu steigern. Eine nicht leichte Aufgabe. Steigerwald war denn auch in vielen Bereichen aktiv. So war er seit 1968 Kreisvorsitzender beim BRK-Kreisverband Rhön-Grabfeld, stellvertretender BRK Bezirksvorsitzender und er hat in dieser Zeit vor allem auch beim Bau des BRK Altenheimes die Weichen mitgestellt. In Bad Königshofen hatte er das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden beim örtlichen Aquarienverein inne, war bis Mai 2007 Vorsitzender des Rhönmuseums. Er engagierte sich beim VHS-Bildungszentrum Sambachshof, wo er in der Vorstandschaft mitarbeitete Nach seiner Zeit als Landrat war er in einer Kanzlei im Verwaltungsrecht tätig und er hatte dort eine neue Aufgabe gefunden, die ihn voll und ganz forderte.

Sprach man ihn auf die wichtigsten Ereignisse in seiner Zeit als Chef des Landkreises Rhön-Grabfeld an, nannte er sofort die Grenzöffnung im November 1989. Die Zeit danach, der 3. Oktober 1990, als Deutschland wieder „ein einig Vaterland wurde,“ gehören ebenso dazu, wie die große Feier auf der Schanz mit mehr als 25 000 Menschen.

Der Bau der A 71 war ihm nach der Grenzöffnung ein besonderes Anliegen, ebenso die Wiederaufnahme der Bahnverbindung Schweinfurt-Meiningen-Erfurt. Nicht zu vergessen die Museumsbahn, ebenfalls „ein Kind Steigerwalds“. Vor allem was die historische Dampflok des Museumszuges betrifft, die er in Schweinfurt vom Sockel vor dem Hauptbahnhof holte und sich dafür stark machte, dass die mehr als 70 Jahre alte Bayerische Tenderlok wieder unter Dampf steht.

Erinnert sei auch an die Kreisgalerie in Mellrichstadt. Hier hatte er als Landrat zuvor viele Exponate erworben und diese zunächst im Landratsamt ausgestellt. Ebenfalls ein „Kind Steigerwalds“ ist die Sanierung des ehemaligen Klosters Wechterswinkel zum heutigen Kulturzentrum des Landkreises. Nicht zu vergessen die Idee ein Heimatjahrbuch, speziell für Rhön-Grabfeld herauszubringen.

Nicht vergessen darf man die engen Beziehungen, die Fritz Steigerwald nach der Grenzöffnung zu Thüringen, insbesondere zu Landrat Ralf Luther im Landkreis Schmalkalden-Meiningen, aufbaute. Seine unbürokratischen Hilfen nach der Grenzöffnung sowohl als Landkreischef als auch als BRK-Kreisvorsitzender, waren für ihn selbstverständlich. Mit entwickelt hat er die Idee vom Skulpturenpark am ehemaligen Grenzübergang „Schanz“ und dort den Bau der „Goldenen Brücke.“

Besonders auch die Bevölkerung im Grabfeld lag ihm am Herzen, denn Steigerwald war stets bemüht bei den Menschen ein Landkreisbewusstsein aufzubauen. Dies würdigte der Verein für Heimatgeschichte im Grabfeld in Bad Königshofen vor gut einem Jahr mit dem Kulturpreis Grabfeld.

Alles aufzuzählen, was Fritz Steigerwald für seinen Landkreis getan hat, ist schier unmöglich. Bei einem Gespräch erwähnte er ein Lied, das ihn seiner Meinung nach charakterisiere: „Jeder Tag bringt neue Hoffnung, jeder Tag bringt neues Glück“. Ein Motto, dass er lebte, Er war, wie er selbst einmal betonte, „ein Landrat zum Anfassen“, aber auch ein gläubiger Mensch, der auch im Glauben neue Kraft schöpfte. Daran erinnert die Autobahnkirche an der A 71. Ihr galt die ganz besondere Zuwendung Steigerwalds, deren Eröffnung er sicher gerne miterlebt hätte.

27 Jahre für seinen Landkreis: In Bad Neustadt ist Altlandrat Fritz Steigerwald nach schwerer Krankheit gestorben.
Foto: Hubert Herbert | 27 Jahre für seinen Landkreis: In Bad Neustadt ist Altlandrat Fritz Steigerwald nach schwerer Krankheit gestorben.
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