Mellrichstadt

Mellrichstadt: Mit dem Dudelsack den schottischen Highlands so nah

Firoseh Reinhart hat ein ganz besonderes Hobby: Sie spielt Dudelsack, genauer gesagt die "Great Highland Bagpipe". Dieses Instrument hat es in sich.
Firoseh Reinhart hat ein außergewöhnliches Hobby: Sie spielt Dudelsack.
Foto: Björn Hein | Firoseh Reinhart hat ein außergewöhnliches Hobby: Sie spielt Dudelsack.
Die Bordunpfeifen, die oft aufwändig verziert sind, sowie die großen Quasten sind ein typisches Zeichen der Great Highland Bagpipe.
Foto: Björn Hein | Die Bordunpfeifen, die oft aufwändig verziert sind, sowie die großen Quasten sind ein typisches Zeichen der Great Highland Bagpipe.

Wenn man ganz viel Glück hat, kann man am Suhlesturm in Mellrichstadt exotische Klänge hören. So, wie in diesem Moment: Als Zuhörer wird man unmittelbar berührt, beständig brummt ein tiefer Grundton, über den sich die höheren Töne legen. Gemeinsam verschmilzt alles zu einem meisterhaft gewobenen Tongeflecht, von dem der Zuhörer eingefangen wird. Die Melodie ist reizvoll, man fühlt sich wie in den schottischen Highlands.

Firoseh Reinhart, die derzeit in Mellrichstadt wohnt, ist die Urheberin dieser schönen Klänge. Ihrem Dudelsack, einer "Great Highland Bagpipe", entlockt sie fast träumerische Melodien. Außerdem sorgt ihre traditionelle Uniform mit Kilt dafür, dass sich ein echtes Schottland-Gefühl einstellt. Für sie ist die Dudelsackmusik fast so etwas wie ein Lebenselexier. "Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist", bringt es die 29-jährige Handelsfachwirtin auf den Punkt.

Sofort hin und weg

Beim Dudelsackspielen kommt es neben der richtigen Atmung auch auf die Fingertechnik an.
Foto: Björn Hein | Beim Dudelsackspielen kommt es neben der richtigen Atmung auch auf die Fingertechnik an.

Sie kann sich noch ganz genau daran erinnern, wie sie damals bei einem Umzug erstmals Dudelsackmusik hörte. "Ich war sofort hin und weg. Der Klang ist unbeschreiblich, er geht durch und durch", ist die Musikerin heute noch begeistert. Zum 18. Geburtstag bekam sie dann von Freunden eine so genannte "Practice Chanter" geschenkt. "Das ist ein Instrument, das zum Erlernen des Dudelsackspielens gebraucht wird", sagt die 29-Jährige. Der Chanter sieht fast so aus wie eine Flöte und ist für das Üben sehr wichtig. Denn einfach mal so in den Dudelsack blasen ist nicht.

Nicht umsonst lautet ein schottisches Sprichwort: "Wer zehn Jahre Dudelsack spielt, hat sich davon sieben Jahre eingestimmt". Bei der Feier anlässlich ihres 18. Geburtstag trat ein Dudelsackspieler aus Großheirath bei Coburg auf. Dies war eine fast schicksalhafte Begegnung: Ist er doch heute noch ihr Dudelsacklehrer. "Praktisch ist, dass man trotz großer Entfernung auch über Skype Unterricht erhalten kann", so Reinhart. Mit dem "Practice Chanter" im Gepäck ging es dann zu einem Trainingscamp auf die Burg Breuberg in den Odenwald. Hier findet jährlich die Sommerschule der Bagpipe Association of Germany statt. Dieses Geschenk erhielt Firoseh von ihren Eltern zur Volljährigkeit - das war mit der erste Schritt, der Firoseh ihrem Dudelsack ein großes Stück näherbrachte.

"Anfangs spielt man am besten zwei Jahre nur auf der Practice Chanter", erläutert die 29-Jährige. Obwohl sie schon seit 20 Jahren Altsaxophon spielt, begonnen im Musikverein Nordheim, nun im Musikverein Saal, erwies sich der Dudelsack als echte Herausforderung. "Atmung, den Dudelsack und gleichzeitig die Fingertechnik zu koordinieren, ist schon sehr anspruchsvoll", weiß Reinhart aus Erfahrung.

Übung macht den Meister

Mit dem Practice Chanter über Jahre zu üben sei schon teilweise etwas langweilig gewesen. "Aber für die Wohnung war es optimal", sagt die Dudelsackspielerin. Als sie später dann ihre Great Highland Bagpipe spielte, übte sie entweder im Freien oder im Elternhaus. "In einem Mehrfamilienhaus wäre das natürlich nicht möglich", sagt sie mit einem Schmunzeln. Kein Wunder: eine durchschnittliche Lautstärke von 122 Dezibel, was einem Presslufthammer entspricht, ist für eine Wohnung eindeutig zu laut. Sie hat sich dafür extra einen Gehörschutz anpassen lassen. "Besonders, wenn man in Kirchen spielt, ist die Lautstärke schon sehr beeindruckend", meint Reinhart. Während der Pandemie machte sie auch bei der Aktion "Musik aus dem Fenster" mit. "Es war schon berührend, wenn man durch sein Instrument den Menschen Kraft geben kann, damit sie nicht den Mut verlieren", sagt die Vollblutmusikerin.

Auch nach elf Jahren macht Firoseh Reinhart das Spielen auf dem Dudelsack noch sehr viel Freude.
Foto: Björn Hein | Auch nach elf Jahren macht Firoseh Reinhart das Spielen auf dem Dudelsack noch sehr viel Freude.

Auch wenn sie schon sehr gut spielt - üben muss sie weiter. Fast jährlich geht sie deshalb auf die Burg Breuberg. "Dort treffen sich alle Dudelsackverrückten von nah und fern", sagt sie mit einem Schmunzeln. Praktisch Tag und Nacht werde dort geübt, hier treffen sich laut Reinhart einige der besten Dudelsacklehrer Deutschlands und Schottlands. Highlight hier sei der Abschlussabend, an dem ein "Ceilidh" (Kay-Lee) gefeiert werde. Das ist das gälische Wort für "Zusammenkunft". "Es ist einfach Gänsehautfeeling pur, wenn Piper (Dudelsackspieler, eigentlich 'Pfeifer', Anmerkung der Redaktion) und Drummer (Trommler, Anmerkung der Redaktion) gemeinsam spielen", so die 29-Jährige. Hier hätten sich auch zahlreiche Freundschaften entwickelt.

Mitmenschen sind oft zu Tränen gerührt

Die richtige Fingertechnik ist beim Dudelsackspielen das A und O. Für Übungen wird dazu ein so genannter 'Practice Chanter' verwendet.
Foto: Björn Hein | Die richtige Fingertechnik ist beim Dudelsackspielen das A und O. Für Übungen wird dazu ein so genannter "Practice Chanter" verwendet.

Dass sie damals das Dudelsackspielen angefangen hat, hat sie noch keine Sekunde bereut. "Die Freude am Instrument steigt und nimmt kein Ende", sagt sie. Mitmenschen zu Freudentränen ob der Musik zu rühren, sei schon etwas ganz Besonderes. "Ich bin unendlich dankbar, dass ich dieses Geschenk an meine Mitmenschen weitergeben darf".

Eines der vielen Highlights in ihrer Laufbahn sei gewesen, als sie in Schottland spielte, während sie auf die direkt am Meer gelegene Burgruine Dunnottar Castle blickte. Außerdem habe sie einmal mit dem Rhönklub Nordheim einen Ausflug ins Erlebnisbergwerk Merkers gemacht. "Im ehemaligen Großbunker in 500 Metern Tiefe habe ich dann gespielt. Die Akustik war atemberaubend, durch das Echo hat die Musik noch einmal ganz anders gewirkt", so die Dudelsackspielerin. Als unter Tage dann noch die Lasershow eingeschaltet wurde, war das Erlebnis perfekt.

Firoseh Reinhart spielt vor dem Suhlesturm in Mellrichstadt.
Foto: Björn Hein | Firoseh Reinhart spielt vor dem Suhlesturm in Mellrichstadt.

Auch bei der Lichternacht in Mellrichstadt tritt Firoseh seit einigen Jahren auf. "Das Feedback vom Publikum ist immer der Wahnsinn. Viele sagen mir, wie gerührt sie von der Musik sind. Das spornt auch immer wieder an, weiterzuüben", freut sich Reinhart. Bis heute hat sie nicht bereut, dass sie mit dem "Pipen" (gesprochen: Peiben), wie das Dudelsackspielen in Fachkreisen genannt wird, begonnen hat. Und wenn man die wunderbare Musik hört, die Firoseh Reinhart mit dem Dudelsack zaubert, dann kann man das nur bestätigen.

Firoseh Reinhart achtet bei Auftritten darauf, in der typischen Uniform zu erscheinen.
Foto: Björn Hein | Firoseh Reinhart achtet bei Auftritten darauf, in der typischen Uniform zu erscheinen.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Mellrichstadt
Björn Hein
Feier
Freunde
Rhönklub
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)