Mellrichstadt

Mellrichstadt: Schlange stehen für Booster-Impfungen und Tests

Wo können sich die Menschen in Mellrichstadt testen lassen? Die Nachfrage ist enorm, das Angebot sehr begrenzt. In den Arztpraxen hat derweil ein Run auf Booster-Impfungen eingesetzt.
Die Nachfrage nach Booster-Impfungen in Mellrichstadt ist riesengroß. In den Arztpraxen wird mit Hochdruck geimpft. 
Foto: Matthias Bein, dpa | Die Nachfrage nach Booster-Impfungen in Mellrichstadt ist riesengroß. In den Arztpraxen wird mit Hochdruck geimpft. 

Wie kann es sein, dass die Infektionszahlen in Rhön und Grabfeld derart in die Höhe schnellen? Ob beim Bäcker oder auf dem Marktplatz, für die Menschen im Landkreis ist dies derzeit die alles beherrschende Frage. Von Tag zu Tag klettern die Corona-Neuinfektionen auf neue Negativ-Rekorde, Landrat Thomas Habermann befürchtet, dass ein Lockdown bevorsteht.

Im Kampf gegen die Pandemie hat die bayerische Staatsregierung in dieser Woche die Maßnahmen verschärft. Insbesondere für Ungeimpfte gelten starke Einschränkungen, einhergehend mit einer Testpflicht für viele Lebensbereiche. Doch auch für Geimpfte ist die 2G-Plus-Regelung mit viel Aufwand verbunden. Wer in eine Gaststätte möchte, sich sportlich betätigen oder die Oma im Altenheim besuchen will, muss einen aktuellen Corona-Test vorweisen. Doch die Testmöglichkeiten sind augenblicklich stark beschränkt. Wo also hin zum Abstrich?

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In Mellrichstadt war in den vergangenen Monaten die Hainberg-Apotheke im Beethovenweg die einzige Anlaufstation, nachdem die Teststrecke der Wasserwacht in der Oskar-Herbig-Halle und die mobile Teststation der Praxis "Die Hausärzte" auf der Streuwiese geschlossen wurden. Im Sommer waren die Tests kaum nachgefragt, und noch Mitte Oktober, als die Testung für viele kostenpflichtig wurde, blieb es ruhig im Terminbuch.

Heute sieht die Lage dramatisch anders aus. Christian Machon, Inhaber der Hainberg-Apotheke, sieht sich mit einem Ansturm auf Antigen-Schnelltests konfrontiert. Zwei Stunden hat er täglich für Schnelltests mit Anmeldung eingeplant. "Wir haben unsere Kapazitäten bereits von 20 auf 50 Tests am Tag ausgeweitet",  sagt er, dennoch muss er jeden Tag Dutzende Menschen wegschicken oder vertrösten. Seine Terminliste ist randvoll, die Testzeiten über Tage hinweg ausgebucht.

Termine für Antigen-Tests: Telefone klingeln ununterbrochen

"Wir sind am Limit", sagt Machon. Die Telefone in der Apotheke klingeln ununterbrochen, viele Menschen suchen verzweifelt nach einem schnellen Testtermin. Vor allem ungeimpfte Arbeitnehmer, die einen Nachweis für den Arbeitsplatz brauchen, Schüler, Menschen, die ihre Lieben im Seniorenheim besuchen wollen, aber neuerdings auch Sportfreunde, die in der Halle trainieren, stehen bei ihm Schlange. Und werden auch mal ärgerlich, wenn in den nächsten Tagen kein freier Termin mehr zur Verfügung steht. "Andere nehmen weite Wege auf sich, um andernorts noch eine Testmöglichkeit zu ergattern", wie Christian Machon weiß.

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Für seine Arbeit ist das derzeitige Verfahren nicht länger hinnehmbar. "Die Situation ist kritisch, es braucht mehr Testmöglichkeiten", fordert Machon vonseiten der Politik. Es gelte jetzt, engmaschige Testzentren im Landkreis zu installieren, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden. "Wir arbeiten gerne mit, aber wir sind schließlich Apotheker und kein Testzentrum."

Neu: Testmöglichkeit im Raum 7 in Mellrichstadt

Aufgrund der drastisch nach oben schnellenden Inzidenzen hat sich Simone Günther von der Praxis "Die Hausärzte" in Mellrichstadt entschlossen, ebenfalls wieder Testmöglichkeiten in der Stadt anzubieten. Anstelle des mobilen Containers auf der Streuwiese hat die Praxis nun Räumlichkeiten im leer stehenden Raum 7 (ehemaliges Soldatenheim)  angemietet und bietet hier an drei Tagen in der Woche eine Teststation für alle Bürgerinnen und Bürger an. Nach einem Antigen-Schnelltest kann im Falle eines positiven Ergebnisses auch gleich ein PCR-Test gemacht werden, das Ergebnis liege nach derzeitigem Stand nach ein bis zwei Tagen vor, sagt die medizinische Fachangestellte.

Aus ihrem Praxisalltag weiß Simone Günther, dass nicht geimpfte Personen einen deutlich schwereren Krankheitsverlauf haben als Geimpfte. Dass sich dennoch zahlreiche Menschen gegen die Impfung sperren, findet sie egoistisch und geradezu unverantwortlich bei Berufsgruppen, denen sich andere anvertrauen müssen.

Kritik an der Politik: Ärzte sind sauer

Auch für die Politik findet sie harsche Worte. Nach dem Aussagen von Gesundheitsminister Jens Spahn, dass jetzt vorrangig der Impfstoff von Moderna verimpft werden soll, weil dieser nicht mehr lange haltbar sei, kommen viele Patienten verunsichert und mit Fragen in die Praxis. Ihrer Erfahrung nach genießt der Imfstoff von Biontech/Pfizer in der Bevölkerung das größte Vertrauen. Dass der Gesundheitsminister von einer Verknappung dieses Vakzins spricht, ärgert Simone Günther maßlos. "Wir werden reglementiert, obwohl wir boostern sollen. Und Menschen, die sich impfen lassen wollen, werden ohne Not verunsichert." 

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Dass so viele Patienten zur Drittimpfung kommen, freut Simone Günther. Die Impfungen finden ebenfalls im Raum 7 statt. Mit Hochdruck arbeitet das Team jetzt daran, zunächst die älteren Menschen ein drittes Mal zu impfen, deren Schutz nach einem halben Jahr nachlässt, dann kommen die jüngeren Jahrgänge an die Reihe. In der Praxis wurden die Abläufe derweil umgestellt. In der sogenannten Infektsprechstunde werden nur Patienten mit Infektkrankheiten versorgt, um die anderen Patienten zu schützen.

400 Anfragen zum Impfen auf dem Anrufbeantworter

Die Nachfrage nach Booster-Impfungen ist auch in der Praxis von Ute Schloe in Mellrichstadt riesig. Die Impftermine werden in den Praxisalltag integriert, um so viele Menschen wie möglich zu schützen. Das will – wie schon beim Impfstart im Frühjahr in den Hausarztpraxen – gut organisiert sein. Zumal die normalen Sprechstunden weiterlaufen und die medizinische Betreuung von Corona-Patienten ebenfalls sehr zeitintensiv ist.

Daher werden in der Praxis von Ute Schloe auch keine Antigen-Schnelltests durchgeführt, sondern ausschließlich PCR-Tests bei Kranken mit Verdacht auf eine Corona-Infektion. "Das würde sonst unsere Kapazitäten überfordern", sagt die Ärztin. Und nennt ein Beispiel, das aufzeigt, was im Praxisalltag derzeit quasi nebenbei noch gestemmt werden muss: Während das Team ganz real eine Schlange von Patienten geimpft hat, waren auf dem Anrufbeantworter der Praxis schon wieder 400 Anfragen zum Thema Impfen aufgelaufen, die dann auch gleich wieder neu koordiniert werden.

Schlange stehen für die Drittimpfung

Auch die Praxis von Gloria Werthmann-Haas und Reinhold Haas in Mellrichstadt kann sich vor Anfragen nach Tests und Impfterminen nicht retten. Neben vereinzelten Erst- und Zweitimpfungen sind vor allem Termine für Drittimpfungen begehrt. Daneben wird in der Sprechstunde auch getestet, sowohl Antigen-Schnelltests wie auch PCR-Tests werden durchgeführt. Die Menschen stehen dafür Schlange.     

Mit der Einführung von 2G-Plus in vielen Lebensbereichen sind Corona-Schnelltests gefragt wie nie. Die Testmöglichkeiten sind derzeit aber noch begrenzt.
Foto: Bernd Weißbrod, dpa | Mit der Einführung von 2G-Plus in vielen Lebensbereichen sind Corona-Schnelltests gefragt wie nie. Die Testmöglichkeiten sind derzeit aber noch begrenzt.

Angesichts der vielen Booster-Impfungen hofft Simone Günther darauf, dass sich in den nächsten Wochen auch viele Menschen zur Erstimpfung bewegen lassen, um die pandemische Lage im Landkreis in den Griff zu bekommen. Schließlich geht es nicht nur darum, sich selbst zu schützen, sondern eben auch andere. Dass es wieder ein Miteinander geben kann. Das ist der größte Wunsch eines zwölfjährigen Mädchens aus ihrem Bekanntenkreis. Sie möchte zu Weihnachten eine Covid-19-Impfung bekommen. "Weil man das heute braucht", wie die Zwölfjährige sagt. So wie einen Fahrradhelm beim Radfahren. "Daran sollten sich viele Erwachsene ein Beispiel nehmen", sagt Simone Günther.

Schnelltestmöglichkeiten in Mellrichstadt

In der Hainberg-Apotheke im Beethovenweg 12 sind montags bis samstags von 8 bis 10 Uhr Termine für Schnelltests eingeplant. Eine Anmeldung ist unter Tel. (09776) 6880 erforderlich.
Die Praxis "Die Hausärzte" hat Räumlichkeiten im leer stehenden Raum 7 (ehemaliges Soldatenheim), Ignaz-Reder-Straße 1, angemietet und bietet hier eine Teststation für alle Bürgerinnen und Bürger an. Geöffnet ist montags, mittwochs und freitags von 8 bis 9 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Eine Registrierung vorab ist im Internet unter "meintest.brk.de" (Praxis "Die Hausärzte" auswählen) möglich, dann wird ein QR-Code generiert. Nach 15 Minuten wird das Ergebnis per Mail zugeschickt.
In der Gemeinschaftspraxis von Gloria Werthmann-Haas und Reinhold Haas sind ebenfalls Schnelltests in den Sprechstunden möglich, Terminabsprache unter Tel. (09776) 233. 
ski
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