Würzburg

Dr. Helds Corona-Tagebuch: Gespräche über den Tod sind wichtig

Stirbt ein Patient, ist das für alle ein schwerer Moment. Wie verarbeiten Mitarbeiter das? Matthias Held, Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte, berichtet exklusiv.
Dr. Matthias Held, Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte, beschreibt, wie Mediziner und Pfleger mit Todesfällen auf der Station umgehen. 
Foto: Daniel Peter | Dr. Matthias Held, Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte, beschreibt, wie Mediziner und Pfleger mit Todesfällen auf der Station umgehen. 

Wir haben im Klinikum aktuell 14 Patienten in Corona-Isolation, zwei davon werden intensivmedizinisch betreut und beatmet. Am Donnerstag mussten wir leider noch einen Todesfall verzeichnen. Das sind für alle Mitarbeiter harte Momente.

Gestorben ist ein älterer Patient, der vorerkrankt und mit Corona infiziert war. Man muss dazu sagen, dass er nicht allein an Covid-19 gestorben ist, sondern es eben noch weitere schwerwiegende Erkrankungen gab. Aufgrund dieser Vorerkrankungen, der medizinischen Einschätzung und dem Patientenwillen waren die Therapiemöglichkeiten begrenzt. Trotzdem stimmt jeder Patient, dem man nicht helfen kann, traurig.

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Ganz wichtig ist, dass man so eine Situation im Team bespricht. In diesem Fall hatten die Behandler den Patienten und die Angehörigen schon seit Tagen begleitet. Alle haben den Tod auf sich zukommen sehen und darüber auch gesprochen. Offenheit und Kommunikation sind in solchen Augenblicken wertvoll. Gerade wenn junge Ärzte oder Pfleger mit Schwerstkranken oder Sterbenden zu tun haben, darf man sie nicht alleine mit dieser Erfahrung lassen. Da sind erfahrene Kollegen gefordert, sich Zeit zu nehmen und zu unterstützen.

Platz schaffen für weitere Corona-Patienten

Generell muss man leider sagen: Die Situation im Klinikum bleibt angespannt, wir müssen weiter flexibel von Tag zu Tag planen. Heute konnten zum Glück alle schweren Operationen stattfinden, die Intensivkapazität war vorhanden.

Was uns derzeit aber Schwierigkeiten macht, ist die Entlassung pflegebedürftiger Patienten. Beispielsweise hatten wir eine Seniorin mit einer Herzrhythmusstörung, die wir schnell beseitigen konnten. Die Frau kam aus einer Rehaklinik zu uns und wir wollten sie dorthin zurückverlegen. Das ging jedoch nicht, weil die Klinik nicht mehr zur Verfügung stand – sie übernimmt nun offenbar auch Aufgaben in der Corona-Versorgung. Leider ist das kein Einzelfall und es macht das Arbeiten schwierig. Denn wenn die Entlassungen stocken, wird die Belegungskapazität eingeschränkt.

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Ebenfalls beschäftigt hat mich heute ein Thema, das im Corona-Jahr komplett untergegangen ist: Mitarbeiter-Ehrungen. Normalerweise gibt es eine feierliche Veranstaltung auf der langjährige Mitarbeiter ausgezeichnet werden – nur wegen Corona ist das völlig ausgefallen. Das trifft Menschen, die 40 oder sogar 45 Jahre in der Klinik sind und denen man eigentlich nicht genug danken kann. Es ist schade, dass wir neben einem Brief oder Gespräch diese Verbundenheit im Moment nicht deutlicher wertschätzen können.

Für das Wochenende und die kommende Woche haben wir die Weichen gestellt und organisatorische Anpassungen vorgenommen. Ziel war es, Platz für mehr Corona-Infizierte zu schaffen. Dafür haben wir unsere Rechtherzkatheter-Untersuchungen auf ein anderes Stockwerk verlagert, so dass wir nun einen zweiten Intensiv- und Beatmungsbereich belegen können. Damit sind wir gewappnet. Denn ich bin skeptisch, dass wir die zweite Corona-Welle schon bewältigt haben.

Priv.-Doz. Dr. Matthias Held (50) ist Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte. Dort ist der Lungenspezialist auch für die Behandlung von Covid-19-Patienten zuständig. Per Tagebuch gibt er in den nächsten Wochen täglich Einblicke in den Klinikalltag unter: www.mainpost.de/corona-tagebuch

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