Würzburg

Grundwassernotstand: Diese fünf Punkte sollen Unterfranken jetzt retten

Das Umweltministerium will eine Milliarde in bayerisches Wasser investieren – auch zum Vorteil Unterfrankens. Inwiefern kann die Region davon profitieren?
Die Würzburger Mainwiesen gegenüber vom Heizkraftwerk waren auch in diesem Sommer wieder großflächig ausgetrocknet.
Foto: Silvia Gralla | Die Würzburger Mainwiesen gegenüber vom Heizkraftwerk waren auch in diesem Sommer wieder großflächig ausgetrocknet.

In Unterfranken wird das Wasser knapp. "Wir sind auf dem besten Weg in einen Grundwassernotstand", befürchtet Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). In einer Regierungserklärung kündigt er nun das Gegenkonzept "Wasserzukunft Bayern 2050" an. Eine Milliarde Euro sind eingeplant, laut einer Sprecherin "gerade auch für Unterfranken". Wie die Region profitieren könnte und welche wichtigen Fragen noch offen sind.

1. Schwammstädte sollen mehr Wasser speichern

Das Hauptproblem der bayerischen Wasserversorgung ist laut Umweltministerium das schwindende Grundwasser. So wiesen in Unterfranken im August 80 Prozent der tiefen Grundwasserstöcke Niedrigwasser auf. Für Glauber Anlass, vorhandenes Wasser besser zu speichern: "Wir brauchen Schwammstädte – Städte, die wir nicht zubetonieren. Damit uns das kostbare Stadtgrün nicht gleich eingeht – so wie in Würzburg", so der Minister.

Lesen Sie auch:

Der Würzburger ÖDP-Biologe Hans von Besser hat sich intensiv mit dem Thema Schwammstadt befasst. Er sagt: "Die Wasser-Rückhaltung ist in Würzburg essentiell!" Nur wenn Bäume schnell und flächendeckend in sogenannte Rigole, unterirdische Wasserspeicher, gepflanzt, versiegelte Flächen aufgemacht, und Gebäude begrünt würden, bliebe in Städten wie Würzburg das Stadtklima erträglich.

Laut Umweltministerium entstehen in Bayern derzeit zehn "Leuchtturmprojekte", die genau diese Möglichkeiten ausloten.  Würzburg, wo im vorletzten Jahr rund 5000 Bäume vertrocknet sind, nimmt nicht teil – laut Stadtsprecher Christian Weiß hat man sich aufgrund eigener Projekte nicht beworben. Dafür wird ein Quartiersentwicklungsprojekt in Schweinfurt gefördert. Welche Maßnahmen dort in welcher finanziellen Höhe geplant sind, ist laut Umweltministerium noch nicht bekannt.

2. Moore als CO2-Speicher sollen gerettet werden

Moore als CO2- und Wasserspeicher zu erhalten, ist laut Minister Glauber ein weiteres Ziel der bayerischen Wasserstrategie. Torsten Kirchner ist Gebietsbetreuer im Biospährenreservat Rhön. Ihm zufolge leiden die Rhöner Moore unter einem wachsenden Baumbestand, über den vermehrt Wasser verdunstet sowie unter alten Entwässerungsgräben, die immer noch Wasser abführen. "Ich würde mir konkrete Maßnahmen zur Verringerung der Bäume wünschen", so Kirchner.

Fast alle ehemaligen Entwässerungsgräben im Schwarzen Moor seien bereits geschlossen beziehungsweise angestaut worden, heißt es dazu aus dem Ministerium. In den kommenden Jahren solle der Baumbestand verringert und die letzten Gräben im Großen Moor geschlossen werden. Kirchner begrüßt diese Pläne.

Im Schwarzen Moor seien fast alle ehemaligen Entwässerungsgräben geschlossen beziehungsweise angestaut worden, heißt es aus dem bayerischen Umweltministerium.
Foto: Jürgen Hüfner | Im Schwarzen Moor seien fast alle ehemaligen Entwässerungsgräben geschlossen beziehungsweise angestaut worden, heißt es aus dem bayerischen Umweltministerium.

3. Unterfranken soll mehr Fernwasser bekommen

Um die geringen Niederschläge in Unterfranken künftig kompensieren zu können, soll laut Umweltministerium eine neue Fernwasserleitung gebaut werden. Diese solle Grundwasser aus dem Donauraum als "Edelressource" nach Franken bringen. Auch seien Kooperationen mit Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen angedacht. Konkrete Pläne hierfür werden laut dem Umweltministerium in den kommenden Jahren ausgearbeitet.

Lesen Sie auch:

Hermann Löhner ist Werkleiter des kommunalen Verbunds "Fernwasserversorgung Franken", der weite Teile Unterfrankens versorgt. Er begrüßt die Pläne der Staatsregierung, verortet die drängenden Fragen jedoch woanders. So beklagt er komplexe Vorgaben, die ortsnahe Wassergewinnung vorschrieben, bevor Fernwasser bezogen werden könne. "Wassergewinnung vor Ort bedeutet aber Wasserschutz vor Ort", so Löhner. Das sei an sich wichtig. Schwierig seien dann die Wasserschutzvorgaben, die oft jahrelange komplexe Verfahren mit sich zögen. Hier brauche man flexiblere Lösungen.

In der Regierungserklärung des Umweltministeriums kommt dieser Punkt auch zur Sprache, in der Wasserstrategie werden die Verfahren jedoch als "normaler Prozess" bezeichnet. Hervorgehoben wird in Zuge dessen auch ein Appell an die Kommunen, sich bei der Thematik hilfreich zu zeigen.

5. Mainzuflüsse von Donau und Brombachsee sollen sicher werden

Großen Wert misst Minister Glauber dem Main zu. Dessen Überleitungen von Donau und Brombachsee seien unverzichtbar, sie müssten deswegen "für alle Zeiten" klimasicher gemacht werden. Konkrete Pläne hat das Umweltministerium hierfür noch nicht und verweist auf einen bayernweiten Speichercheck, mit dem geeignete Wasserspeicher zur Niedrigwasseraufhöhung der Flüsse ausgemacht werden sollen. Eine Sprecherin betont dabei die"großen Bedeutung" des Themas für Unterfranken.

5. Unterfranken bekommt bessere Technik für Wasseraufbereitung

Ein weiteres Standbein der bayerischen Wasserstrategie ist die Wiederaufbereitung verunreinigten Wassers. Man werde 90 Klärwerke in Bayern mit einer vierten Reinigungsstufe versehen, mit deren Hilfe Mikroplastik aus dem Wasser gefiltert werden könne, kündigt der Umweltminister an. Ein dreistelliger Millionenbetrag ist laut Ministerium veranschlagt. In Unterfranken könnten laut Umweltministerium 14 Klärwerke gefördert werden. In Schweinfurt wird die Technik derzeit in Hinblick auf die Landesgartenschau 2026 diskutiert.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Würzburg und erhalten Sie dreimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Würzburg
Aaron Niemeyer
Freie Wähler
Minister
Ministerien
Niederschlag
Regierungserklärungen
Thorsten Glauber
Umweltminister
Umweltministerien
Unterfranken
Wasser
Wasserschutz
Wähler
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (23)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!