Würzburg

Baskets verpflichten einen Ex-NBA-Profi

Perry Jones III. hat 155 Spiele in der stärksten Basketball-Liga der Welt auf dem Buckel. Nun soll der 29-Jährige s.Oliver Würzburg helfen, die Bundesliga zu erhalten.
Perry Jones III. im Oktober 2014 im Trikot der Oklahoma City Thunder.
Foto: imago sportfotodienst | Perry Jones III. im Oktober 2014 im Trikot der Oklahoma City Thunder.

Die frohe Botschaft sickerte am späteren Freitagnachmittag durch: Die Bemühungen von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg, seinen Kader nach den schweren Verletzungen von Zach Smith, Justin Sears und Brekkott Chapman, die wochen- oder monatelang ausfallen werden, wieder konkurrenzfähig und bundesligatauglich zu machen, tragen eine erste Frucht. Am Freitagabend bestätigten die Baskets dann die Informationen dieser Redaktion, dass sie mit Perry Jones III. ihre erste von den ersehnten drei Neuverpflichtungen eingetütet haben. Der 2,11 Meter große gelernte Flügelspieler, der bei den Baskets sicherlich notgedrungen auch unterm Korb eingesetzt werden wird, hat von 2012 bis 2015 insgesamt 155 Spiele in der NBA, davon zwölf in den Play-offs, für die Oklahoma City Thunder bestritten. Er soll am Wochenende in Würzburg eintreffen.

Aufgrund der vorgeschriebenen zwei negativen Corona-Tests erscheint es als sehr wahrscheinlich, dass der US-Amerikaner, der zuletzt beim türkischen Erstligisten und EuroCup-Teilnehmer Bursaspor unter Vertrag stand, frühestens am kommenden Samstag, 6. Februar (20.30 Uhr), im Heimspiel gegen Göttingen seine Premiere im Baskets-Leibchen geben wird (und nicht bereits nächsten Mittwoch gegen Bayern München). „Perry ist ein Spieler mit ähnlichen Qualitäten wie Brekkott Chapman, er hat schon letzte Saison in Bursa gespielt. In diesem Jahr  hat es für ihn dort aber nicht richtig gepasst“, sagt Kresimir Loncar, Manager Sport und Scouting bei den Baskets laut einer Mitteilung des Klubs: „Nach seiner Verpflichtung können wir uns jetzt auf die Suche nach einem weiteren Big Man konzentrieren.“

Jones wurde 2012 nach zwei Jahren auf der Baylor University in der ersten Runde des NBA-Drafts an 28. Stelle von Oklahoma gezogen. Nach einigen Abstechern in die NBA G-League und einem sehr kurzen Auftritt bei Euroleague-Teilnehmer Khimki Moskau 2016, wo er nur ein Spiel bestritt, wechselte er 2019 zu Bursapor in die Türkei, wo er bis zum coronabedingten Saisonabbruch zusammen mit dem ehemaligen Würzburger Gabriel Olaseni spielte und als Starter in durchschnittlich knapp 32 Minuten Spielzeit auf 13,6 Punkte und 5,2 Rebounds pro Partie kam. In der aktuellen Saison spielte Jones eine nicht mehr so dominante Rolle (22 Minuten/6,1 Punkte/3,5 Rebounds). Im EuroCup kam er im Schnitt auf 23 Minuten, 7,2 Punkte und 2,1 Rebounds.

Die Nachricht von der Neuverpflichtung brach sich Bahn, als die Baskets gerade auf dem Weg nach Oldenburg waren. Baskets-Trainer Denis Wucherer hatte stets betont, dass "die Neuen zu uns passen müssen. Sportlich und menschlich." Und natürlich auch ins Budget. Noch am Freitagmittag hatte Wucherer gemeint, dass der Klub "die Angel ausgeworfen" habe. Offenbar ist bei den Würzburgern - bei nun nur noch zwei zu vergebenden Lizenzen - die Sorge groß, im großen Teich, der durch die internationale, gleichfalls angelnde Konkurrenz freilich eher einem Haifischbecken gleicht, einen womöglich zu spärlichen Fang an Land zu ziehen. Zumal der Köder der Baskets aktuell ja auch nicht allzu groß erscheint. Mit Jones haben sie - zumindest dessen Vita nach - nun jedenfalls offenbar einen ordentlichen Fisch an Land gezogen.

Bei den zwei aktuell bevorstehenden, unlösbar erscheinenden Aufgaben in Oldenburg und gegen München wird Jones ihnen freilich noch nicht helfen können. Weshalb es mal wieder an der Zeit ist, an eine Aussage von Denis Wucherer zu erinnern, die er bereits vor dem Start in diese Spielzeit gemacht hatte, und die er anschließend gerne so oder so ähnlich wiederholte: "Wir werden in dieser Saison immer wieder auf Mannschaften treffen, gegen die wir keine Chance haben." Das sagte er vor Antritt der Dienstreise in die drittgrößte Stadt Niedersachsens zwar nicht - aber nach menschlichem Ermessen beschreibt dieser Satz die Voraussetzungen vor dem samstäglichen Duell (20.30 Uhr) des Dritten, der gerade einmal zwei seiner 14 Saisonspiele verloren hat (beim Zweiten Crailsheim und zu Hause gegen den deutschen Meister Berlin) und die letzten acht gewonnen, gegen den Elften, der in fünf seiner 13 Partien gesiegt hat, vermutlich ganz gut.

Es ist der Auftakt von sechs Spielen innerhalb von 16 Tagen für die Baskets, die alle ihre Siege in der Fremde einfuhren und sich zuletzt in Berlin überraschend wacker geschlagen haben. "Aber diesmal sind die Voraussetzungen anders", sagte Wucherer, bevor er mit seiner Crew am Freitagnachmittag den Bus bestieg. In Berlin hatten es seine Schützlinge mit einem (reise)gestressten und im Akkord arbeitenden Euroleague-Teilnehmer zu tun, der gerade einmal 24 Stunden zuvor aus Spanien heimgekehrt war. In Oldenburg treffen die Unterfranken auf "eine ausgeruhte Truppe mit vielen Bundesliga-Veteranen und einem tiefen Kader, der viel Größe hat", wie Wucherer es umschrieb. "Da wird es deutlich schwieriger, sich ordentlich aus der Affäre zu ziehen." Es scheint, als schwant dem Trainer nicht viel Gutes.

Oldenburgs Bundesliga-Legende Rickey Paulding.
Foto: Heiko Becker | Oldenburgs Bundesliga-Legende Rickey Paulding.

Mit im Schnitt 92 Punkten pro Spiel sind die Oldenburger die korbhungrigste Mannschaft in der Klasse - die Würzburger werfen durchschnittlich 78,8 Zähler in jeder Partie, nur Frankfurt punktet seltener. Für Wucherer ist der Ausflug auch eine Art Reise in die Vergangenheit: Der Baskets-Coach sieht mit Oldenburgs Assistenztrainer Milos Petkovic seinen Co aus Gießener Zeiten wieder, wo die beiden auch Karsten Tadda und Braydon Hobbs trainierten, die nun bei den selbsternannten Donnervögeln Körbe verteilen.

Respekt hört man aus Wucherers Stimme, wenn es um die Großen des Kontrahenten geht, den österreichischen Nationalspieler Rasid Mahalbasic und den Amerikaner Nathan Boothe. "Und dann fällt da ja auch noch der Paulding rum", wie Wucherer scherzhaft meinte. Die Bundesliga-Legende ist mit knapp 16 Punkten pro Spiel Oldenburgs Treffsicherster, ihm fehlen laut der Liga gerade noch zwei Körbe aus dem Feld, um seine 2500 Punkte in Deutschlands Premiumklasse vollzumachen. Außerdem hat keiner mehr Dreier getroffen als Paulding, und nur einer hat mehr Partien auf dem Buckel als der inzwischen 38-Jährige (526): die Leihgabe aus München in Würzburger Diensten, Alex King, der in Oldenburg seine 595. Begegnung bestreiten wird. Die beiden sind die aktuell einzigen beiden Akteure, die über 500 Mal auf Bundesligaparkett standen.

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