Würzburg

Welche Fortschritte die Baskets gemacht haben

Trainer Denis Wucherer ist zwar nicht zufrieden - gesteht nach dem ersten Saisonsieg aber zumindest zu, dass es vorangeht. An was die Baskets noch arbeiten wollen - und müssen.
'Unfassbare Energie': Kapitän Felix Hoffmann (links, mit Vechtas Robin Christen) hatte wesentlichen Anteil am ersten Saisonsieg der Baskets.
Foto: Heiko Becker | "Unfassbare Energie": Kapitän Felix Hoffmann (links, mit Vechtas Robin Christen) hatte wesentlichen Anteil am ersten Saisonsieg der Baskets.

"Ich verpasse hier nichts und habe Zeit." Denis Wucherer sitzt im Bus auf der langen Heimfahrt durch die Nacht von Freitag auf Samstag, und während des Telefonats sind im Hintergrund zwischendurch immer wieder laut lachende und auch mal johlende Stimmen zu hören. Man muss nicht in diesem Bus sitzen, um zu erahnen, dass eine heitere Stimmung vorherrscht. Zumindest eine ziemlich gute. Nicht verwunderlich nach dem ersten Pflichtspielsieg in dieser Corona-Runde.

"Der erste Sieg ist immer sehr schwierig", sagt Wucherer durchs Handy. Und an dem Tonfall kann man erkennen: Erleichterung wabert gerade auch durch diesen Reisebus auf der 444 Kilometer langen, bestimmt gut sechsstündigen Fahrt aus Westniedersachsen nach Würzburg. Mit 88:80 hat Basketball-Bundesligist  s.Oliver Würzburg soeben bei Rasta Vechta gewonnen. Was durchaus als Überraschung durchgehen darf - nach den vier Pflichtspielen zuvor, als die Baskets in schöner Regelmäßigkeit gegen (hoch) favorisierte Gegner wie Vechta lange mitgehalten hatten, um dann binnen weniger Minuten, meist im letzten Viertel, freiwillig sozusagen ihren Kopf unter das nach dem französischen Arzt Joseph-Ignace Guillotin benannte Fallbeil zu legen.

"Es war ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Wucherer in der Nacht auf Samstag. "Wir waren in vielen Situationen eine Spur besser, offensiv wie defensiv - aber noch nicht wirklich gut." Zu viel Euphorie will der Trainer also offenbar nicht aufkommen lassen - wenngleich er zu Recht zugibt: "Unsere Ballbewegung war über die gesamte Spielzeit gesehen besser als zuletzt, und wir waren in der Verteidigung über vier Viertel ziemlich solide." 

Was zuletzt eben nur über (gut) drei Viertel galt. Also ein Fortschritt? "Wir waren heute eine Spur besser als zuletzt", sagt Wucherer, "noch nicht gut. Aber besser." Ein Trainer, egal, in welcher Sportart, ist eigentlich nie wirklich zufrieden - kann und darf es nicht sein, weil er immer Verbesserungen sehen muss (sonst macht er sich ja letztlich auch überflüssig). Dennoch: Der Auftritt der Baskets am Freitagabend in Vechta vor einigem Papplikum - zahlreiche ausgedruckte Pappkameraden saßen auf den Stühlen im ansonsten äußerst stimmungsvollen, diesmal natürlich coronabedingt von zahlenden Zuschauern befreiten Rasta Dome - hat den Anschein gemacht, dass da eine Mannschaft zusammenwachsen könnte. "Der Fortschritt war" laut Trainer: "Wir sind in keinem Viertel auseinander gefallen."

Mit 22 Punkten führte Taylor Persons (hier mit Josh Young, links, und Robin Christen) die Baskets zuzm Sieg in Vechta.
Foto: Heiko Becker | Mit 22 Punkten führte Taylor Persons (hier mit Josh Young, links, und Robin Christen) die Baskets zuzm Sieg in Vechta.

"Die Mannschaft hat sich heute belohnt", sagt Wucherer noch, und sein wichtigster Aufbauspieler, Taylor Persons, dem die Kritik seines Trainers vom vergangenen Wochenende offenbar ordentlich in den Ohren geklingelt hatte, meint: "Wir hatten heute im vierten Viertel keine Angst zu verlieren und alles dafür getan zu gewinnen. Wir haben von Anfang bis Ende hart gespielt." Er war nicht nur wegen seiner 22 Punkte mit siegbringend für die Baskets an diesem Abend.

Wie auch der Kapitän. Felix Hoffmann hat nicht nur wegen seiner zwei Dreier in sehr wichtigen Phasen der Partie enorm geholfen: Sowohl Persons als auch Wucherer verwiesen nahezu wortgleich auf die "unfassbare Energie, die Felix aufs Parkett gebracht  hat". Der 31-Jährige durfte besonders zufrieden in den Bus eingestiegen sein - selbst wenn er noch nicht einmal das Lob des gegnerischen Trainers kannte. Thomas Päch meinte: "Am Ende sind alle entscheidenden Spielzüge bei Würzburg gelandet, und das nicht ohne Grund. Sie sind einfach energischer hingegangen als wir. In solchen Spielen merkt man auch, wie wichtig Spieler wie Felix Hoffmann sind, der weniger durch seine Statistiken oder sein Talent glänzt, aber Spiele durch seine Emotionen entscheidend beeinflussen kann. Auch heute hatte er wieder Phasen, in denen er vorangegangen ist." Viel treffender kann man die Partie und vor allem Hoffmanns Auftritt nicht beschreiben.

Selbst wenn Hoffmann dann trotz der späten Stunde doch noch wieder mal eine Runde zum Kartenspielen animiert hat - eine Baskets-like abgeänderte Version von Uno -, was er auf Fahrten und in Trainingslagern gerne tut, auch, um mitzuhelfen, aus Spielern eine Mannschaft zu machen - Felix Hoffmann durfte anschließend sehr zufrieden ein Nickerchen machen. Egal, wie's karteln ausging.

Wucherer sieht seine Mannschaft  nach wie vor in einem Prozess. "Wir wissen, was wir nicht können", sagt er. Und das ist - wie ganz allgemein im Leben - oft sehr viel wichtiger als zu glauben zu wissen, was man kann. Schwächen kann man versuchen zu vermeiden - oder eben daran arbeiten.

Hart umkämpft: Joshua Obiesie setzt sich gegen Will Vorhees durch.
Foto: Heiko Becker | Hart umkämpft: Joshua Obiesie setzt sich gegen Will Vorhees durch.

Denis Wucherer sitzt jedenfalls mit einem "ziemlich guten Gefühl" im Bus. Solche langen Fahrten durch die Nacht können anstrengend sein. Je nach Ausgang des Spiels. "Es kann dauern, bis sowas sackt und man Ruhe findet", sagt Wucherer dann noch. Die Gefühlslage nach solch engen Partien kann so unterschiedlich sein: "Wenn du gewinnst", meint er, "kann es nach einem frisch geöffneten Nutella-Glas riechen. Und wenn du verlierst, als wärst du in Hundescheiße getreten. Und das kann ein und dasselbe Spiel gewesen sein. Nur, weil es durch ein oder zwei Aktionen am Ende entschieden wurde. Solche Fahrten können lang sein." Als er das sagt, ist das Gejohle im Hintergrund verstummt. Man darf annehmen, dass Ermüdung sich breitgemacht hat.

Auf der Fahrt in den Samstagmorgen von Vechta nach Würzburg lag in dem Bus vermutlich eher Nutella-Duft in der Luft.

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