Haßfurt

Haßfurt: Fridays-for-Future-Vertreter treffen auf Lokalpolitik

Sechs Schüler durften am Montagnachmittag vor dem Kreistag Haßberge sprechen. Heftige Anklagen wie die von Greta Thunberg beim Uno-Klimagipfel hörten die Politiker nicht.
So viele junge Gesichter hat es kaum einmal im Kreistag gegeben: Die Fridays-for-Future-Bewegung im Landkreis Haßberge spricht im Gremium vor. Im Bild (von links) Frieda Faber, Jule Scheuring, Moesha Nitzold, Max Faber, Kilian Leander Klug und Selina Schorr. Vorne rechts, den Schülern zugewandt, Landrat Wilhelm Schneider. 
Foto: Martin Sage | So viele junge Gesichter hat es kaum einmal im Kreistag gegeben: Die Fridays-for-Future-Bewegung im Landkreis Haßberge spricht im Gremium vor.

Selina Schorr wünschte sich Power-to-Gas-Anlagen wie die Haßfurter in praktisch allen Gemeinden im Haßbergkreis. Und Kilian Leander Klug forderte, auch die Ortschaften mit weniger als 150 Einwohnern an den öffentlichen Personennahverkehr Richtung Haßfurt anzubinden, etwa in Form der Anrufsammeltaxis, die es schon einmal in der Region gab. Schorr und Klug gehören zu den sechs Vertretern der lokalen Fridays-for-Future-Bewegung, die am Montagnachmittag vor dem Kreistag Haßberge sprechen durften. Dabei ging es freundlich und sachlich zu. 

Große Klima-Demo in Haßfurt im September: Hunderte Jugendliche und Erwachsene marschierten mit der Fridays-for-Future-Bewegung durch die Stadt, mit dabei: Parents 4 Future Haßfurt, Großeltern FF Hofheim und Haßfurts Stadtwerkchef Norbert Zösch.
Foto: Jonas Keck | Große Klima-Demo in Haßfurt im September: Hunderte Jugendliche und Erwachsene marschierten mit der Fridays-for-Future-Bewegung durch die Stadt, mit dabei: Parents 4 Future Haßfurt, Großeltern FF Hofheim und Haßfurts ...

Bevor die Jugendlichen ihre Sicht auf Klimawandel und Klimaschutz darlegen durften, unternahm Landrat Wilhelm Schneider (CSU) einen Schnelldurchgang durch das, was der Landkreis und seine Kommunen zum Erhalt der Natur und zur Reduzierung von klimaschädlichen Emissionen tun - und schon lange vor Aufkommen der Klimawandel-Diskussion getan hätten. 

Die GUT war "bayernweit einmalig"

Schneider erinnerte an die Investitionen in regenerative Energien mit der Gründung der Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte im Landkreis Haßberge (GUT) nach dem Atomausstieg der Bundesrepublik. "Das war damals einmalig in Bayern", stellte der Landrat fest, und gipfelte vor allem im Bau von zehn Windkraftanlagen im Sailershäuser Wald und einem Energienutzungskonzept für den Landkreis. 

Das Kreisoberhaupt führte die energetische Sanierung von kommunalen Gebäuden an, die Realsierung von Nahwärmenetzen, den Bau von Radwegen, den Beitritt des Landkreises zum Verkehrsgroßraum Nürnberg und das Bestreben, sich auch dem Verkehrsverbund Mainfranken anzuschließen. Der Kreis ergänze das Nahverkehrskonzept mit einem Mobilitätskonzept, das zum Beispiel auch E-Dorfautos vorsehe. Schneider bezog das Leader-Projekt "Blühender Landkreis" ebenso in seine Aufzählung ein wie das Umweltbildungszentrum in Oberschleichach, das sich seit 28 Jahren den Themen Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein verschrieben habe.

Nach seiner Rede erhielt der Landrat nicht nur Beifall von den Kreistagsmitgliedern, sondern auch von den jungen "Fridays-for-Future"-Aktivisten. Umgekehrt bekräftigte etwa Kreisrat Wolfgang Borst (CSU, Hofheim): "Wir können durch die Bank alles unterschreiben, was hier vorgetragen wurde". So hatten die Schüler etwa mehr Einsatz im Kampf gegen die Vermüllung der Meere mit Plastik und in diesem Zusammenhang ein besseres Recycling gefordert. Der Ruf nach häufigeren Müllsammelaktionen in Feld und Flur wurde ebenso laut wie der nach mehr Baumpflanzaktionen.

"Eltern-Taxi-Tourismus" an Schulen abschaffen

Kleine Sticheleien gab es schon, auch in Richtung der Schüler. Etwa diejenige, dass an den Schulen die Einstellung des regen Eltern-Taxi-Tourismus massiv zur CO2-Einsparung beitragen würde. "Früher sind wir doch auch gelaufen oder haben zwei Stunden auf den Bus oder die Bahn gewartet", hieß es da seitens er Lokalpolitiker. Gerhard Zösch (CSU, Sand) warnte angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung der Autobranche davor, das Automobil zu verteufeln. Seinen Hinweis, dass der Durchschnittsverbrauch der Pkw heute viel niedriger sei als vor 40 Jahren, konterten die Klima-Aktivisten mit dem Argument, dass die Anzahl der Kraftfahrzeuge seither aber stark angestiegen sei.

Keine vertiefte Auseinandersetzung

Herbert Baum (fraktionslos, Maroldsweisach) wollte nicht so recht daran glauben, dass die Menschen im Haßbergkreis und anderswo den Stil ihres guten und bequemen Lebens ändern werden, was Voraussetzung für das Aufhalten des Klimawandels sei. Und Heinrich Goschenhofer (FDP/Freie Bürger, Hofheim) hob die Diskussion auf eine globale Ebene, sprach beim Klima von Kipppunkten, jenseits derer alle Bemühungen im Kampf gegen die Temperaturerhöhung umsonst sind. Doch auch das Fridays-for-Future-Sextett zeigte keine Lust auf solche entweder ideologische oder tief wissenschaftliche Debatten. Vielmehr forderte die Jugend von der Kreispolitik, für mehr Transparenz bei allen Bemühungen für Klima- und Umweltschutz zu sorgen, Landrat Schneider gestand hier durchaus Nachholbedarf ein.

So endete das Zusammentreffen der Lokalpolitiker mit den Fridays-for-Future-Aktivisten, deren Frontfrau Selina Schorr (Krum) erst kürzlich zur Vorsitzender der neu gegründeten Schülerunion Haßberge gewählt wurde, mit dem eher vagen Versprechen, in Kontakt bleiben zu wollen. 

Lesern Sie zu diesem Artikel auch den Kommentar "Der Kreis darf beim Klima nicht stumm bleiben" von Martin Sage

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