Gemünden

Handlungsbedarf an der Gemündener Scherenburg

Die Mauern der Ruine in Gemünden sind in den vergangenen Jahren nur geflickt worden. Eine teure Sanierung ist vermutlich unumgänglich, wie ein Gutachten ergab.
Ein Stück der Stadtmauer unterhalb der Scherenburg in Gemünden ist im Frühjahr 2019 eingestürzt.
Foto: Björn Kohlhepp | Ein Stück der Stadtmauer unterhalb der Scherenburg in Gemünden ist im Frühjahr 2019 eingestürzt.

In den vergangenen Jahren ist an den Mauern der Scherenburg immer wieder herumgeflickt worden. 2015 wurde ein Stück Mauer neben dem Bergfried, dem Turm, herausgebrochen und gerade noch vor den Scherenburgfestspielen erneuert. Es hatte sich bedenklich nach innen gewölbt. Im Winter 2018/19 brach aus der Mauer unterhalb der Scherenburg, die sich hinunter in die Stadt zieht, erst ein kleines Stück heraus. Nach ersten Sicherungsmaßnahmen machte sich dann eine ganze Ladung selbstständig. Prallböcke verhinderten immerhin, dass die Steine weiteren Schaden anrichteten. Jetzt sollen die Mauern der Scherenburg grundlegend angegangen werden. Vergangenes Jahr wurde ein Ingenieurbüro mit der Prüfung des Gemäuers beauftragt. Die Ergebnisse wurden jetzt dem Gemündener Stadtrat präsentiert.

"Was ist denn mit unserer Burg?" In manchen Bereichen schaut es nicht gut aus, was selbst Laien erkennen können. Durch Bewuchs an der Mauerkrone und an den Flanken können Wurzeln Steine lösen. In vielen Bereichen sind Fugen offen, so dass eindringendes Wasser und Frost erheblichen Schaden anrichten können.

Manche Teile "gut" andere "mangelhaft"

Um die Frage genauer beantworten zu können, wurde zunächst ein Vermessungsbüro mit einer detaillierten Bestandsaufnahme beauftragt. Anschließend folgte eine Beurteilung der Tragfähigkeit durch einen Statiker. Die Ergebnisse fielen für die verschiedenen Teile der Burg unterschiedlich aus. Während sich der Bergfried wie auch der markante Stufengiebel im nördlichen Eck in einem guten Zustand zeigt, wird die südliche Ringmauer mit Tor, die 2015 geflickt wurde, als ungenügend eingestuft, der darunter anschließende Teil der Ringmauer sogar als mangelhaft. Auch der Zustand   der nördlichen Schenkelmauer hinab zum Mühltorturm in Richtung Schönau bekam ein "mangelhaft".

Im Sommer 2015 wurde ein Teil der Mauer neben dem Bergfried abgetragen und wieder neu aufgebaut.
Foto: Björn Kohlhepp | Im Sommer 2015 wurde ein Teil der Mauer neben dem Bergfried abgetragen und wieder neu aufgebaut.

Klar ist also, es muss mehr gemacht werden am Gemündener Wahrzeichen als nur Flickwerk. Die Kosten gehen jedoch in die Hundertausende. Die Sanierung der 70 Meter langen nördlichen Schenkelmauer würde allein vermutlich knapp 600 000 Euro kosten. Die Stadt klärt deshalb zunächst einmal Zuschussmöglichkeiten und erarbeitet einen mittelfristigen Sanierungsplan. Kurzfristig angegangen werden muss die südliche Ringmauer mit dem Tor, was geschätzte 50 000 Euro kosten wird. Zum Teil bedeutet eine Sanierung wohl: abreißen und neu aufbauen, so Bauamtsleiter Jörg Breitenbach.

Lippert: zunächst das Dringlichste

Stadtrat Matthias Risser (CSU) sieht die Gesamtlage als "dringlich" an. "Es sollte in zwei, drei Jahren gemacht werden, egal was es kostet." Beim Entkrauten der Mauer könnten auch Freiwillige helfen. Der Halbturm hinter dem Backo sehe zudem inzwischen "noch grausamer" aus als früher. Man werde zunächst das angehen, was am dringlichsten ist, kündigte Bürgermeister Jürgen Lippert an. Den Rest habe man auf dem Schirm.

Monika Poracky (SPD) und Wolfgang Remelka (BfB) trieb die Frage um, ob durch den geplanten Bau einer Tribüne für die Scherenburgfestspiele hinter der Scherenburg und die dadurch entstehenden Vibrationen für das Gemäuer eine Gefahr ausgeht. Breitenbach sagte, dass der Ist-Zustand der Mauern ja erfasst sei als Beweissicherung. Bürgermeister Lippert sagte, dass die Stadt darauf achten werde, dass sich durch Arbeiten in der Nähe nichts verschlechtere.

Seltener Farn an der Scherenburg

Robert Lampert (CSU) mahnte, den Farn im Bereich des Turms wachsen zu lassen. Laut dem verstorbenen Naturschützer Jürgen Lang gebe es von der Farnart nördlich der Alpen nur zwei Vorkommen, eine davon an der Scherenburg.

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