Schweinfurt

Umwelt 2020: Ausgetrocknete Bäche und sterbende Bäume

Die Landesgartenschau im Jahr 2026 ist zigfach beschlossen und nach wie vor umstritten. Der Wald hatte ungebetenen Besuch: den Borkenkäfer und den Schwammspinner.
'Der Supergau im Stadtwald' – so titelte die Redaktion über den Borkenkäferbefall. Gelagert wurde das Käferholz auf einer Freifläche im Industriepark Maintal.
Foto: Gerd Landgraf | "Der Supergau im Stadtwald" – so titelte die Redaktion über den Borkenkäferbefall.

Wer unternimmt, was seit Corona immer mehr Schweinfurter tun, und sich auf in die Natur in und rund um die Stadt macht, der sieht, dass allenthalben Blüh- und Streuobstwiesen angelegt, dass im Wald der naturnahe Unterbau mit Jungbäumen wachsen darf und Schilder, die Rücksicht auf die Vogel-, Tier- und Pflanzenwelt einfordern, aus dem Boden schießen. Genauso zeigen sich die Folgen des Klimawandels. Erst mit dem Aussterben der Baumart scheint das Absterben der Fichten zu enden. Sinkende Grundwasserspiegel lassen die Bäche vertrocknen. Trockenheit und Hitze hatten auch in diesem Sommer die Böden aufgerissen.

Besuch aus Berlin im Wald

Prominenten Besuch bekam am 15. Oktober der Gemeindewald Wasserlosen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner erfuhr dort, dass der Wald als stärkste Waffe im Kampf gegen die Klimaerwärmung kränkelt. Die Experten erklärten, dass die Geschwindigkeit bei den erwarteten Schäden in Fichten- und Kieferbeständen überrasche und die Entwicklung bei den hier seit Jahrtausenden wachsenden Laubhölzern besorgniserregend sei. 

In Schweinfurt künftig nicht mehr erlaubt: Gestaltung der Vorgärten mit Kies und Schotter.
Foto: Gerd Landgraf | In Schweinfurt künftig nicht mehr erlaubt: Gestaltung der Vorgärten mit Kies und Schotter.

Gezeigt wurden der Ministerin vertrocknete Buchen, die noch vor wenigen Jahren als Hoffnungsschimmer galten, und der von der Rußrindenkrankheit fast ausgelöschte Bergahorn. Stephan Thierfelder vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten räumte ein, dass auf den ersten Blick der Wald einen ganz normalen Eindruck hinterlasse. Tatsächlich hätten jedoch sieben von zehn Hauptbaumarten Vitalitätsprobleme.

Das Gießwasser für die Landesgartenschau soll aus dem Klärwerk bis zum Stadion gepumpt werden.
Foto: Stefan Rose | Das Gießwasser für die Landesgartenschau soll aus dem Klärwerk bis zum Stadion ...

Der Baum des Klimawandels ist noch nicht gefunden

Gestritten wurde unentwegt über die Verkehrspolitik – über den Ausbau der Radwege, der in der Stadt nicht vorankomme, über die Reaktivierung der Steigerwaldbahn oder etwa über die vierspurige B 286 zwischen Schweinfurt und Schwebheim. In Januar verpflichtete sich der Stadtrat, beim Neubau von städtischen Gebäuden stets auch die bestmögliche energetische Alternative zu begutachten. Als Erfolg wurde das vor eineinhalb Jahren eingeführte Carsharing (drei Autos an drei Standorten) gefeiert. Schweinfurts Gärtner setzten bei den Stadtbäumen auf einen möglichst bunten Sortenmix, denn der Baum des Klimawandels sei noch nicht gefunden. 

Mit schwerem Gerät wird eine Wasserleitung von Schweinfurt nach Wonfurt gebaut.
Foto: Gerd Landgraf | Mit schwerem Gerät wird eine Wasserleitung von Schweinfurt nach Wonfurt gebaut.

Während im Februar die Stadtrandgemeinde Dittelbrunn verkündete, dass man in zehn Jahren 10 000 Bäume pflanzen wolle, sorgte die Fällung der altersschwachen Schwarzpappel am Spitalseebunker für Kritik. Orkan Sabine verschonte Schweinfurt weitgehend, und in Sachen Umwelt punktete das Rathaus mit seinen Plänen für die Bebauung Kessler Field: klimaneutral mit 230 Wohneinheiten auf zwölf Hektar. Im März machte nicht nur, aber insbesondere Bergrheinfeld gegen Suedlink mobil, und der Forst stritt mit Umweltschützern über den Einsatz von Mimic bei der Schwammspinnerbekämpfung aus der Luft.

Im Frühjahr kam der Schwammspinner bis zur Bebauung auf der Haardt.
Foto: Gerd Landgraf | Im Frühjahr kam der Schwammspinner bis zur Bebauung auf der Haardt.

Ansturm auf Naherholungsgebiete

Im April wehrten sich die Jäger gegen den Vorwurf, nicht genügend Rehe zu schießen. Im Mai konnten die Schweinfurter endlich wieder den Wildpark und auch den Baumwipfelpfad bei Ebrach besuchen. Gerichtet war der Jägerpfad zur Bismarckhöhe auf der Mainleite. Dort wie auch in vielen Naturschutz- und Vogelschutzgebieten sorgte der Ansturm von Erholungssuchenden für Probleme.

Die Stadtgärtner haben ein Alleenkonzept entwickelt, das Schatten und Abkühlung verspricht.
Foto: Gerd Landgraf | Die Stadtgärtner haben ein Alleenkonzept entwickelt, das Schatten und Abkühlung ...

Eine Auswertung von Luftbildern ergab im Juni, dass Schweinfurt ähnlich viele Bäume wie Einwohner hat: über 50 000. Dauerthema war die Landesgartenschau, für die sich im Stadtrat immer eine Mehrheit fand. Weil etwa der Rhön-Maintal-Gruppe Engpässe beim Trinkwasser drohen, bauen die Stadtwerke eine 26 Kilometer lange Wasserleitung von den Brunnen in der Wehr nach Wonfurt. Im Herbst sorgten die für 2021 angekündigte Leerung des Ellertshäuser Sees  und das Verbot von Kies und Schotter bei der Gestaltung von Vorgärten für Schlagzeilen.     

Noch nie musste der Bauhof so viel Müll in den Parks einsammeln, wo die privaten Feiern zunahmen.
Foto: Gerd Landgraf | Noch nie musste der Bauhof so viel Müll in den Parks einsammeln, wo die privaten Feiern zunahmen.
Aussicht vom Jägerpfad, den der Bauhof hergerichtet und sicher gemacht hat.
Foto: Gerd Landgraf | Aussicht vom Jägerpfad, den der Bauhof hergerichtet und sicher gemacht hat.
Hat die Steigerwaldbahn eine Zukunft? Das Thema ist in der ganzen Region ein Dauerbrenner.
Foto: Edo Günther | Hat die Steigerwaldbahn eine Zukunft? Das Thema ist in der ganzen Region ein Dauerbrenner.
Umstritten war die Fällung der Schwarzpappel am Spitalseebunker.
Foto: Oliver Schikora | Umstritten war die Fällung der Schwarzpappel am Spitalseebunker.
Ehrenamtlich gingen Mitglieder des Aero-Clubs zur Waldbranderkundung in die Luft.
Foto: Gerd Landgraf | Ehrenamtlich gingen Mitglieder des Aero-Clubs zur Waldbranderkundung in die Luft.
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