Würzburg

Corona: Wie mainfränkische Möbelhäuser mit knappem Platz umgehen

Möbelhäuser waren darüber nicht begeistert: Anders als Baumärkte durften sie in Bayern bisher nur 800 Quadratmeter für Kunden öffnen. Das soll sich nun aber ändern.
Probesitzen nicht möglich: Auch im Möbelmarkt Opti-Wohnwelt in Schweinfurt ist die Verkaufsfläche wegen Corona derzeit auf 800 Quadratmetern begrenzt.  
Foto: Anand Anders | Probesitzen nicht möglich: Auch im Möbelmarkt Opti-Wohnwelt in Schweinfurt ist die Verkaufsfläche wegen Corona derzeit auf 800 Quadratmetern begrenzt.  

Sich probeweise auf ein Sofa setzen, bevor man es kauft: Normalerweise ist das kein Problem. Doch in Corona-Zeiten gestaltet sich auch die Einrichtung des Wohnzimmers komplizierter als sonst. Weiß-rotes Absperrband sorgt in einigen Möbelhäusern momentan noch dafür, dass sich die Kunden nur auf den erlaubten Flächen bewegen. Wie wertvolle Exponate in Museen können Küchen und Schränke oft nur aus einer gewissen Entfernung begutachtet werden.

Zwar dürfen Möbelhäuser seit vergangener Woche in Bayern wieder öffnen. Jedoch ist ihre Verkaufsfläche bis jetzt noch auf 800 Quadratmeter beschränkt. Wie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag verkündete, soll diese Regelung in der kommenden Woche aufgehoben werden. Es sei sehr erfreulich, dass man von nächstem Montag an wieder die gesamte Fläche der Einrichtungshäuser für die Kunden öffnen kann, erklärt Volker Michels, Unternehmenssprecher der Möbelhauskette XXXL Lutz mit Sitz in Würzburg. In Nordrhein-Westfalen sei das bereits seit rund zwei Wochen so geregelt. Dort funktioniere das Konzept zum Schutz von Kunden und Mitarbeitern gut.

Ärger über 800 Quadratmeter-Regelung bei Möbelmärkten

Andere Möbelhäuser in Mainfranken begrüßen ebenfalls die angekündigte Aufhebung der 800-Quadratmeter-Regelung. Bisher sorgte diese bei einigen von ihnen für Unverständnis und Ärger. "Gerade wir Großflächenanbieter können die Einhaltung sämtlicher Abstandsregelungen und damit den Schutz der Mitarbeiter und Kunden in höchstem Maß gewährleisten", sagte Oliver Föst, Geschäftsführer von Opti-Wohnwelt mit 17 Einrichtungshäusern in Deutschland und Sitz in Niederlauer (Lkr. Rhön-Grabfeld). Er forderte daher die "sofortige Öffnung von Einrichtungshäusern".

Ähnlich äußerte sich Sebastian Spitzhüttl, Geschäftsführer des Möbelhauses Spitzhüttl in Neubrunn (Lkr. Würzburg): "Obwohl wir die Entscheidungen der Politik größtenteils verstehen können, so ist doch die Schließung unserer Ausstellungsräume nicht nachvollziehbar." Schließlich sei es gerade als Möbelhaus mit großen Ausstellungsflächen einfach, jegliche Hygienevorschriften einzuhalten, "viel leichter als beispielsweise für Supermärkte oder Baumärkte". Zumindest habe man in der Corona-Zeit den Umsatz durch den Onlinehandel deutlich steigern können. Allerdings konnte das laut Spitzhüttl die fehlenden Einnahmen durch das stationäre Geschäft nicht einmal ansatzweise ausgleichen.

Kunden enttäuscht, dass nicht alle Abteilungen geöffnet sind

Auch Jan Angermüller, der zusammen mit seinem Vater das Einrichtungshaus Angermüller in Salz bei Bad Neustadt (Lkr. Rhön-Grabfeld) leitet, sah die bisherigen Regelungen kritisch. Sein Möbelhaus habe immerhin 13 000 Quadratmeter. Dürfte er einen Kunden pro 20 Quadratmeter eintreten lassen, dann könnten bis zu 650 Personen in sein Möbelhaus, rechnet Angermüller vor. "Selbst in unseren umsatzstärksten Monaten an Spitzentagen im Winter haben wir nie mehr als 100 Personen gleichzeitig im Haus." Er könne verstehen, dass Kaufhäuser in Ballungszentren andere Frequenzen an den Tag legen. "Hier wurde aber der ländliche mit dem urbanen Raum gerade über einen Kamm geschert, ohne Besonderheiten zu berücksichtigen."

Wie mehrere Möbelhäuser berichten, sorgten die bisherige Regelung auch für Unmut bei manchen Kunden. Es sei für manche ärgerlich, wenn sie spontan vorbeikommen und sich in der Bettenabteilung umsehen wollen, aber nur der Küchenbereich geöffnet hat, berichtet Astrid Feser, Mitarbeiterin von Möbel Hornung in Zellingen (Lkr. Main-Spessart). Derzeit sei durch die Beschränkungen nur ein Bruchteil des Sortiments für die Kunden zugänglich. Feser: "Unsere Berater können den Rest der Ausstellung über Videos auf dem Tablet zeigen. Aber das ist natürlich nicht dasselbe.“

Nicht alle Einrichtungshäuser in der Region hatten bisher die Möglichkeit genutzt, 800 Quadratmeter ihrer Verkaufsfläche zu öffnen. Der Ikea-Markt in Würzburg ist beispielsweise noch geschlossen.

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