Breitbrunn

Breitbrunn: So soll die Sandstein-Erlebniswelt aussehen

Das ehrgeizige Projekt möchte auf rund 5600 Quadratmetern viele Aspekte der Geschichte beleuchten. Was dort zu sehen sein wird und was sonst noch geplant ist.
Das Gebäude der Bayerischen Schleifsteinwerke mit dem Nebenhaus ist heute noch im Besitz der Familie Brünner. Das Bild stammt aber aus vergangenen Zeiten - wie am Dienstwagen der Firma Ankenbrand im Vordergrund zu erkennen ist. 
Foto: Repro: Günther Geiling | Das Gebäude der Bayerischen Schleifsteinwerke mit dem Nebenhaus ist heute noch im Besitz der Familie Brünner. Das Bild stammt aber aus vergangenen Zeiten - wie am Dienstwagen der Firma Ankenbrand im Vordergrund zu ...

Kommt sie oder kommt sie nicht, die „Erlebniswelt Fränkischer Sandstein“? In dieser Frage gab es in den vergangenen Wochen die eine oder andere komplette Kehrtwende.  Nach aktuellem Stand wird das Projekt verwirklicht. Die Gemeinde möchte einen touristischen Schwerpunkt setzen und sich um Tagesausflügler bemühen, die in Kleingruppen in der Natur unterwegs sind.

Der Abbau von Sandsteinen hat im fränkischen Keupergebiet der Haßberge eine lange Tradition. Dabei ist Breitbrunn in besonderer Weise mit dem Sandstein verbunden. Steinbrucharbeiten im Gebiet der Gemeinde werden seit dem Ende des 16 Jahrhunderts nachgewiesen. So ist in alten Gemeinderechnungen  von einem „gemeinen Steinbruch“ die Rede, auch ein örtlicher Steinmetz wird erwähnt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Steinhauerei zu einer bedeutenden Sandsteinindustrie.

Die großen Walzen wurden am Bahnhof in Ebelsbach auf Güterzüge verladen.
Foto: Repro: Günther Geiling | Die großen Walzen wurden am Bahnhof in Ebelsbach auf Güterzüge verladen.

Hier wären die 1850 von Engelbrecht und Kaspar Ankenbrandt gegründeten „Bayerischen Schleifsteinwerke“ und die von Conrad Vetter gegründeten Deutschen Steinwerke C. Vetter zu nennen. Sie beschäftigten 1898 über 800 Mitarbeiter und gingen 1904 sogar an die Börse. 1888 hat die Firma Ankenbrand den ersten Steinbruch in Breitbrunn errichtet, 1893 zog die Firma Vetter nach. 1909 legte zudem die Firma Keller einen Steinbruch an. Das war der „Kellerbruch“ direkt an der Staatsstraße, 300 Meter vor dem Ortseingang von Breitbrunn, der nun zu einer Erlebniswelt für den Sandstein entwickelt werden soll. Aber es gab noch weitere Steinbrüche wie die der Firma Gleußner in Neubrunn und Schönbrunn oder auch in der Gegend von Zeil und Sand.

Hilfe bei der Zuckerrohrernte auf Kuba

In der Blütezeit dieser Steinindustrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts fertigten die Menschen aus dem Bodenschatz der Haßberge vor allem Schleifsteine und Schleifwalzen für alle Welt. Große Walzen wanderten in Glasschleifereien, Tausende kleine Schleifsteine über den Ozean nach Kuba, um dort die Haumesser für die Zuckerrohrernte zu schleifen.

So sah einer der letzten eisenbereiften Holzwagen aus. Pferdegespanne brachten die mächtigen Walzen nach Ebelsbach, wo die auf den Abtransport per Bahn warteten. 
Foto: Repro: Günther Geiling | So sah einer der letzten eisenbereiften Holzwagen aus. Pferdegespanne brachten die mächtigen Walzen nach Ebelsbach, wo die auf den Abtransport per Bahn warteten. 

Die Firma Ankenbrand war im Breitbrunner Steinbruch „Rossberg“ am längsten aktiv. Ihr Geschäftsführer Erhard Brünner, von 1966 bis 1990 Bürgermeister der Gemeinde, übernahm dann die Firma. Sie stellte als einzige Firma in Deutschland Walzen bis zu einer Höhe von 2,50 Metern und einem Durchmesser von zwei Metern her. Bis zu 18 Tonnen wog ein solches Stück. 

Der Sandstein wird in viele Regionen der Welt geliefert  

Noch in den 1980-er Jahren lieferte das Unternehmen eine solche Walze auf die Insel Mauritius. Allein die Transportkosten mit Lkw und dem Schiff beliefen sich damals auf 9000 Mark - zusätzlich zum Warenpreis, der dank echter Handarbeit nicht unbedingt gering war. Denn ein Arbeiter war damals bis zu sechs Wochen mit Fäustel und Meißel beschäftigt, um um eine Walze fertigzustellen. Die Firma Ankenbrand war international tätig, die Kunden kamen beispielsweise aus Südamerika, Afghanistan, Indien oder dem Ostblock.

Im Steinbruch am Roßberg wird vom Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser noch der weiße Sandstein abgebaut, der unter der Erdschicht mit bis zu sechs Meter mächtigen Blöcken zu sehen ist.
Foto: Günther Geiling | Im Steinbruch am Roßberg wird vom Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser noch der weiße Sandstein abgebaut, der unter der Erdschicht mit bis zu sechs Meter mächtigen Blöcken zu sehen ist.

Das Brechen der Steine im Steinbruch und das Zuschlagen galt als aufgrund fehlender technischer Hilfsmittel extrem anstrengende körperliche Arbeit. In den dunkeln Zeiten der deutschen Geschichte waren Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangene dort im Einsatz. 

Abtransport mit dem Pferdegespann war schwierig

Zum Beginn der Blütezeit war der Transport der großen Steinblöcke und Walzen von Breitbrunn zum Bahnhof nach Ebelsbach Sache von Pferdegespannen, erst ab den 1930-er Jahren übernahmen das Lkw. Ehemalige Steinbrucharbeiter erzählten später von den Zeiten, als sie ihre fertigen Produkte mit eisenbereiften Holzwagen abfuhren.  Alle mussten zugreifen. Nicht selten geschah es, dass die Fuhrwerke auf den Wegen versanken. Es war ein Abenteuer, bis die Walzen am Ebelsbacher Bahnhof waren. 

Im Jahr 1991 übernahm dann nach dem Tod von Erhard Brünner sein Sohn Wernfred die Fortführung der Bayerischen Schleifsteinwerke. Der Fokus lag bis 2003, dem Tod des Inhabers, auf der maschinellen Fertigung von kleineren Schleifsteinen. Seitdem ist das „Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser“ Besitzer des Steinbruchs am „Rossberg“ in Breitbrunn. Der hochwertige, weiße Sandstein findet aktuell hauptsächlich in der Restaurierung historischer Bausubstanz in der Denkmalpflege und bei besonderen Bauten Verwendung.

Blick in den aufgelassenen Kellerbruch, in dem die „Erlebniswelt Fränkischer Sandstein“ entstehen soll.
Foto: Günther Geiling | Blick in den aufgelassenen Kellerbruch, in dem die „Erlebniswelt Fränkischer Sandstein“ entstehen soll.

Als das Unternehmen Graser 2012 den aufgegebenen „Kellerbruch“ erwarb, eröffnete sich nach einer Anregung der damaligen Bürgermeisterin Gertrud Bühl die Möglichkeit, diesen Standort als „Sandstein-Museum“ins Auge zu fassen.  Geschäftsführer Martin Graser, Vorsitzender des Fördervereins, hat der Gemeinde das Gelände des Kellerbruchs günstig zur Verfügung gestellt. Im Plan ist enthalten, dass er auch dort Sandstein abbauen will und der Besucher der Erlebniswelt damit in einem „Schau-Steinbruch“ Einblicke in den laufenden Steinbruchbetrieb an besonderen Tagen erhalten kann.

Ein Erlebnisort für die Menschen aus der Region 

Die geplante „Erlebniswelt Fränkischer Sandstein Breitbrunn“ stellt fünf Leit- und Konzeptziele in den Mittelpunkt. Es soll ein Erlebnisort für die Bürger der Landkreise Haßberge und Bamberg werden. Er soll die Geschichte des Sandsteins darstellen, aber auch auf die heutige Gewinnung und Verwendung aufmerksam machen. Außerdem soll die Erlebniswelt den Tourismus in der Region stärken und zur Vernetzung von Akteuren beitragen, die mit dem Sandstein kulturelle, touristische und wirtschaftliche Ziele verbinden.

So sah es früher beim Abbau des Sandsteins aus. Es war damals reine Handarbeit, ein Dreibock war die einzige technische Hilfe.
Foto: Repro: Günther Geiling | So sah es früher beim Abbau des Sandsteins aus. Es war damals reine Handarbeit, ein Dreibock war die einzige technische Hilfe.

Angedacht ist ein Themenpark mit mehreren Modulen. Kalkuliert wird mit einer Besucherzahl zwischen 5000 bis 7000 Gästen pro Jahr. Herzstück soll die Steinbruchsvilla mit Veranstaltungsraum und Ausstellungen werden. In dem Neubau sollen wetterunabhängige Vorträge, Kurse und Seminare sowie gesellige Zusammenkünfte stattfinden können. Dazu ist eine Ausstellung geplant. Unter dem Titel „Die Steinbarone vom Obermain“ sollen die Geschichte der Steinbrüche und die ihrer Besitzer angerissen werden. 

Alte Arbeitsgeräte dienen der Veranschaulichung

In den Resten der bestehenden Steinbruchshütte, die dereinst als Brotzeit- und Waschraum Verwendung fand,  werden die „Steinhauer der Haßberge und des Steigerwaldes“ beleuchtet. Gerätschaften wie Kran, Zugkarren oder Kipploren sollen die Ausstellung bereichern. Um den Abbau erlebbar zu machen, soll ein Schausteinbruch mit Aussichtsplattform entstehen. Eine eigene Schlucht soll dafür in den Felsen gefräst werden.

Bis ins aktuelle Jahrtausend fertigten die Handwerker kleinere Schleifsteine an. Drehmaschinen erleichterten den Menschen im Laufe der Zeit die Arbeit erheblich. 
Foto: Repro: Günther Geiling | Bis ins aktuelle Jahrtausend fertigten die Handwerker kleinere Schleifsteine an. Drehmaschinen erleichterten den Menschen im Laufe der Zeit die Arbeit erheblich. 

Events sollen nach den aktuellen Planungen dort ebenfalls möglich sein. Eine 70 Quadratmeter große Bühne ist vorgesehen, maximal 1000 Gäste können einer Veranstaltung beiwohnen. Bouldern soll ebenfalls ermöglicht werden. Das 5600 Quadratmeter große Areal wird ergänzt durch ein Biotop, wo Interessierte Frösche, Kröten oder Molche in einem Tümpel beobachten können. Ein Infopunkt Geologie und ein Sandspielplatz komplettieren das Angebot. 

Das Projekt kostet rund 900 000 Euro 

Der gesamte Themenpark soll rund 900 000 Euro kosten, der Gemeinderat Breitbrunn als Träger hat seine Beteiligung auf 175 000 Euro gedeckelt. Das Amt für ländliche Entwicklung hat seine finanzielle Unterstützung zugesagt, aus den Leader-Programmen fließen ebenfalls Gelder. Die Gemeinde Breitbrunn hofft noch auf Spender und sieht im Förderverein einen Partner, der mit Veranstaltungen und Aktivitäten für die Attraktivität der „Erlebniswelt Fränkischer Sandstein“ in Breitbrunn sorgen möchte.

Auf einem Vorfeld lagern die homogenen Sandsteinkörper.
Foto: Günther Geiling | Auf einem Vorfeld lagern die homogenen Sandsteinkörper.

Das Leben eines Arbeiters im Steinbruch

Die tägliche Arbeitszeit der Steinhauer begann morgens um 6 Uhr und betrug meist 10 Stunden, wobei die Wochenarbeitszeit bei 50 Stunden lag. Viele Steinhauer erkrankten früh, wurden teilweise nur 40 Jahre alt und starben nach langem Siechtum an der Silikose.
Der Stundenverdienst betrug in den 20er-Jahren um die 40 Pfennig. Im Vergleich hierzu kostete ein halber Liter Bier 50 Pfennig, ein Brötchen 5 Pfennig und eine dünner Scheibe Leberkäse 10 Pfennig. Oft brachten aber auch Frauen in Essgeschirren ein warmes Essen zum Steinbruch. Dort gab es Kantinen, wo die Arbeiter anschreiben lassen konnten. Ihr Lohn wurde meist 14-tägig oder  wöchentlich ausbezahlt. Die Rechnungen mussten dann an der Kantine beglichen werden. So mancher Arbeiter soll dann ohne Lohn nach Hause gekommen sein.
Quelle: Recherchen Günther Geiling
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