Schweinfurt

Oberbürgermeisterwahl 2020: Wer kandidiert in Schweinfurt?

Der Wahlkampf ist in vollem Gange, drei Kandidaten stellen sich in Schweinfurt zur Wahl. Das sind ihre politischen Ansichten, Ziele und Pläne für den Fall einer erfolgreichen Kandidatur.
Das Rathaus in Schweinfurt.
Foto: Oliver Schikora | Das Rathaus in Schweinfurt.

Drei Kandidaten wollen in Schweinfurt Oberbürgermeister oder Oberbürgermeisterin werden. Das Spektrum reicht von konservativen über sozialdemokratische bis zu grünen Kandidaten. Die Erfahrung in Sachen Kommunalpolitik könnte unterschiedlicher kaum sein. Neben dem CSU-Amtsinhaber tritt eine bekannte SPD-Stadträtin an sowie ein Quereinsteiger von den Grünen, der allerdings über große Erfahrung in der Landespolitik verfügt. 

Wer kandidiert 2020 um das Amt des Bürgermeisters in Schweinfurt?

Sebastian Remelé (CSU): Amtsinhaber Remelé ist Volljurist, er wurde im Mai dieses Jahres von der Mitgliederversammlung mit 100 Prozent der Stimmen zum Oberbürgermeister-Kandidaten gewählt. "Wir werden nicht aus Dankbarkeit gewählt", erklärte Remelé damals, "sondern weil man glaubt, dass wir die Zukunft gestalten." Sein Programm stellte er bei der Listen-Nominierung der CSU im November vor, es hat auch eine deutlich "grünere" Ausrichtung als früher. Remelé, dessen Fraktion mit 21 von 44 Stadtratsmandaten keine eigene Mehrheit hat, definiert sich als Kandidat der Mitte: "Wir sind die bürgerliche Mitte, die Sie mit Maß in die Zukunft führt, jenseits apokalyptischer Ängste und politischem Fanatismus", sagte er im November. Remelé war vor seiner Amtszeit seit 2008  Stadtrat für die CSU, arbeitete als Rechtsanwalt in einer Schweinfurter Kanzlei. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.

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Holger Laschka (Bündnis 90/Die Grünen): Als erste Kandidat für die Oberbürgermeister-Wahl kam  im April für die Grünen Holger Laschka. Der 52-Jährige frühere Redakteur dieser Redaktion ist gebürtiger Schweinfurter, lebt inzwischen auch wieder hier und arbeitet seit acht Jahren als Pressesprecher der Grünen-Fraktion im bayerischen Landtag in München. Für die letzten drei Wochen des Wahlkampfs hat Laschka angekündigt, dauernd vor Ort zu sein. Die Grünen wollen ihren Umfrage-Höhenflug auch in Schweinfurt nutzen, mehr als bisher drei Stadträte stellen. Laschka will Schweinfurt zum Vorreiter in Sachen ökologische Energiewende machen, als klimaneutrale, sozial gerechte, lebenswerte Stadt. Gegenüber der bisherigen Politik des OB findet er klare Worte: "Schweinfurt hat die Energiewende verpennt. Hier liegt Mehltau über der Stadt." Laschka ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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Marietta Eder: "Aufbruchstimmung" verbreiten will SPD-Kandidatin Marietta Eder, die im September mit großer Mehrheit als OB-Kandidatin gewählt wurde. Die 42 Jahre alte verheiratete Gewerkschaftssekretärin lebt seit Jahrzehnten in der Wälzlagerstadt. In der SPD ist sie als stellvertretende Landesvorsitzende sehr gut vernetzt. Sie will ein sozial gerechtes Schweinfurt, das sich seine Innovationskraft erhält und in der die Stadtverwaltung aktiv gemeinsam mit der Industrie die Rahmenbedingungen für den Wandel in Sachen Elektromobilität schafft. Für Eder ist aktiver Klimaschutz ein Muss, genauso wie eine Diskussion darüber, welchen Platz in der Stadt Auto, Fahrrad und Fußgänger einnehmen sollen. Sie engagiert sich außerdem im Bündnis "Schweinfurt ist bunt", ist dort stellvertretende Vorsitzende. Seit Herbst ist sie als Nachfolgerin von Thomas End Stadträtin.

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Wie ist die Kommunalwahl 2014 in Schweinfurt ausgegangen? 

Sebastian Remelé wurde 2010 als Nachfolger von Gudrun Grieser für die CSU zum ersten Mal in das Amt des Oberbürgermeisters gewählt, er siegte in der Stichwahl. 2014 sicherte er sich schon im ersten Wahlgang mit 66,9 Prozent der Stimmen seine zweite Amtszeit mit klarem Vorsprung vor SPD-Kandidat Stephan Kuserau und Linken-Kandidat Frank Firsching. Die erste Amtszeit Remelés war um zwei Jahre verkürzt, seit 2014 wird der Oberbürgermeister wieder gemeinsam mit dem Stadtrat gewählt. Die Christsozialen stellen mittlerweile seit 28 Jahren den Oberbürgermeister, davor stellten die Sozialdemokraten von 1920 bis 1933 und 1946 bis 1992 durchgehend den Oberbürgermeister.

Analyse: Wer hat gute Chancen auf den Job als Rathauschef?
Oliver Schikora.
Foto: Angie Wolf | Oliver Schikora.
Amtsinhaber Sebastian Remelé hat nach zehn Jahren als Oberbürgermeister einen großen Amtsbonus, er ist gerade bei der älteren Bevölkerung beliebt, tritt oft gemeinsam mit seiner Frau Monika auf. Gleichwohl wird diese Kommunalwahl kein Selbstläufer für ihn. Im Hintergrund ist in den vergangenen Jahren aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen ein Grummeln zu hören, da es verschiedene umstrittene Entscheidungen, zuletzt zum Thema Neubau des Kulturforums oder Neubau des Friederike-Schäfer-Pflegeheims gab. Inwiefern es den beiden Konkurrenten gelingt, dieses Grummeln zu verstärken, wird über ihren Wahlerfolg entscheiden.
Das erste Ziel für Marietta Eder und Holger Laschka ist es, Remelé in eine Stichwahl zu zwingen. Aufgrund des Landestrends und auch einem gestiegenen Bewusstsein für die Bedeutung des Klimawandels für die Stadt, dürfte der Grünen-Kandidat die besseren Chancen haben.
Gut ein Jahr lang gab es im übrigen im Hintergrund Gespräche über einen gemeinsamen Oppositions-Kandidaten. Die Grünen scherten dann aus und präsentierten Laschka ohne Absprache mit den anderen Fraktionen.

Podiumsdiskussion des Schweinfurter Tagblatts

Am Mittwoch, 5. Februar, um 19 Uhr treffen Sebastian Remelé, Marietta Eder und Holger Laschka bei einer Podiumsdiskussion aufeinander, die diese Redaktion im evangelischen Gemeindehaus in der Friedenstraße in Schweinfurt veranstaltet. Das Trio wird sich nicht nur mit den Themen der Moderatoren Oliver Schikora und Josef Schäfer auseinandersetzen, sondern auch das Publikum kann Fragen an die Bewerber stellen.

Wer Fragen nicht selbst vortragen, sie aber dennoch platzieren möchte: bitte per Mail an redaktion.schweinfurt@mainpost.de mit dem Betreff "OB-Wahl". Bitte schreiben Sie auch Ihren Namen und Wohnort dazu. In der Veranstaltung werden wir nur den Namen des Fragestellers bekanntgeben und – zur besseren Einordnung – ggf. die politische Funktion, wenn er eine ausübt.

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