Würzburg

Wiedersehen mit den Baskets: Welche Ziele Demond Greene hat

Der Basketballer war in Würzburg einer der "Jungen Wilden". Nun kommt es für den Co-Trainer des FC Bayern München zum Wiedersehen mit dem Klub, bei dem seine Karriere begann.
25. September 2005: die deutschen Nationalspieler (von links) Denis Wucherer, Dirk Nowitzki und Demond Greene präsentieren ihre bei der EM gewonnen Silbermedaillen.
Foto: Imago | 25. September 2005: die deutschen Nationalspieler (von links) Denis Wucherer, Dirk Nowitzki und Demond Greene präsentieren ihre bei der EM gewonnen Silbermedaillen.

Dirk Nowitzki, Marvin Willoughby, Robert Garrett - und: Demond Greene. Die Erinnerung an diese vier Menschen und an das, was sie in Würzburg schufen, treibt so manchem Basketball-Anhänger bestimmt heute noch Pipi in die Augen. Die "Jungen Wilden" wurden sie getauft. Sie führten die damals X-Rays genannten Würzburger Basketballer 1998 erstmals in die Bundesliga. Greene gewann ein paar Jahre später, 2005, gemeinsam mit Nowitzki, Garrett und Denis Wucherer, dem heutigen Cheftrainer von s.Oliver Würzburg, in Belgrad die Silbermedaille bei der Europameisterschaft. Am Sonntag (15 Uhr) sehen sich Wucherer und Greene wieder, wenn die Baskets beim FC Bayern München gastieren, wo Greene vor der aktuellen Saison zum Co-Trainer des Euroleague-Teams befördert wurde. Ein Gespräch mit dem 41-Jährigen über alte Zeiten, aktuelle Schwierigkeiten und eine mögliche Zukunft.

Frage: Wie haben Sie Ihre fünf Jahre von 1997 bis 2002 in Würzburg in Erinnerung?

Demond Greene: Durchweg positiv. Es war meine Anfangszeit als Profi, die mich natürlich sehr geprägt hat und in der ich mich entwickeln konnte unter den Trainern Klaus Perneker, Pit Stahl und natürlich auch Holger Geschwindner. Es war eine sehr schöne Zeit damals mit den Kollegen Nowitzki, Garrett, Willoughby, Steinbach und den ganzen Konsorten. Ich habe auch noch Kontakt zu einigen, mal mehr, mal weniger.

Nowitzki wurde Legende, Garrett surft angeblich vor Hawaii, Willoughby ist als Geschäftsführer und Sportdirektor in Hamburg wie Sie auch nach dem Ende der Spielerkarriere dem Sport und der Liga verbunden geblieben. Das ganze Leben für den Basketball - liegt das daran, dass Sie dem so viel zu verdanken haben, oder, despektierlich gefragt: Habt Ihr nichts anderes gelernt?

Greene: Na ja, gelernt habe ich schon was: Ich habe ja damals in Würzburg, als meine Karriere begann, nebenbei eine Ausbildung zum Industriemechaniker gemacht. Aber die Frage, ob ich nach meiner Karriere dem Sport verbunden bleibe oder wieder als Industriemechaniker arbeite . . . Diese Entscheidung zu treffen, war für mich ziemlich einfach.

Demond Greene im März 2002 im Trikot der X-Rays.
Foto: Fabian Frühwirth | Demond Greene im März 2002 im Trikot der X-Rays.
Was ist der Antrieb, nicht loslassen zu wollen?

Greene: Ich war als Spieler immer ehrgeizig und habe versucht, das Bestmögliche aus mir herauszuholen. Irgendwann habe ich mich entschieden, einen ähnlichen Weg als Trainer gehen zu wollen. Das heißt: Natürlich ist es mein Ziel, als Trainer eine ähnliche Karriere oder vielleicht sogar eine bessere zu gestalten als die, die ich als Spieler hatte. Sprich: Bundesliga-Cheftrainer, vielleicht Nationalmannschaft, vielleicht schaffe ich es ja, auch mal ein Euroleague-Team zu coachen. Also all das, was ich als Spieler erreichen konnte, möchte ich auch als Trainer erreichen. Dazu muss man einen gewissen Ehrgeiz haben, um diesen Weg zu gehen, weil der Weg als Trainer noch zehnmal schwieriger ist als als Spieler. Aber das lasse ich alles auf mich zukommen. Ich werde sehen, wohin der Weg geht. Ich habe hier viel zu lernen, von unserem Headcoach, aber auch von den anderen Trainerkollegen, die ein sehr sehr guten Input mitbringen und Erfahrung.

Sie kommen sozusagen aus der Jugendhilfe und haben es nun mit abgezockten Stars zu tun. Worin besteht der Unterschied, ein 18-jähriges Talent zu fördern oder die Herren Baldwin, Reynolds und Lucic in die Spur zu kriegen?

Greene: Da ist kein so großer Unterschied. Als U19-Trainer willst du Spieler entwickeln, klar. Aber auch gestandene Spieler wie Baldwin, Reynolds oder Lucic müssen jeden Tag lernen. Natürlich haben sie mehr Erfahrung als ein U19-Spieler, aber sie machen trotzdem auch Fehler. Und auf diese Fehler müssen wir sie hinweisen. Und dann ist es egal, ob das der Lucic ist oder ein U19-Spieler.

Demond Greene (links) und der heutige Baskets-Trainer Denis Wucherer im Februar 2002 in Würzburg.
Foto: Frühwirth | Demond Greene (links) und der heutige Baskets-Trainer Denis Wucherer im Februar 2002 in Würzburg.
Und wenn Spieler ausentwickelt sind?

Greene: Das gibt es nicht. Nie. Am Ende der Saison willst du als Trainer sagen können, dass sich alle deine Spieler weiterentwickelt haben. Die werden sich nicht alle im gleichen Ausmaß weiterentwickeln, aber das ist das Ziel. Der eine hat sich vielleicht spielerisch nicht weiterentwickelt, weil er womöglich bereits in seinem Zenit ist. Aber vielleicht hat er sich menschlich weiterentwickelt. Vielleicht kam der her, war ein richtig geiler Spieler, aber charakterlich auch ein Idiot. Und am Ende der Saison ist er ein geiler Spieler geblieben und hat sich als Teamplayer oder gar zum Anführer entwickelt.

In der Bundesliga spielt der FC Bayern in dieser Runde bisher nicht die erwartet dominante Rolle, zuletzt setzte es sogar eine Niederlage bei Aufsteiger Chemnitz . . .

Greene: Chemnitz hat es zweimal gegen uns geschafft, ganz enge Spiele zu haben. Wir haben zu Hause nur mit einem Punkt gewonnen und verlieren in Chemnitz mit dem letzten Wurf. Daran sieht man: Es liegt nicht zwingend nur daran, welche Mannschaft die nominell besseren Spieler hat. Wenn man es schafft, das Maximum aus seinen Spielern herauszuholen, was Chemnitz gegen uns zweimal unglaublich gut gelungen ist, hat man einen guten Job gemacht. Das zeugt zum einen von einer guten Vorbereitung durch die Trainer. Aber mit Sicherheit hat es auch etwas mit der Motivation der Spieler zu tun, wenn sie gegen einen Verein wie Bayern München spielen. Das spielt zusammen.

"Es gibt keinen Unterschied, ob wir in Barcelona oder in Chemnitz spielen."
Demond Greene, Co-Trainer des FC Bayern München
Das heißt im Umkehrschluss aber auch, dass Sie zweimal keinen guten Job gemacht haben in der Vorbereitung, und sich überdies Ihre Spieler womöglich gedacht haben: Wer oder was, bitteschön, ist Chemnitz? Ich habe gerade zweimal in Moskau gewonnen und spiele nächste Woche gegen Real Madrid und FC Barcelona. Das ist doch auch eine Einstellungsfrage, oder?

Greene: Natürlich sind Vorbereitung und Motivation das A und O. Aber wenn du an einem Dienstag gegen eines der besten Euroleague-Teams spielst und zwei Tage später noch einmal gegen europäische Spitzenklasse, und dann fährst du von Istanbul, Tel Aviv oder Moskau nach Chemnitz und spielst eben nicht gegen absolute Top-Spieler wie zuvor . . . Ohne diese Gegner schlecht reden zu wollen, ganz und gar nicht. Da sind nun mal ganz große Qualitätsunterschiede. Du kannst natürlich nicht zum Beispiel die Spieler aus Chemnitz weder individuell noch als Team vergleichen mit denen aus Barcelona. Und nach zwei Spielen, die auf höchstem Niveau ablaufen, ist es für Spieler manchmal extrem schwierig, sich erneut derart zu konzentrieren. Das darf man nicht unterschätzen. Natürlich ist es ihr Job, und natürlich müssen sie diese Spiele genauso angehen wie die anderen. Unsere Spieler müssen sich auf drei Spiele in der Woche vorbereiten, heißt: Nachdem sie zweimal Euroleague gespielt haben, komm ich dann am Samstag an und erzähl ihnen was über Chemnitz. Meinen Sie, bei denen geht dann noch viel in die Birne rein? Die sind körperlich und mental so ausgelaugt, da kommt nicht mehr viel an. Ich will das nicht kleinreden, und natürlich sollten wir solche Gegner eigentlich auch mit 20 oder 30 Punkten Unterschied aus der Halle fegen können. Das ist auch der Anspruch, mit dem wir Trainer da reingehen. Aber es ist extrem schwierig, nach zwei Euroleague-Spielen unter der Woche das am Wochenende dann umzusetzen. Vor allem mental.

Der FC Bayern hat bereits vier Spiele in dieser Runde verloren, und auch beim 74:70-Erfolg in Würzburg habt Ihr Euch lange Zeit ziemlich schwer getan. Man könnte den Eindruck bekommen, Bayern München interessiert in dieser Runde die Bundesliga eher weniger und fokussiert sich ganz darauf, als erstes deutsches Team überhaupt in die Euroleague-Play-offs zu kommen. Ein Ziel, dem Sie durch den enorm wichtigen 72:70-Sieg gegen Tel Aviv am Donnerstag wieder einen Schritt näher gekommen sind.

Greene: Nein, das kann man so nicht sagen. Die Liga interessiert uns genauso wie die Euroleague. Es gibt keinen Unterschied, ob wir in Barcelona oder in Chemnitz spielen. Hätten Sie vor der Saison gedacht, dass wir in der Euroleague um die Play-offs kämpfen?

Demond Greene im Oktober 2000 im Würzburger Trikot.
Foto: Fabian Frühwirth | Demond Greene im Oktober 2000 im Würzburger Trikot.
Ehrlich? Nein!

Greene: Eben. Hat keiner. Ich auch nicht. Keiner von uns. Es hat sich so entwickelt, dass wir international diese Chance haben. Wir haben gut trainiert und zueinander gefunden. Aber nochmal: Der Fokus ist der Gleiche, der Wille ist derselbe. Haben Sie schon mal ein Euroleague-Spiel von uns gesehen und wie unser Coach da am Seitenrand abgeht? Und Sie haben ihn auch an der Seitenlinie in Würzburg gesehen, richtig?

Zweimal ja.

Greene: Haben Sie da einen Unterschied gesehen?

Na ja, ich hatte eher den Eindruck, in Würzburg hat er sich vielleicht noch ein bisschen mehr aufgeregt, was bei dieser Leistung nicht ganz verwunderlich war.

Greene: Es geht nicht um die Leistung der Spieler. Sondern um seine Energie, um seinen Einsatz, um seinen Ehrgeiz. Egal, ob es Barcelona oder Chemnitz oder Würzburg ist: Es ist dasselbe. Und genau das verlangt er von den Spielern. Und er lebt es vor.

Wie wichtig ist es für Ihre persönliche Entwicklung, von so einem Trainer wie Andrea Trinchieri lernen zu können?

Greene: Es ist das Allerbeste, was mir zu diesem Zeitpunkt passieren konnte. Natürlich habe ich auch meine eigenen Ideen und Vorstellungen, was ja auch wichtig ist. Ich möchte, wenn ich mal meinen eigenen Weg gehe, auch niemanden kopieren, aber von jedem meiner Trainer, auch von jenen, die ich als Spieler hatte, etwas mitnehmen für mein Rezept. Ich vergleiche das gerne mit dem Kochen. Sie machen eine Tomatensuppe, und der weltbeste Koch macht eine Tomatensuppe. Am Ende des Tages ist es eine Tomatensuppe. Sie nehmen vielleicht 500 Gramm Tomaten und diese und jene Gewürze. Und der Drei-Sterne-Koch nimmt vielleicht 560 Gramm Tomaten und noch ein anderes Gewürz. Es kann natürlich sein, dass Ihnen seine Tomatensuppe gar nicht schmeckt. Aber es kann sein, dass er in seinem Rezept irgendetwas hat, was Sie nehmen könnten, um Ihre Suppe aufzupeppen und letztlich ein bisschen besser zu machen.

In diesem Sinne: Guten Appetit!

Greene: Dankeschön.

Zur Person

Demond Greene 2015
Foto: Andreas Gebert, Avis | Demond Greene 2015
Demond Greene, geboren am 15. Juni 1979 in Fort Hood (US-Bundesstaat Texas) als Sohn eines US-amerikanischen Vaters und einer deutschen Mutter, wuchs in Aschaffenburg auf, verschrieb sich zuerst der Leichtathletik (Weitsprung), ehe er mit 15 erstmals in einem Verein (TuS Aschaffenburg) Basketball spielte. Nach seinem Wechsel 2002 aus Würzburg nach Leverkusen (bis 2005) spielte er anschließend noch für Alba Berlin (Pokalsieger 2006), Brose Bamberg, Olympia Larisa (Griechenland) und zuletzt den FC Bayern München, dem er sich 2010 anschloss und mit dem er 2014 Meister wurde. Greene bestritt 114 Länderspiele. Nach seinem Karriereende 2014 wurde er Assistenztrainer der U19 und der zweiten Mannschaft der Münchner, dann Cheftrainer beider Teams. Seit dieser Runde ist Greene Co im Trainer-Stab von Andrea Trinchieri. tbr
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